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22.12.2025 | (rsn) – Ganze acht Rundfahrten mit 51 Renntagen im Sattel werden nicht viele Profis im Frauen-Peloton in der vergangenen Saison absolviert haben. Für Petra Stiasny, die bis zum Jahresende noch beim Schweizer WorldTeam Roland Le Dévoluy unter Vertrag steht, hat sich ihr vollgepackter Rennkalender aber gleich auf mehreren Ebenen bezahlt gemacht.
Zum einen fuhr Stiasny die bis dato erfolgreichste Saiso ihrer noch jungen Radkarriere, zum anderen konnte die Schweizerin schon im Juli mit einer gewissen Lockerheit dem Saisonende entgegenblicken. Denn zu diesem Zeitpunkt wusste sie bereits, dass ihre Reise in der Women's WorldTour noch mindestens für zwei Jahre weitergehen wird. ___STEADY_PAYWALL___
Mit einem erstaunlichen Erinnerungsvermögen ließ Stiasny gegenüber RSN ihre Saison Rennen für Rennen Revue passieren. “Bei der UAE Tour (2.WWT) konnte ich mit dem neunten Platz bei der Bergankunft auf dem Jebel Hafeet schon ein Resultat einfahren, das mir früh im Jahr die Bestätigung gab, dass die Form stimmte“, erinnerte sie sich an ihr erstes Top-Ten Ergebnis, dem im Saisonverlauf noch weitere folgen sollten.
Stiasny bei der UAE Tour 2024 (noch im Dress von Fenix – Deceuninck) | Foto: Cor Vos
Nach einem respektablen 31. Platz bei der Trofeo Alfredo Binda (1.WWT), feierte die 24-Jährige beim Eintagesrennen Grand Prix Boquerón (1.1) in El Salvador dann ihren ersten Profisieg. “Obwohl die Rennen in El Salvador natürlich hinsichtlich der Konkurrenz mit Europa nicht zu vergleichen sind, war der Sieg beim Bergzeitfahren eine weitere Bestätigung für mich, dass ich auf dem richtigen Weg bin“, erzählte sie.
Auch in den Tagen danach schien das kleine südamerikanische Land ein gutes Pflaster für die Kletterin (1,60 Meter / 43 Kilogramm) zu sein. Bei der fünftägigen Tour El Salvador (2.1) wurde Stiasny Neunte im Gesamtklassement, um nur drei Tage später beim Grand Prix Presidente (1.1) erneut als Dritte auf dem Podium zu stehen.
Bevor es danach zu mehreren Rennen in Folge auf die Iberische Halbinsel gehen sollte, musste Stiasny noch für eine erkrankte Teamkollegin beim Grand Prix de Chambéry (1.1) einspringen. Ein Rennen, das, wie sie meinte, aufgrund seiner Charakteristik ihr überhaupt nicht entgegenkomme. “Kurze, steile Anstiege und enge, winklige Abfahrten auf schlechten Straßen – normalerweise nichts für mich“, erinnerte sie sich. “Als ich dann als Siebte ins Ziel kam, meinte mein Sportlicher Leiter: 'Das ist ja unglaublich, wie du heute gefahren bist!'. Da habe ich mich auf technischem Niveau doch ziemlich selbst überrascht“, musste sie schmunzeln.
Diesen Schwung konnte sie dann in die Itzulia Women (2.WWT) und die Burgos-Rundfahrt (2.WWT) mitnehmen, bei denen sie sowohl mit ihrer Leistung als auch den Resultaten sehr zufrieden war. “Auf der 3. Etappe der Itzulia habe ich mich richtig stark gefühlt und obwohl ich als Letzte in den Schlussanstieg gefahren bin, habe ich dort den Strava KOM geholt“, fügte sie an.
Szene der Itzulia Women, bei der die Schweizerin ihre Kletterqualitäten zeigen konnte. | Foto: Cor Vos
Abermals die 3. Etappe war es dann auch bei der Vuelta a Burgos (2.WWT), die ihr das nächste Top-Resultat einbrachte. “Der neun Kilometer lange finale Anstieg kam meinen Fähigkeiten sehr entgegen und wenngleich ich mich zu Beginn wieder nicht so richtig gut positionieren konnte, fuhr ich bei der Hälfte des Berges wieder zur ersten Gruppe auf. Als ich dann lange mit einer Elisa Longo Borghini mitfahren konnte, dachte ich mir: Was machst du hier eigentlich?“, musste sie lachen. Stiasny beendete die Etappe hinauf zum Picon Blanco auf Rang fünf und war beim Sieg ihrer Landsfrau Marlen Reusser (Movistar) damit zweitbeste Schweizerin des Tages.
