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04.01.2025 | (rsn) – Mehr als das halbe Rennen fuhr Lucinda Brand (Baloise – Glowi Lions) zehn Sekunden hinter der Spitzengruppe her; im Finale der Superprestige von Gullegem machte sie aber ernst, schloss zu ihren Konkurrentinnen auf und ließ diese stehen. Die Niederländische Meisterin gewann schließlich sechs Sekunden vor Zoe Bäckstedt (Canyon – SRAM), die den Millimetersprint um den zweiten Platz vor Ceylin del Carmen Alvarado (Fenix – Deceuninck) für sich entschied. Leonie Bentveld (Pauwels Sauzen – Cibel) wurde vor Marion Norbert Riberolle (Crelan – Corendon) Vierte. Durch ihren Erfolg übernimmt Brand auch die Superprestige-Gesamtführung von Alvarado.
Für die 36-Jährige war es ein Auf und Ab. Nach einem fast schon gewohnt mäßigen Start schloss Brand aber zur Spitzengruppe auf. “In der zweiten Runde hatte ich einen guten Flow, ich fühlte mich gut. Aber dann wurde nach dem Radwechsel wieder schnell gefahren und das Gefühl war weg“, schilderte sie die Anfangsphase des Rennens.Â
Die nächsten rund 20 Minuten lag sie immer ungefähr zehn Sekunden hinter der Spitzengruppe. “Ich habe probiert, meine eigene Linie zu finden. Und im Finale lässt man dann natürlich nichts liegen“, kommentierte Brand ihre Schlussoffensive, bei der sie das vor ihr liegende Trio erst einholte und dann abschüttelte
So fuhr die Weltranglistenerste zu ihrem sechsten Saisonsieg. Dahinter tat ihr Bäckstedt noch einen Gefallen. Sie überholte die Gesamtführende Alvarado, was Brand im Klassement zur Spitzenposition verhalf. “Zoë liegen solche Kurse und ich hatte schon gehofft, dass sie mir heute helfen kann“, meinte die Siegerin.
Die letzte Überholaktion der jungen Britin aber sorgte für Diskussionsstoff. “Sie lief an mir vorbei und schnitt mir sofort den Weg ab“, beschwerte sich Alvarado im Ziel-Interview. “Sie drückte dabei ihr Rad gegen mich – das fand ich eigentlich nicht so toll“, fügte die Niederländerin an. “Ich habe dann versucht, sie zurück auf ihre eigene Bahn zu schieben." Den Sprint um den zweiten Platz ging Alvarado dann vom Hinterrad ihrer Konkurrentin an. “Ich weiß nicht, ob die Aktion noch Einfluss hatte, wir haben bis zum Zielstrich alles gegeben", sagte sie.
Bäckstedt spielte den Vorfall im Interview herunter: “Ich habe sie beim Laufen in der Kurve überholt und dann – ja – war es einfach ein echter Kampf bis zum Ziel.“ Dass die 21-Jährige zu Fuß gut unterwegs ist, wurde auch in ihrem Abschlusssatz deutlich. “Hoffentlich wird es morgen wieder ein Laufrennen“, meinte sie mit Blick auf den Weltcup in Dendermonde.
Jamie de Beer (Heizomat – Herrmann) hatte keinen guten Start, kämpfte sich anschließend aber bis auf den elften Platz vor. Den verlor die Niederländerin gegen Marthe Truyen (Fenix – Deceuninck), so dass sie als Zwölfte über den Zielstrich rollte. Cindy Tröber war die einzige Deutsche im Rennen. Die 39-Jährige beendete den Wettkampf auf Position 37 von 42 Starterinnen.
Nach dem siebten von acht Superprestige-Events führt Brand im Klassement mit einem Punkt vor Alvarado. Das Finale der Serie wird am 8. Februar in Middelkerke ausgetragen.
Bäckstedt startete am schnellsten und nahm das Feld in der Auftaktrunde ins Schlepptau. Auf dem komplett flachen, aber rutschigen Kurs taten sich nur langsam Lücken auf. Nach 8:59 Minuten hatte die Britin nur noch Alvarado und Bentveld am Hinterrad. Zehn Sekunden dahinter folgte Brand mit Aniek van Alphen (777) und Riberolle. Deren Teamkollegin Sanne Cant war kurz zuvor mit einem Platten aus dieser Gruppe rausgefallen.
Auch in der zweiten von fünf Runden sorgte die Britin an der Spitze allein für Tempo. Bäckstedt konnte aber nicht verhindern, dass Brand den Anschluss schaffte. Durch einen schlechten Radwechsel fiel sie allerdings kurz danach um neun Sekunden zurück, wodurch Norbert Riberolle zu ihr aufschloss. Bei der nächsten Zieldurchfahrt lag das Duo zehn Sekunden zurück.
Mitte des dritten Umlaufs übernahm Alvarado erstmals die Führung. Sie wollte Brand die Rückkehr erschweren und setzte außerdem ihre beiden Begleiterinnen unter Druck. Die hielten dem aber stand, im Gegensatz zu Norbert Riberolle, die Brand wieder fahren lassen musste. Eingangs der Vorschlussrunde lag die Brand neun Sekunden hinten.
Anschließend drehte sie aber auf und kam dem Spitzentrio wieder näher. Das sah Alvarado, die folgerichtig zu ihrem zweiten Angriff ansetzte. Dadurch geriet Bentveld in Schwierigkeiten, Brand aber zeigte sich unbeeindruckt und schloss zu Alvarado und Bäckstedt auf. Bentveld lag eingangs der Schlussrunde drei Sekunden hinter dem Spitzentrio, in dem Brand kurz nach der Zielpassage erstmals in Führung ging.
Sie erhöhte direkt die Schlagzahl. Bäckstedt konnte nicht mehr mitgehen und auch Alvarado verlor Meter um Meter auf ihre Landsfrau. Im Sand wurde klar, dass bei der Fenix-Fahrerin die Luft raus war. Hinter Alvarado kam jetzt sogar die drittplatzierte Bäckstedt wieder auf.Â
Sie rannte ihren Rückstand auf die Niederländerin zu und in der nächsten Laufpassage an ihrer Konkurrentin vorbei, wobei sie die Tür unsanft zumachte. Alvarado konterte aber und auf der Zielgerade spurteten die beiden Seite an Seite um den zweiten Platz hinter Brand. Nach der Auswertung des Zielfotos wurde Bäckstedt der zweite Rang zugesprochen.
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