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11.12.2025 | (rsn) – Nach der Streckenpräsentation des Giro d'Italia 2026 hätte man meinen können: Das ist etwas für Remco Evenepoel! Mit seinem flachen 40-Kilometer-Zeitfahren und nicht allzu vielen extrem schweren Hochgebirgsetappen schien sich die Italien-Rundfahrt dem Doppel-Olympiasieger von Paris regelrecht anbieten zu wollen.
Und tatsächlich gefiel dem Belgier der Parcours so gut, dass er mit den sportlich Verantwortlichen bei seinem neuen Team Red Bull – Bora - hansgrohe sogar über den Doppelstart sprach: Giro d'Italia und Tour de France im selben Jahr. "Ja, wir haben darüber gesprochen und das diskutiert. Remco hat sich über den Giro-Parcours ziemlich gefreut", bestätigte Red Bulls neuer Sportchef Zak Dempster radsport-news.com am Medientag des Teams auf Mallorca. Evenepoel selbst sagte einmal mehr, dass eines seiner großen Karriereziele sei, alle drei Grand Tours zu gewinnen. Giro und Tour fehlen ihm noch.
Trotzdem aber wird er um Italien in der ersten Saisonhälfte 2026 einen Bogen machen. Anstatt zunächst auf Giro-Sieg zu fahren, wird sich der 25-Jährige auf die Ardennenklassiker und die Tour de France fokussieren, wo der Gesamtdritte von 2024 mit dem Gesamtdritten von 2025, Florian Lipowitz, eine Doppelspitze bilden soll. ___STEADY_PAYWALL___
Der Grund für die Entscheidung gegen den Giro ist vielschichtig. Einerseits wird Red Bull als Sponsor den teuren Neuzugang natürlich in Bestform beim größten Radrennen der Welt sehen wollen. Doch es steckt noch deutlich mehr dahinter.
"Wenn man ihn fragt, was er gerne fahren würde, würde er wahrscheinlich sagen: alle drei Grand Tours! So wie er es auf der Pressekonferenz vorhin ja als Scherz auch gesagt hat. Und ja es gab die Überlegung, Giro und Tour zu fahren. Aber wenn man ihn sich anschaut und was er opfern müsste, um das zu tun, dann ist das vielleicht einfach nicht der richtige Zeitpunkt in seiner Karriere", erklärte Dempster.
Locker und gelöst stellte sich Red-Bull-Neuzugang Remco Evenepoel auf Mallorca den Fragen der Presse. | Foto: Cor Vos
Denn auch wenn Evenepoel 2024 Tour-de-France-Dritter und Doppel-Olympiasieger wurde und 2025 erneut Zeitfahrweltmeister sowie Vize-Weltmeister im Straßenrennen geworden ist, so dürfe man seine schweren Verletzungen von seinen Unfällen im Baskenland im April 2024 und beim Training daheim in Belgien im vergangenen Dezember nicht vergessen. "Er hatte in den letzten beiden Jahren einige Unterbrechungen. Jetzt kommt ein neues Umfeld, ein neues Team dazu. Und wir haben gesagt, wenn wir jetzt ein Fundament für den Rest seiner Karriere legen wollen, dann muss er zu etwas 'Nein' sagen."
Hätte Evenepoel sich vor der Tour de France den Giro d'Italia vorgenommen, so wäre sein Frühjahr anders zu planen gewesen. Die Ardennenklassiker, wo er hinter Tadej Pogacar wohl der Fahrer mit den zweitbesten Aussichten auf Siege ist, wären dann keine Option gewesen. Bei Red Bull – Bora – hansgrohe aber hat man Evenepoel eben auch genau für solche Rennen geholt.
"Das Team würde gerne mal wieder ein Monument gewinnen. Das letzte Mal war damals in Roubaix mit Peter Sagan und dieser Sieg bedeutet dem Team sehr viel. Daran wird man mit Bildern immer erinnert, wenn man ins Hauptquartier kommt", sagte etwa Dempster auf Mallorca und auch Teamchef Ralph Denk hatte schon bei Bekanntgabe des Transfers im Sommer betont, dass man den Belgier ja nicht nur für Grand Tours verpflichte, sondern weil er so vielseitig sei und eben auch Klassiker gewinnen könne.
Konkret im Blick hat man dabei 2026 die Ardennen und das von Evenepoel schon 2022 und 2023 gewonnene Lüttich-Bastogne-Lüttich. Gerüchten, er könne im kommenden Frühjahr sogar die Flandern-Rundfahrt angreifen, widersprach man auf Mallorca und Evenepoel erklärte auch das mit seinen Problemen aus den Vorjahren: "Nein, kein Flandern. Wir wollen eine normale Saison fahren, wie ich sie kenne. Ich hatte letztes Jahr eine schwierige Saison und deshalb wollen wir dieses Jahr eine normale Saison bestreiten, ohne zu viele verrückte Dinge", sagte er, deutete aber an, dass die 'Ronde' 2027 oder 2028 für ihn interessant werden dürfte. "Ich hoffe, dass ich die Saison jetzt ohne Unterbrechungen durchziehen kann – bisher läuft ja alles gut. Und wenn das so bleibt, dann können wir Pläne für die weitere Zukunft machen. Aber diese Saison wird ziemlich 'basic'."
