Mit cleverer Attacke zum nächsten Weltcup-Sieg

Nys tut in der letzten Runde von Dendermonde die richtigen Dinge

Von Jens Claussen

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Thibau Nys (Baloise – Glowi Lions) hat den Cross-Weltcup in Dendermonde gewonnen. | Foto: Cor Vos

28.12.2025  |  (rsn) – In Abwesenheit des in den letzten Wochen übermächtigen Matthieu van der Poels (Alpecin – Deceuninck) eröffnete sich der Konkurrenz beim heutigen Cross-Weltcup Dendermode die Gelegenheit, ganz oben auf dem Podium zu stehen.

Thibau Nys (Baloise - Glowi Lions), der sich zuletzt beim Weltcup in Gavere nur knapp van der Poel hatte geschlagen geben müssen, nutzte seine Chance und gewann den achten Lauf der Serie im Sprint mit zwei Sekunden Vorsprung auf den Niederländer Tibor Del Grosso (Alpecin – Deceunick). Den letzten freien Platz auf dem Podium sicherte sich der Belgier Laurens Sweeck (Crelan – Corendon), der sich fünf Sekunden hinter dem Sieger als Schnellster einer Vierergruppe erwies.

Sein Teamkollege Emiel Verstrynge konnte Platz vier vor Niels Vandeputte (Alpecin – Deceuninck) behaupten. Wout van Aert (Visma – Lease a Bike), der nach einer erfolgreichen Aufholjagd das Rennen phasenweise dominiert hatte, ging gegen Ende ersichtlich die Puste aus. Der Belgier landete auf Rang sechs und muss damit weiter auf seinen ersten Saisonsieg warten.

Dagegen war sein Landsmann Nys “super happy“, wie er nach dem Zieleinlauf meinte. Für den 23-jährigen Belgier war es bereits der fünfte Saisonsieg und dementsprechend stolz äußerte er sich im ersten Interview. “Wie ich heute gewonnen habe, freut mich sehr. Es ist lange her, dass ich ein Rennen in dieser Art und Weise beenden konnte“, meinte Nys, der seine entscheidende Attacke auf der Schlussrunde setzte. “Es gehört zu meinen Fähigkeiten, in der letzten Runde die richtigen Dinge zu tun. Aber in den letzten Jahren habe ich diese Begabung etwas verloren“, meinte er.

Zu seiner Renntaktik befragt, unterstrich Nys, wie schwierig es heute gewesen sei, den entscheidenden Unterschied zu machen. “Ich habe immer wieder versucht, Druck aufzubauen. Es war schwierig wegzukommen, aber ich habe mich jederzeit sehr stark gefühlt und hatte alles unter Kontrolle. In der letzten Runde wusste ich, dass ich besonders ein Auge auf Tibor und Laurens haben musste. Aber im Sprint habe ich dann ja zum Glück gewonnen“, analysierte er die entscheidende Phase.

Mit Platz neun zeigte der für das Cross-Team Heizomat - Cube startende Belgier Mees Hendrikx einmal mehr seine herausragende Verfassung. Sein Schweizer Teamkollege Kevin Kuhn folgte auf Platz 13. Bester der vier deutschen Fahrer war Luca Harter auf Rang 38.

Im Gesamtweltcup konnte Sweeck seine Spitzenposition knapp behaupten. Mit dem heutigen Erfolg und weiteren 40 Punkten auf seinem Konto hat Nys einen Sprung nach vorne gemacht und liegt nun mit 183 Punkten nur noch drei Zähler hinter seinem Landsmann. Als Dritter wird Michael Vanthourenhout (Pauwels Sauzen – Altez) geführt, der in Dendermonde auf Platz sieben landete.

Da Platz eins und drei lediglich 16 Punkte voneinander trennen, werden schon beim nächsten Weltcup in Zonhoven am 4. Januar 2026 die Karten neu gemischt.

So lief der Weltcup in Dendermonde:

Noch vor dem Rennen meinte van Aert, dass er matschige Bodenverhältnisse bevorzugen würde. Dennoch erwischte er bei trockenen und sonnigen Bedingungen einen soliden Start und fand sich zunächst unter den ersten sechs Fahrern wieder, die die erste lange Treppenpassage in Angriff nahmen. Ein wenig überraschend setzte sich danach Ryan Kamp an die Spitze des Rennens und führte dann auch nach einer zügigen Rundenzeit von 5:27 Minuten das nahezu komplette Fahrerfeld hinter sich in Runde zwei.

Im weiteren Rennverlauf ließ sich zunächst keiner der Favoriten in die Karten schauen. Von Runde zu Runde wechselte die Führung, mal zeigte sich Nys vorn, dann Del Grosso. Offensichtlich ermutigten die zwölf zu fahrenden Runden niemanden, früh in die Offensive zu gehen.

Im ersten Drittel führte auch Felipe Orts (Ridley) die große Kopfgruppe mit einigen Metern Vorsprung an, die den Spanier aber in Schach halten konnte. Mitte der fünften Runde war es mit der Alleinfahrt des Spaniers vorbei und Nys übernahm die Spitze des Rennens. Sowohl van Aert als auch der Weltcupführende Sweeck fuhren aufmerksam, ohne aber die Nase wirklich in den Wind zu stecken.

Nys setzt clever die entscheidende Attacke

Anfangs der siebten Runde war die nunmehr von Vanthourenhout Frontgruppe auf zehn Fahrer geschrumpft. Und Nys drückte immer wieder aufs Tempo, um diesen noch recht großen Pulk kleiner werden zu lassen. Daran hatte wenig später auch van Aert Interesse, als er zu Beginn der achten Runde antrat und an der Spitze immer wieder aus dem Sattel ging, um zu beschleunigen.

Zwar taten sich nun erste Lücken auf, aber nicht so große, wie van Aert es sich gewünscht hätte. Auch in den folgenden drei Runden flogen die ersten zehn Fahrer wie an einer Perlenschnur gezogen über den Kurs. Auch, wenn es Vanthourenhout, van Aert und Nys immer wieder mit Vorstößen probierten, die Gruppe inklusive von Heizomat-Fahrer Hendrikx blieb beisammen. Erst, als das Alpecin-Duo Del Grosso und Vandeputte mit Platten das Rad wechseln mussten, tat sich eine Lücke nach Position sechs auf.

Nachdem immer wieder van Aert für Tempo gesorgt hatte, zeigte sich urplötzlich Sweeck vorne. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Belgier zurückgehalten. Umso entschlossener ging der “Sandmann“ in die finale Runde und versuchte nun mit aller Macht, sich abzusetzen. Doch Nys attackierte seinen Landsmann bergauf in einer scharfen Linkskurve und hatte kurz darauf nur noch Del Grosso an seinem Hinterrad. Als er vor diesem auch auf die Zielgerade einbog, hatte der junge Alpecin-Fahrer nichts mehr zuzusetzen. Nys gewann den Sprint vor Del Grosso, mit fünf Sekunden Abstand folgte Sweeck auf Rang drei.

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