In den Startlöchern wartet schon Bernal

“Prince of Wales“ Thomas setzt Sky-Dominanz bei der Tour fort

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Geraint Thomas(Sky) nach seinem Tour-Sieg in Paris | Foto: Cor Vos

30.07.2018  |  Paris/Cardiff (dpa) - Der Radsport verneigt sich vor dem "Prince of Wales", auf der Insel erstrahlen Schlösser in Gelb, und die Konkurrenz verzweifelt am Team des Königs der Tour de France.

Nach dem Erfolg von Sky-Profi Geraint Thomas in Frankreich ist die Zukunft des neuen britischen Sportstars zwar offen. "Keine Ahnung, momentan will ich einfach nur feiern", kündigte der smarte Radprofi, dessen Vertrag bei Sky Ende des Jahres ausläuft, vor Beginn der großen Siegerparty am Sonntagabend in Paris an. Dass an der Mannschaft des ebenso akribischen wie gefürchteten Dave Brailsford auch in den nächsten Jahren kaum ein Vorbeikommen ist, damit ist zu rechnen.

Sky und die Tour - das ist wie Bayern München in der Bundesliga: Das Kapital bestimmt den Sieger. Mit mindestens 30 Millionen Euro ist das Budget das höchste im Peloton, seit 2012 stellte Sky bis auf eine Ausnahme stets den Tour-Sieger. 2014 triumphierte Vincenzo Nibali nur, weil Sky-Kapitän und Topfavorit Chris Froome nach einem Sturz aussteigen musste. "Sky kann sich hoch bezahlte Fahrer als Helfer leisten, die in anderen Teams Kapitäne wären und selbst die Tour gewinnen könnten", lautete die Analyse durch Ex-Profi Rolf Aldag, Sportlicher Leiter beim chancenlosen Konkurrenten Dimension Data.

Fahrer wie Ex-Weltmeister und Mailand-Sanremo-Gewinner Michal Kwiatkowski oder Lüttich-Bastogne-Lüttich-Sieger Wout Poels waren bei der Tour ergebene Diener ihrer Herren. Auch der Bonner Christian Knees gehört zur Sky-Equipe. In Frankreich fehlte er, aber im Mai half er Froome beim ersten Giro-Sieg. Dazu stimmt der Team-Spirit. Froomes Glückwünsche an seinen Kumpel klangen ehrlich. "Unsere Stärke ist der Kopf", sagte Thomas.

Und Sir Dave Brailsford, ließe sich hier ergänzen. Der Regisseur machte in den vergangenen Jahren nur einmal eine schlechte Figur, nämlich beim Krisenmanagement im Fall seines ersten Toursiegers Bradley Wiggins. Vor dem Parlaments-Ausschuss zur Untersuchung einer dubiosen Medikamenten-Lieferung an den ebenfalls von der Queen zum Ritter geschlagenen Wiggins verstrickte er sich in teils peinliche Widersprüche. Das Verfahren wegen möglicher Doping-Vergehen wurde dennoch eingestellt.

Brailsford überstand auch die Ermittlung wegen Dopingverdachts gegen Froome nach einer Salbutamol-Auffälligkeit und zauberte bei der Tour das Supertalent Egan Bernal aus dem Hut. Der Kolumbianer, mit 21 Jahren jüngster Tour-Starter, bestimmte in den Bergen vor Thomas und Froome das Tempo und nahm der Konkurrenz die Luft zum Atmen. "Das ist mein Mann der Zukunft", sagte der Sky-Chef bereits.

Für die Kapitänsrolle 2019 ist Bernal aber noch zu unerfahren - und daher ist die Frage nach dem Sky-Leader spannend. Der 33-jährige Froome hat noch Vertrag bis Ende 2020, zeigte in den vergangenen drei Wochen aber Schwächen. Der nur ein Jahr jüngere Thomas wäre nun sein logischer Nachfolger, könnte nach dem Triumph aber auch bei jeder anderen Mannschaft anheuern und sogar das Salär diktieren.

All diese Fragen waren nach 3351 langen und beschwerlichen Kilometern durch Frankreich für Thomas erst einmal nebensächlich. Er freute sich nach der Sause in Paris auf ein Wiedersehen mit der Familie in Wales.

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