Als sie nach nur kurzer Pause mit der Tour de Suisse (2.WWT) Mitte Juni die nächste Rundfahrt unter die Räder nahm, habe sie schon gemerkt, dass ihr seit Anfang Februar kaum Zeit zur Erholung geblieben war war. “Auch wenn ich mich aufgrund der vielen Rennen, die ich schon in den Beinen hatte, in der Schweiz nicht mehr ganz frisch gefühlt habe, überraschte ich mich dort ein weiteres Mal. Die Tour de Suisse war meine konstanteste Rundfahrt überhaupt. Ich bin auf der 2. und 4. Etappe (jeweils 12.) in die Top 20 gefahren, was mich sehr überrascht hat.“ Der Lohn dieser Tage in der Heimat war letztendlich Platz elf in der Gesamtwertung.
Nach der Tour de Suisse hatte die Wädenswilerin nur noch zweieinhalb Wochen Zeit, sich auf ihre dritte Teilnahme am Giro d’Italia (2.WWT) vorzubereiten. Und genau an diesen engen Zeitfenstern machte Stiasny ein Grundproblem fest, dass sie über die gesamte Saison hinweg begleitete. “Das Jahr war eine permanente Balance aus Form zu erhalten und sich gleichzeitig einigermaßen zwischendurch zu erholen“, fasste sie den Drahtseilakt zusammen, den sie bewältigen musste.
“Da hast du bei Grand Tours wie dem Giro oder der Tour natürlich denjenigen Fahrerinnen gegenüber einen Nachteil, die sich beispielsweise mit einem mehrwöchigen Höhentrainingslager auf dieses eine Event vorbereiten und fokussieren können“, erklärte sie, warum es weder bei der Italien-Rundfahrt (18. Platz) noch bei der Tour de Femmes (2.WWT), die sie kränkelnd auf Rang 53 beendete, zu Spitzenresultaten reichte.
In ihrem ersten WorldTour Jahr 2022 bei Lüttich-Bastogne-Lüttich (vorne) | Foto: Cor Vos
Hatte sie erst nach dem Giro vom Team erfahren, dass sie für die Tour vorgesehen sei, brachten schon vorher die Tage in Italien eine weitere positive Überraschung. Nicht umsonst hatte Stiasny seit Jahresbeginn nachhaltig performt; andere Teams waren offenbar auf sie aufmerksam geworden und Human Powered Health nutzte während der Italien-Rundfahrt die Gelegenheit zu Sondierungsgesprächen. Schnell wurden sich beide Seiten einig und Stiasny hatte einen neuen Zweijahresvertrag bei den US-Amerikanerinnen im Gepäck.
Als Generalprobe auf ihr Debüt im Nationaltrikot bestritt Stiasny die Tour de Romandie (2.WWT). “Wegen der Disqualifikation einiger Teams war das schon ein spezielles Rennen“, musste sie eingestehen; “und obwohl ich mich in der Romandie auch nicht mehr frisch gefühlt habe, bin ich mit dem Rennen – so konstant, wie ich es wieder gefahren bin – unterm Strich zufrieden.“ Auch wenn sie sich nicht mehr voll bei Kräften fühlte, reichte es immerhin noch für Rang 15 im Gesamtklassement.
Als letztes Highlight wartete einigen Wochen später die Straßen-EM und endlich hatte Stiasny den so sehr erhofften Spielraum, um sich zu erholen und vernünftig vorzubereiten. “Ich konnte mich gut regenerieren und mit einem Höhentrainingslager in Tignes wieder einen soliden Formaufbau für die EM umsetzen“, erklärte sie. Doch die Freude währte nur kurz, denn kurz vorher erwischte sie eine Magen-Darm-Erkrankung, die ihr Debüt in der Nationalmannschaft vereitelte.
In den Bergen fühlt sich Stiasny am wohlsten. | Foto: Cor Vos
Den Rückenwind, den Stiasny durch ihre konstant guten Leistungen in dieser Saison bekommen hat, möchte sie mit in ihre neue Mannschaft nehmen. “Ich habe in diesem Jahr die Erfahrung machen dürfen, dass ich mich im Positionieren und auch in den Abfahrten deutlich verbessern konnte“, blickte sie mit Zuversicht auf das Jahr 2026 voraus.
“Das fühlt sich ein wenig so an, als wenn die Puzzleteile sich langsam zu einem Ganzen zusammenfügen. Ich fahre die Rennen jetzt nicht mehr nur zu Ende, sondern beginne, sie mitzugestalten“, beschrieb sie den großen Schritt nach vorne. Im neuen Team wird Stiasny laut eigener Aussage mehr Möglichkeiten erhalten, sich konzentriert auf konkrete Highlights vorbereiten zu können; und wie auch schon in diesem Jahr wird ihre Saison 2026 mit der UAE Tour im Februar beginnen.
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