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22.12.2025 | (rsn) – Nach fünf Jahren beim Red Bull-Bora-Rennstall kehrte Maximilian Schachmann Anfang dieser Saison zu Soudal – Quick-Step zurück, wo er 2017 seine Profikarriere begonnen hatte und im Jahr darauf eine Giro-Etappe sowie den WM-Titel im Mannschaftszeitfahren feiern konnte. Damals gehörten Julian Alaphilippe, Tom Boonen, Philippe Gilbert und Marcel Kittel zu den ganz großen Namen. Nun drehte sich bei den Belgiern fast alles nur um Remco Evenepoel, obwohl mit Tim Merlier einer der besten Sprinter der Welt im Aufgebot steht.
Obwohl sich in der Zwischenzeit viel getan hatte - auch der charismatische Teamchef Patrick Lefevere wurde durch Jurgen Foré ersetzt - hatte Schachmann beim alten und neuen Arbeitgeber keine Eingewöhnungsprobleme. “Ehrlich gesagt fühlte es sich an, als würde man nach einer langen Reise wieder die eigene Haustür aufschließen. Viele vertraute Gesichter, eine ähnliche Arbeitsweise, aber gleichzeitig ein komplett neues Umfeld im Detail“, berichtete der 31-Jährige gegenüber RSN. ___STEADY_PAYWALL___
“Das Team hat sich weiterentwickelt – und ich auch. Diese Mischung aus Vertrautheit und frischem Input hat mir extrem gutgetan. Ich hatte sofort das Gefühl: Okay, hier kann ich wieder anknüpfen“, fügte er an. Dementsprechend gelungen war auch der Saisoneinstand des Deutschen. Bei der Volta ao Algarve (2.Pro) hielt Schachmann sich an seinen ersten vier Renntagen schadlos, um auf der Abschlussetappe einen rauszuhauen. Beim Zeitfahren zum berüchtigten Alto de Malhao, der üblicherweise als Bergankunft einer am Ende einer Massenstartetappe steht, wurde er Fünfter, womit er auch im Schlussklassement Rang fünf belegte.
Solche Ergebnisse im Kampf gegen die Uhr waren in den letzten Saisons keine Selbstverständlichkeit, auch wenn Schachmann seine Klasse immer mal wieder aufblitzen ließ. Nachdem er bei Paris-Nizza (2.UWT) auf Rang 17 und bei Mailand-Sanremo (1.UWT) als 33. ins Ziel gekommen war, setzte er im Zeitfahren zum Auftakt der Baskenland-Rundfahrt (2.UWT) gleich das nächste Ausrufezeichen in dieser Disziplin. Nach 16,5 Kilometern war er 54 Hundertstel schneller als Joao Almeida (UAE – Emirates – XRG) und derer 76 besser als Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) – der erste Profisieg seit der Sibiu Tour (2.1) 2023 und der erste im Zeitfahren seit der Auftaktetappe im Baskenland 2019!
Beim Zeitfahren der Volta ao Algarve war Maximilian Schachmann (Soudal – Quick-Step) gleich gut drauf. | Foto: Cor Vos
“Ich wusste, dass ich meine besten Jahre hatte, als ich im Zeitfahren konstant stark war. Wir haben im Winter sehr präzise an der Position gearbeitet, viel im Tunnel, viel auf der Bahn – und ich habe wieder Spaß daran gefunden, an diesen kleinen Details zu feilen“, erklärte Schachmann seine starken Auftritte auf dem Zeitfahrboliden. “Als dann im Baskenland der Sieg kam, war das für mich persönlich fast surreal. Sechs Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Das war eher ein Befreiungsschlag als Routine“, gestand er.
Auch an den folgenden Tagen bewies der gebürtige Berliner Topform. Zwei schwere Teilstücke beendete er als Dritter, hinter Almeida auf Position zwei liegend ging er auf die Königsetappe rund um Eibar. “Wir sind klar mit dem Ziel hineingegangen, das Podium zu verteidigen. Almeida hatten wir natürlich im Hinterkopf“, erinnerte Schachmann sich. Den Portugiesen konnte er im strömenden Regen aber nicht halten – wie zeitweise auch einige andere Klassementfahrer. “Es war aufgrund der schwierigen Wetterbedingungen für Fahrer und Material gnadenlos. Schon früh war klar: Heute wird’s ein Überlebenskampf.“
Und den überstand der Soudal-Profi letztendlich relativ unbeschadet. Er kämpfte sich zurück zu den meisten Kontrahenten, neben Almeida blieben nur Enric Mas (Movistar), Ben Healy (EF Education – EasyPost), Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG), Alex Aranburu (Cofidis) und Jordan Jegat (TotalEnergies) vor der Schachmann-Gruppe. Platz drei im Klassement und somit das “angepeilte Podium“ standen schlussendlich im Baskenland zu Buche.
