Dossier noch nicht vollständig

Schweizer Verband im Fall Ullrich unnachgiebig

Von Matthias Seng

20.10.2006  |  Sollte Jan Ullrich hoffen, mit seinem Austritt aus dem Schweizer Radsportverband einem Dopingverfahren aus dem Weg gehen zu können, könnte er sich getäuscht haben. Sowohl der den Fall beim Schweizer Olympia-Komitee Swiss Olympic bearbeitende Bernhard Welten als auch Swiss Cycling-Geschäftsführer Lorenz Schläfli betonten, dass dieser Schritt Ullrichs auf den Fortgang des Verfahrens keinen Einfluss habe.

„Es kann nicht sein, dass sich ein Athlet der Sanktionierungsgewalt eines Verbandes entzieht“, sagte der in Bern ansässige Jurist Welten auf Nachfrage von Radsport aktiv. „Das würde gegen einen allgemeinen Rechtsgrundsatz verstoßen.“ Ullrichs Hamburger Anwalt Ulrich Theune habe die Meinung vertreten, dass der Schweizer Verband für seinen Mandanten nicht zuständig sei.

„Sobald im Fall Ullrich das Dossier vollständig ist, werden wir es an die Disziplinarkammer von Swiss Cycling weiterleiten“, beschrieb Welten die nächsten Schritte. „Dazu werde ich gemäß den WADA-Statuten einen Antrag stellen – entweder auf Freispruch, weil die Indizien zu einer Verurteilung nicht ausreichen, oder auf lebenslange Sperre. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht.“ Die Entscheidung, auch darüber, ob überhaupt ein Verfahren eröffnet wird, liegt dann bei der Disziplinarkammer.

Offenbar gehen die Schweizer davon aus, nicht von der Sperre betroffen zu sein, die der für die „Operation Puerto“ zuständige spanische Richter über die Ermittlungsakten verhängt hat. „Ich habe davon auch nur aus den Medien erfahren“, so Welten, “aber diese Sperre betrifft nur staatliche Stellen, nicht aber die Sportgerichtsverband. Wir erwarten noch weiteres Material aus Spanien und aus Deutschland.“

Das bestätigte auch Swiss Cycling Geschäftsführer Lorenz Schläfli. „Ich kann aber nicht sagen, wann die Akten bei uns eintreffen werden“, so Schläfli, der davon ausgeht, dass Ullrich demnächst seine Lizenz an den Schweizer Verband zurückschicken wird. Sollte ein Verfahren gegen den 32-Jährigen eingestellt werden oder mit einem Freispruch enden, könne er jederzeit wieder in den Verband eintreten.

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