Mit Florian Lipowitz (li.) wird Evenepoel bei der Tour de France eine Doppelspitze bilden. | Foto: Cor Vos
Konkret soll Evenepoel genau wie Lipowitz Ende Januar beim von der Mallorca Challenge neu eingeführten Mannschaftszeitfahren in seine Saison starten. Im Februar wird er dann die Valencia-Rundfahrt bestreiten, im März wieder gemeinsam mit Lipowitz die Katalonien-Rundfahrt und eben Ende April die Ardennenklassiker, bevor dann eine kleine Pause wartet und mit einem Trainingslager die Vorbereitung auf die Frankreich-Rundfahrt beginnt.
Welches letztes Vorbereitungsrennen Evenepoel und auch Lipowitz dann im Juni bestreiten werden, ist noch offen. Dempster sprach nicht nur vom ab 2026 umbenannten Critérium du Dauphiné und der Tour de Suisse, sondern auch von der Slowenien-Rundfahrt als einer Option.
Bei der Tour werden es Evenepoel und Lipowitz sicher wieder mit den Überfliegern Pogacar und Jonas Vingegaard zu tun bekommen. Und auch wenn man im Red-Bull-Lager kollektiv den Hut gerade vor dem Slowenen zog und sowohl Dempster als auch Denk ihn als "den Besten" bezeichneten, so gab sich Evenepoel kämpferisch: "Wenn er nicht zu schlagen wäre, bräuchten wir nicht zu starten", so der Belgier. "Wir werden bezahlt, um Rennen zu gewinnen. Der Sponsor erwartet das von uns. Und wenn wir dafür Pogacar schlagen müssen, werden wir es probieren. Das sollte das Mindset sein."
Für dieses Vorhaben sieht auch Evenepoel die Doppelspitze mit Lipowitz wohl als eine gute Chance an. Denn auch wenn der Belgier, der in seiner Karriere bei Quick-Step bislang immer die unangefochtene Nummer 1 war, auf eine Frage zur geteilten Kapitänsrolle während der Pressekonferenz noch etwas auswich, so betonte er hinterher in den Pressegesprächen: "Ich denke, das ist das Beste für uns!" Er werde Lipowitz natürlich helfen, wenn sich herausstelle, dass der Deutsche besser drauf sei und um den Sieg oder das Podium fahre, während er selbst keine Chance darauf mehr habe. Und genauso sei es auch andersherum.
Auch mit seinem neuen Teamchef Ralph Denk (li.) scheint sich Evenepoel bestens zu verstehen. | Foto: Cor Vos
"Es ist noch etwas früh, um über Entscheidungen zu sprechen, die im Rennen dann getroffen werden. Aber ich denke, wenn man mehrere potenzielle Grand-Tour-Leader im Team hat, ist es immer besser, auch mit ein paar anzureisen. Das Team hat entschieden, dass wir das mit uns zwei tun und wir werden uns aneinander und an die Taktik anpassen", so Evenepoel, der auch offen erzählte, wann sein Wechsel zu Red Bull – Bora – hansgrohe in trockene Tücher gepackt worden sei:
"Seit der Woche nach der Dauphine war alles unter Dach und Fach", sagte er. Das heißt: Evenepoel unterschrieb, kurz nachdem Lipowitz ihn bei der Generalprobe zur Tour de France in den Schatten gestellt und deutlich auf Rang vier verwiesen hatte.
"Wenn man mit einer Mannschaft spricht, weiß man, was die Ziele für die Zukunft sind. Man weiß, wer da ist. Es ist immer besser Teamkollege starker Fahrer zu sein als deren Gegner. Das macht es einfacher für uns als Team, um Rennen zu gewinnen. Ralph und Zak waren sehr deutlich, was die Ziele für diese Saison betrifft: So viele Rennen wie möglich gewinnen. Je mehr starke Fahrer oder Leader man hat, desto einfacher ist das", meinte Evenepoel und ordnete das Kräfteverhältnis zwischen ihm und dem Deutschen 2025 so ein:
"Ich hatte ein schwieriges letztes Jahr mit dem Sturz und vielen Hochs und Tiefs. Florian war letztendlich wirklich gut in der Dauphiné und der Tour. Anschließend hat er seine guten Beine nicht mehr wirklich zurückgefunden und er wurde auch noch krank. Da kam ich dann wieder richtig gut in Form. Wenn man dann Teamkollege ist, kann man einander helfen. Das ist sehr positiv für uns alle."
Im alten Trikot beim neuen Team: Evenepoel wird erst ab dem 1. Januar das Trikot von Red Bull – Bora – hansgrohe auch offiziell tragen dürfen. | Foto: Cor Vos
Auf Mallorca schien sich Evenepoel im Red-Bull-Kosmos bereits sehr wohlzufühlen. Er wirkte locker und entspannt, war zu Scherzen aufgelegt und erschien einfach selbstbewusst. Und ganz offensichtlich glaubt er auch, in seiner neuen Zusammenarbeit mit Trainer-Koryphäe Dan Lorang noch einiges Potenzial bei sich aktivieren zu können.
"Auch wenn ich langsam älter werde, denke ich, dass ich mich noch deutlich verbessern kann", sagte der knapp 26-Jährige und betonte noch einmal, wie viel Basis-Training ihm im letzten Winter durch den Trainingsunfall verlorengegangen sei. "Wenn ich dieses Jahr heil durchkomme, wird allein das mich schon besser machen. Unsere Leute haben sich meine Daten auf Trainingpeaks in den letzten Wochen angesehen und werten jetzt aus, was mir fehlt. Dort liegt jetzt der Fokus, um noch besser zu werden. Ich hoffe, dass sich das in den Rennen dann zeigt. Aber ich fühle mich schon ziemlich gut und werde insgesamt in einigen Bereichen besser."
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