Schachmann gewann den Auftakt der Baskenland-Rundfahrt und durfte das Gelbe Trikot überstreifen. | Foto: Cor Vos
Und mit dem sowie toller Form im Gepäck reiste er zur Ardennenwoche, wo er auch an der Seite von Evenepoel ein ernst zu nehmender Außenseiter war. Doch schon in den Niederlanden wendete sich das Blatt. “Es war tricky. Ich bin mit viel Selbstvertrauen hingefahren und die Beine waren gut. Dann bin ich beim Amstel leider schwer gestürzt und alles hat sich geändert“, so Schachmann, der daraufhin für den Flèche Wallonne (1.UWT) absagen musste. “In Lüttich war ich zwar am Start, aber nur noch mit 70 Prozent. Die Ardennen sind brutal ehrlich – wenn dir nur zwei Prozent fehlen, spürst du es sofort“, lautete sein Urteil.
Nach Platz 29 bei Eschborn – Frankfurt (1.UWT) begann beim Critérium du Dauphiné (2.UWT) Schachmanns Tour-Vorbereitung. Die verlief – auch im Zeitfahren – unauffällig für den Routinier. Bei der zwei Wochen später stattfindenden DM sollte er zurück in Rampenlicht rollen. Nach Bronze 2023 und Silber 2024 fuhr er 2025 endlich zu Gold im Kampf gegen die Uhr. “Ich war immer wieder nah dran, oft hat ein Detail gefehlt. Und ich bin nicht mehr der Fahrer, der automatisch jeden Zeitfahrstart als Podium liefert. Daher: Ja, das war emotional. Ein Häkchen, das schon lange offen war“, blickte Schachmann zufrieden zurück.
Im Straßenrennen wählte er als Einzelstarter auf dem schweren Kurs eine offensive Fahrweise, doch
“Die Dynamik kippt sofort. Wenn der Kapitän fällt, entsteht ein Vakuum. Für mich persönlich bedeutete es: Verantwortung verschiebt sich, aber auch die Ziele. Wir mussten uns neu sortieren – und ich wollte einfach noch das Beste für die Mannschaft herausholen. Persönliche Ambitionen rückten in den Hintergrund, weil die Tour brutal ist, wenn man ohne klare Hierarchie weitermacht“, beschrieb Schachmann die Situation, aus der heraus Valentin Paret-Peintre Soudal – Quick-Step immerhin noch einen weiteren Tagessieg bescheren konnte.
Knapp einen Monat, nachdem er die Tour in Paris auf Platz 68 beendet hatte, gab es für Schachmann in Spanien eine Premiere. Zum zweiten Mal trat er bei der Vuelta a Espana an – zum ersten Mal aber absolvierte er in einer Saison gleich zwei dreiwöchige Rundfahrten. “Ich hatte das Gefühl, dass ich in dieser Saison physisch stabil genug bin – und weil ich das Kapitel ‘zwei GTs‘ immer mal ausprobieren wollte. Und ehrlicherweise: Ich wollte nach der Tour nicht mit einem leeren Gefühl dastehen. Ich wollte etwas bauen, nicht etwas abschließen“, erläuterte er.
Bei der Tour trat Schachmann im Zeitfahren im Meistertrikot an. | Foto: Cor Vos
Jene Vuelta wird vor allem wegen der Proteste in Erinnerung bleiben. Schachmann äußerte sich während des Rennens ausgesprochen reflektiert und kritisch. Fast drei Monate später ruderte er zumindest im Ton etwas zurück: “‘Terror gegen Terror‘ war hart formuliert – aber der Kern bleibt: Gewalt erzeugt Gegengewalt!“, zitierte er aus dem Oeuvre der Berliner Band Die Ärzte. “Es war emotional, kompliziert und teilweise surreal. Ich stehe weiterhin dazu, dass wir als Fahrer eine extrem schwierige Rolle hatten: Wir werden zum Spielball von Konflikten, für die wir nichts können“, fügte er an.
Auch seine erste zweite Grand Tour fuhr Schachmann bis zu - deren vorzeitigen - Ende in Madrid. Mit der WM in Kigali sollte ein letztes Highlight folgen. Doch dazu kam es nicht, denn der Deutsche musste seine drei Einsätze krank absagen und reiste kurzfristig gar nicht erst nach Ruanda. “Ich wollte ein solides Zeitfahren und ein aktives Straßenrennen fahren. Die Strecke war anspruchsvoll, aber sie hätte mir gelegen. Es ist schade, dass es nicht geklappt hat – weil ich mich selten so gut auf eine WM vorbereitet gefühlt habe“, ärgerte er sich.
So konnte sich der Blick schnell auf 2026 richten. Evenepoel verlässt Soudal in Richtung Red Bull – Bora – hansgrohe, mit Merlier und Shootingstar Paul Magnier sind die größten Namen im Team im Sprint zu Hause. Und auch mit den Stareinkäufen Jasper Stuyven und Dylan van Baarle, beide ehemalige Monument-Sieger, wird Schachmann sich eher nicht in die Quere kommen.
“Natürlich verändert Remcos Abgang die Hierarchie. Ich werde mehr Freiheiten bekommen, gerade in einwöchigen Rundfahrten und im Zeitfahren“, befand der Deutsche Meister im Kampf gegen die Uhr. “Aber ich sehe es nicht als ‘jetzt bin ich dran‘, sondern eher als ‘jetzt entsteht Raum – und ich will ihn nutzen‘“, stellte Schachmann klar. “Ich bin nicht mehr 22, aber ich habe immer noch Hunger. Und das ist, glaube ich, meine größte Waffe!“
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