WM-Silber “nach Gold 2017 eine kleine Enttäuschung“

Sunweb klettert schnell, hat dann aber zu wenig Reserven

Von Felix Mattis aus Innsbruck

Foto zu dem Text "Sunweb klettert schnell, hat dann aber zu wenig Reserven"
Tom Dumoulin (Sunweb) konnte sich über Silber im WM-Teamzeitfahren von Innsbruck nicht so richtig freuen. | Foto: Cor Vos

23.09.2018  |  (rsn) - Nach dem Titelgewinn im Vorjahr musste sich das Team Sunweb im vorerst letzten Mannschaftszeitfahren bei Weltmeisterschaften mit Silber zufrieden geben. Auf dem 62,4 Kilometer langen Kurs vom Ötztal nach Innsbruck hatten Tom Dumoulin und Co. im Finale nichts mehr entgegenzusetzen, als Quick-Step Floors beschleunigte und sich den WM-Titel sicherte.

"Natürlich fühlt sich das nach Gold im letzten Jahr jetzt wie eine kleine Enttäuschung an", gestand Dumoulin nach dem Rennen gegenüber radsport-news.com. "Wenn man Titelverteidiger ist, ist alles andere als der Sieg eben etwas enttäuschend. Aber wir sind ein sehr gutes TTT gefahren und können stolz sein."

Vor allem im zweiten Sektor war die in der Niederlande beheimatete und mit deutscher Lizenz ausgestattete Equipe eine Klasse für sich. Von Kilometer 22,8 über den knapp fünf Kilometer langen Anstieg nach Axams hinauf zur zweiten Zwischenzeit bei Kilometer 44,8 fuhren die Titelverteidiger die klar schnellste Zeit. Elf Sekunden war man da schneller als die späteren Sieger, 19 Sekunden als BMC und 37 als Sky.

"Wir sind den Berg sehr gut gefahren, aber wir hatten danach nicht mehr die Energie, um noch einen Unterschied zu machen. Ich denke, da haben wir es dann verloren", vermutete der amtierende Einzelzeitfahr-Weltmeister, ohne bereits in die genauere Analyse gegangen zu sein. Ähnlich sah es auch Teamkollege Michael Matthews: "Vielleicht haben wir im Anstieg etwas zu viel Kraft gelassen. Das müssen wir uns im Nachhinein anschauen mit unseren Powerdaten, was da genau passiert ist", sagte er.

Schon kurz vor dem Anstieg hatte der US-Amerikaner Chad Haga den Anschluss an seine fünf Teamkollegen verloren, was Dumoulin aber nicht für ausschlaggebend hielt. "Es gab keinen genauen Plan, bis wohin wer mitfährt. Aber wir mussten ein gewisses Tempo halten, und wenn einer nicht mehr folgen kann, muss man ihn zurücklassen - auch das ist Teamwork", erklärte er.

Auf dem Weg zum Ziel gaben der 27-Jährige und seine Teamkollegen weiterhin alles, denn auch wenn Quick-Step Floors immer weiter enteilte, so lief es gegen BMC auf eine Entscheidung um wenige Sekunden heraus. Am Ende war Sunweb, das auf der Zielgeraden noch Wilco Kelderman abhängte, 1,09 Sekunden schneller als die Weltmeister von 2016.

Damit gelang Dumoulin auch ein erster kleiner Sieg gegen seinen voraussichtlich größten Kontrahenten im Einzelzeitfahren Rohan Dennis. Ob das aber wirklich eine psychologische Hilfe für Mittwoch sein kann ist fraglich. Vielmehr dürfte dem Niederländer geholfen haben, dass er sich selbst "gut" fühlte am Sonntag, wie er kurz und knapp zusammenfasste. "Ich denke, das war die perfekte Vorbereitung für Mittwoch, nochmal so einen kleinen Kick zu bekommen", befand er ob der intensiven Belastung über 62 Kilometer, und lachte dann: "Oder nicht unbedingt einen kleinen."

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