One-Man-Show beim Weltcup in Benidorm

Van der Poel mit zwei Fingern in der Nase und einem Rad in der Luft

Von Kevin Kempf

Foto zu dem Text "Van der Poel mit zwei Fingern in der Nase und einem Rad in der Luft"
Ein Wheelie für die Fans: Mathieu van der Poel (Alpecin - Premier Tech) hat souverän den Weltcup in Benidorm gewonnen. | Foto: Cor Vos

18.01.2026  |  (rsn) – Vor zwei Jahren kassierte Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) beim Weltcup in Benidorm seine letzte Niederlage, am Sonntag ließ er in der spanischen Sonne nichts anbrennen. Der Weltmeister setzte sich eingangs des zweiten Umlaufs von seinem letzten Konkurrenten, seinem Teamkollegen Tibor Del Grosso ab und gewann das Rennen mit einem Wheelie. Zudem baute er seine Gesamtführung aus.

Der chancenlose Thibau Nys (Baloise – Het Poetsbureau Lions) sicherte sich mit 28 Sekunden Rückstand den zweiten Platz vor Felipe Orts (Ridley). Del Grosso war der Beste einer größeren Gruppe und wurde vor seinem Mannschaftsgefährten Vandeputte und Mees Hendrikx (Heizomat – Cube) Vierter.

Van der Poel feierte seinen 21. Sieg in Folge und den neunten in der laufenden Saison. “Es war schwer heute. Ich hatte nicht erwartet, so lange ganz allein zu sein“, erklärte er im Ziel-Interview. Der Niederländer hatte sich nach einem Sturz hinter dem Duo in der Auftaktrunde mit Del Grosso vom Rest abgesetzt. Seinem Mannschaftsgefährten ging es kurz danach auch zu schnell. “Normalerweise wird es hier in der letzten Runde entschieden und ich dachte, dass es jetzt auch so werden würde. Aber Tibor hat eine Gelegenheit gesehen und die Chance auch gleich ergriffen“, blickte der siebenmalige Weltmeister zurück.

“Ich habe dann ein oder zwei Runden durchgezogen und darauf gehofft, dass die Fahrer hinter mir sich ein wenig anschauen. Und das ist dann auch passiert“, analysierte van der Poel das schnelle Anwachsen seines Vorsprungs in dieser Rennphase. Als er weit genug vorn lag, schaltete der Weltranglistenzweite wie so oft den Tempomat ein.

Der glücklichste Fahrer in Spanien schien am Sonntag Orts zu sein. “Ich freue mich enorm. Alle haben mich heute angefeuert und haben meinen Namen gerufen. Es war absolut verrückt“, strahlte der 30-Jährige. “Ich konnte mich aus der Verfolgergruppe absetzen und bin dann mit Thibau wirklich schnell unterwegs gewesen. Ich war absolut am Limit und Thibau ist Zweiter geworden“, beschrieb er die letzten Runden, auf denen sein belgischer Begleiter den Liebling der heimischen Fans mitgenommen und erst im Finale abgeschüttelt hatte.

Hendrikx egalisiert sein bestes Weltcupergebnis

Luca Harter (Stevens) vertrat in Spanien die deutschen Farben. Er absolvierte seinen Wettkampf immer um Position 40 herum und schloss ihn auf Platz 38 ab. Kevin Kuhn (Heizomat – Cube) hielt bis kurz nach der Rennhälfte im Kampf um die Top-Ten-Plätze mit, musste dann aber Gas zurücknehmen. Sein Teamkollege Hendrikx dagegen bestimmte zu diesem Zeitpunkt noch das Geschehen mit und egalisierte als Sechster vier Jahre nach Hoogerheide seine persönliche Bestleistung im Weltcup. Kuhn musste mit Rang 14 zufrieden sein.

Nach zehn Weltcups führt van der Poel mit 20 Punkten Vorsprung auf Nys. Der kranke Michael Vanthourenhout (Pauwels Sauzen – Altez) und der verletzte Laurens Sweeck (Crelan – Corendon) fehlten in Benidorm und wurden im Klassement vom neuen Dritten Vandeputte verdrängt. 

