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D-Tour-Start in Mecklenburg-Vorpommern

Greipel hofft auf die Fahrt durch Rostocks Speckgürtel

Von Sebastian Lindner

Foto zu dem Text "Greipel hofft auf die Fahrt durch Rostocks Speckgürtel"
André Greipel | Foto: Cor Vos

31.01.2020  |  (rsn) - Als 1985 die Internationale Friedensfahrt bei ihrer 38. Auflage auf den letzten drei Etappen in und um Neubrandenburg Halt machte, ahnte wahrscheinlich noch keiner, dass der Straßenradsport für die nächsten 35 Jahre einen Bogen um den Nordosten Deutschlands machen würde. André Greipel, einer von Deutschlands erfolgreichsten Sprintern der letzten Zeit, war da gerade mal zwei Jahre alt.

Der gebürtige Rostocker musste 37 Jahre werden und sich im Ausklang seiner erfolgreichen Karriere befinden, um die Nachricht zu erhalten, dass er nun im Sommer die Chance bekommt, ein Profirennen in seiner Heimat zu fahren. "Ich finde es gigantisch, dass die Deutschland Tour in Stralsund startet“, sagte der Sprinter in Diensten des Teams Israel Start-Up Nation nach Erhalt der Nachricht, dass der Radsport am 20. August an der Ostsee Station macht. Die 1. Etappe führt von der Hansestadt Stralsund zur Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin, dem Tor zur Insel Rügen. "Ich hoffe, dass es auch durch den Speckgürtel von Rostock geht“, so Greipel, dessen Wunsch mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit in Erfüllung gehen dürfte.

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Wenn Deutschlands größtes Radsportereignis dieser Tage dann im August das platte Land durchquert, passiert das erstmals in der 30-jährigen Geschichte von MV. Dass der Straßenradsport diese Ecke Deutschlands in der Vergangenheit immer wieder mied, ist dabei durchaus überraschend. Schließlich kamen mit Jens Voigt (Dassow, zwischen Wismar und Lübeck) und Jan Ullrich (Rostock) zwei prägende Charaktere der deutschen Radsportszene um die Jahrtausendwende aus der Region.

Dass der Nordosten aufgrund seiner fehlenden Anstiege allein vom Profil her nicht gerade dafür geeignet ist, einer Rundfahrt zu gereichen, die sich selbst ein Klassiker-Profil verschreibt, ist dabei nur einer der Gründe, die auf der Hand liegen. Hätte die Rundfahrt zwischen 2009 und 2017 nicht neun Jahre lang pausiert, weil das Sponsoren-Interesse aufgrund der Dopinggeständnisse um Erik Zabel und Co. am Tiefpunkt war, wäre die Chance automatisch größer gewesen.

Die Finanzen sind mal wieder der Knackpunkt

Doch genau beim Thema Finanzen liegt der Hase im Pfeffer. Das Gesamtbudget der diesjährigen Deutschland Tour liegt bei 3,5 bis vier Millionen Euro – und das muss irgendwo herkommen. Unter anderem von den Etappenorten. Damit sich Stralsund und Schwerin das Vergnügen Deutschland Tour überhaupt leisten können, bezuschusste das Land MV Start- und Zielort jeweils mit 90.000 Euro. Dazu kommt ein nicht unerheblicher Eigenanteil. Geld, dass sich die klammen öffentlichen Kassen erstmal leisten müssen, auch wenn Werbe- und Marketingwert allein schon durch die weltweite TV-Übertragung gerade in einer Tourismusregion wie MV am Ende höher liegen dürften.

Als die Deutschland-Tour auf die beiden Städte mit dem entsprechenden Anliegen einer Ausrichtung zukam, wurden dabei dann aber doch offene Türen eingerannt, wie nicht nur die beiden Stadtoberhäupter Alexander Badrow und Rico Badenschier berichteten, sondern auch D-Tour-Projektleiter Matthias Pietsch. Letzterer sagte auch, dass sogar eine Beteiligung bereits in 2019 im Gespräch war, die darauffolgende Austragung aber doch als günstiger angesehen wurde. Denn einerseits feiert MV jetzt eben das 30-jährige Jubiläum, und andererseits erzählt die Deutschland Tour gerne genau solche Geschichten.

Und so bekommen mit André Greipel und Paul Martens (36, ebenfalls gebürtiger Rostocker) nun immerhin noch zwei Profis auf ihre alten Tage die Möglichkeit, ihre Heimat im Renntempo und mit vielen Fans an der Strecke zu durchqueren. Damit kommt die Deutschland Tour gerade noch rechtzeitig wenigstens einmal an die Wiege zahlreicher deutscher Erfolge, denn weitere (erfolgreiche) Profis aus dem Nordosten sind derzeit nicht in Sicht.

Zumindest nicht auf der Straße. Denn mit Lea-Sophie Friedrich, die aus dem gleichen Dorf wie Jens Voigt stammt, schickt sich ein Mädchen von der Ostseeküste an, die Ovale in der Halle zu erobern. Junioren-Weltmeisterin in mehreren Disziplinen ist sie bereits, im vergangenen Jahr reichte es bei den Großen schon für EM-Silber im Keirin und im Teamsprint sowie Bronze im Sprint.

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