Der elfte von zwölf Läufen der Serie wird am 24. Januar in Maasmechelen ausgetragen, das Finale in Hoogerheide findet einen Tag später statt.

So lief der Weltcup in Benidorm:

Ein von Del Grosso angeführtes Alpecin-Trio erwischte den besten Start. Der Niederländische Meister kontrollierte das Geschehen dann auch in den ersten Minuten, mit Kapitän van der Poel war immer an seinem Hinterrad. Als Toon Aerts (Charles Liegeois - Deschacht) an den Balken in dritter Position stürzte, waren die beiden Alpecin-Fahrer weg. Van der Poel übernahm eingangs der ansteigenden Zielgerade erstmals die Spitze. Als er durchzog, pustete Del Grosso kurz durch, blickte sich um und kam zwei Sekunden nach dem Weltmeister zur Zielpassage. Nys folgte als Dritter sechs Sekunden hinter dem Spitzenreiter.

Nys holte Del Grosso kurz danach ein, um ihn direkt abzuschütteln. Der Niederländer rappelte sich aber wieder auf und holte den Belgischen Meister wieder ein. Noch besser unterwegs war sein Landsmann Joris Nieuwenhuis (Ridley), der aus dem Duo ein Trio machte. Auf der Zielgerade war die Luft in der Gruppe dann raus. Ein Sextett mit den beiden Heizomat-Fahrern schloss auf, van der Poel hatte schon fuhr 30 Sekunden Vorsprung.

Aus der Verfolgergruppe lösten sich Nieuwenhuis, Hendrikx, Nys und Del Grosso, sie kamen 36 Sekunden nach van der Poel und derer fünf vor den ehemaligen Begleitern zur nächsten Zielpassage. Im Gelände konnten die unter Kommando von Orts ihren Rückstand wieder zufahren. Der Bruch in der Gruppe war aber kein Zufall, denn als Nys die Schlagzahl erhöhte, konnten nur Nieuwenhuis und Hendrikx mitgehen. Orts, Del Grosso, Aerts und Vandeputte kamen wieder heran, der Rest blieb nun zurück. Zur Rennhälfte hatte van der Poel seinen Vorsprung auf 40 Sekunden ausgebaut.

Fürs Zielfoto wechselte van der Poel das Rad

In der fünften von acht Runden ritt Orts dann unter frenetischer Anfeuerung der zahlreichen Fans eine Attacke. Del Grosso leitete die Verfolgung, war dabei aber nicht schnell genug. Während der Spanier Boden gewann, kamen Fahrer aus dem Hintergrund immer näher. Bei der nächsten Passage lag der Spanier 43 Sekunden hinter dem Führenden und derer drei vor Nys, der von seinen Konkurrenten bergauf weggesprungen war.

Der Belgier kam dann an Orts heran und gemeinsam setzten sie sich von inzwischen elf Verfolgern ab. Die nächste Zielpassage erreichten sie 42 Sekunden hinter van der Poel und derer 18 vor noch neun Jägern. Dort bestimmte der überraschend starke Martin Groslambert (Sebmotobikes) nun das Geschehen. Er führte seine Gruppe 20 Sekunden nach dem Verfolgerduo auf die Schlussrunde.

Aus der Neuner- war inzwischen dank Jente Michels (Alpecin – Premier Tech) eine Zehnergruppe geworden. Aerts versuchte noch, sich aus der zu lösen, aber es bahnte sich ein Sprint um Platz zwei an. Den verhinderte Nys, in dem er Orts, auf den er zuvor mehrere Male regelrecht gewartet hatte, über Bord warf. Van der Poel wechselte fürs Zielfoto noch auf ein sauberes Fahrrad und gewann das Rennen mit einem ‘Wheelie‘. Orts tat es ihm hinter Nys gleich, Del Grosso hatte ich von seinen Begleitern abgesetzt und kam vor den sprintenden Vandeputte und Hendrikx über den Zielstrich.

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