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Selig: Bei Lotto - Dstny litt die Reputation als Anfahrer

Von Christoph Adamietz

Foto zu dem Text "Selig: Bei Lotto - Dstny litt die Reputation als Anfahrer"
2024 will Rüdiger Selig, für den es bei Lotto Dstny nicht nach Plan lief, wieder hoch hinaus. | Foto: Cor Vos

05.12.2023  |  (rsn) – Vor zwei Jahren zu Lotto - Dstny gewechselt, um mit Caleb Ewan Sprinterfolge zu feiern, haben sich die Erwartungen von Anfahrer Rüdiger Selig nicht erfüllt. Im ersten Jahr machte ihm oftmals die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung, 2023 waren es schließlich vor allem ein passendes Rennprogramm und ein fehlender Sprintkapitän, die Selig abgingen.

Aus persönlicher Sicht zog Selig gegenüber radsport-news.com aber ein "durchweg positives“ Saisonfazit. "Ich war nicht verletzt, nicht krank, nur einmal leicht gestürzt. Für mein Alter lief alles entsprechend gut“, so der 34-Jährige.

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Sein bestes Ergebnis erzielte Selig mit Rang sechs bei der Bredene Koksijde Classic (1.Pro), dazu holte er einen sechsten Etappenrang bei den Vier Tagen von Dünkirchen (2.Pro), bei der Polen-Rundfahrt (2.UWT) und der Sibiu-Tour (2.1) fuhr er jeweils auf der Schlussetappe auf Rang acht, bei der Tour of Guangxi (2.UWT) holte er zwei neunte Plätze und auf dem letzten Teilstück der Deutschland Tour (2.Pro) wurde Selig nochmal Fünfter.

Um die Klassiker gebracht

Highlights habe es für Selig aber nicht so viele gegeben. Denn sein Problem: Er fährt gerne Klassiker, aber Lotto Dstny ist ein absolut auf Klassiker ausgerichteter Rennstall. "Die Fahrer stehen bei uns für diese Rennen Schlange, deshalb war es mir teilweise nicht vergönnt, einen großen Klassiker zu fahren. Vor allem Roubaix musste ich traurigerweise auslassen“, so Selig, der statt der belgischen Eintagesrennen zum ersten Mal in seiner Karriere zur sprinterunfreundlichen Katalonien-Rundfahrt geschickt wurde.

Rüdiger Selig hatte nicht den Klassiker-Frühling, den er sich vorgestellt hatte. Bei Bredene Koksijde, wo er starten durfte, wurde er Sechster. | Foto: Cor Vos

"Ich habe versucht, das Rennen als Trainingslager zu sehen. Es hat mir nicht sonderlich viel gebracht, aber auch nicht viel geschadet. Ich habe über die Jahre einen ziemlich stabilen Motor bekommen, so dass mich die Katalonien-Rundfahrt nicht zerfetzt hat“, berichtete Selig.

Den einzigen WorldTour-Klassiker im Frühjahr bestritt Selig mit dem Amstel Gold Race, das er ebenfalls zum ersten Mal bestritt. Für das niederländische Eintagesrennen wurde er zwei Tage vor Start für einen erkrankten Teamkollegen nachnominiert. Selig bekam schnell zu spüren, weshalb er in der Vergangenheit einen weiten Bogen um das Bierrennen gemacht hatte, am Ende stand erwartungsgemäß ein DNF im Ergebnis.

Nicht belgisch genug für die Tour de France

"Amstel zu fahren war ein komisches Gefühl, da ich schon vorher wusste, dass ich dort nicht gut fahren werde und mir das Rennen auch nicht guttut. Man verliert dazu mit An- und Abreise drei Tage, in der man hätte trainieren können. Solche Rennen bringen dich nicht weiter“, so Selig, für den das Amstel eines von vielen Rennen im Frühjahr war, bei denen er als Springer eingesetzt wurde, also für einen kurzfristig ausgefallenen Kollegen nachrückte. "Am Anfang der Saison bin ich von Rennen zu Rennen gedackelt. Und ich fühlte mich nicht so eingesetzt wofür ich eingekauft worden bin“, so Selig, der seine Stärken als Anfahrer, bei Halbklassikern und auf der Windkante hat.

Bei den Klassikern war allerdings die Tür für ihn zu und auch eine Grand Tour konnte er nicht bestreiten. "Dass ich keine große Landesrundfahrt gefahren bin, war meine Enttäuschung der Saison, aber es war absehbar. Auf den Giro hat das Team verzichtet und als Nicht-Belgier, so musste ich lernen, ist es bei einem belgischen Team auch verdammt schwer, ins Touraufgebot zu kommen. Und die Vuelta war auch eher schwierig“, so Selig.

Der Deutsche kam so vor allem bei kleineren Rennen zum Einsatz und das zumeist ohne einem ihm zugeteilten oder einen in Form befindlichen Sprinter. "So war niemand da, der meine gute Vorarbeit hätte vollenden können. Und letztlich ist das Urteil über den Sprintzug immer abhängig vom Sprinter. Mit Caleb Ewan hatten wir keinen Erfolg, deshalb hieß es, dass der Sprintzug automatisch auch nicht gut gewesen sei“, berichtete Selig, der aber anfügte: "Von meinen Wattwerten war ich durchweg positiv überrascht. Für mich war es nach dem schlechten Jahr 2022 eine schöne Saison.“

Das Ziel für 2024: In die Top 3 der Anfahrer

Was 2023 allerdings litt, war Seligs Reputation als starker Anfahrer, da er entweder nicht in dieser Position eingesetzt wurde, oder aber kein Sprinter die gute Vorbereitung vollenden konnte. "Die letzten zwei Jahren haben mich da ein bisschen reingerissen, es waren zwei weggeworfene Jahre. Ich hatte Bock, anzufahren. Aber ich bin Rennen gefahren, die mir nicht liegen, musste Aufgaben übernehmen, die nicht auf mich zugeschnitten waren. Das macht viel kaputt“, meinte Selig.

Dies soll sich bei Astana Qazaqstan ab 2024 wieder ändern. Bei seinem neuen Team ist Selig als Anfahrer für seinen ebenfalls neu verpflichteten Landsmann Max Kanter vorgesehen. "Ich will back to the roots gehen und zu den Top-3-Anfahrern der Welt zählen. Ich möchte zeigen, dass ich noch nicht zum alten Eisen gehöre, muss mich aber erst wieder an die Spitze kämpfen. Das wird eine schöne Challenge für mich“, so Selig, der sich vor allem auf die Zusammenarbeit mit Kanter freut. "Mit Max kann man was reißen, er ist heiß wie Frittenfett.“

Rüdiger Selig bei der Tour of Guangxi im Gespräch mit Landsmann Juri Hollmann | Foto: Cor Vos

Aber auch der Gesamteindruck von Astana sei absolut positiv. "Es ist ein cooles Team“, so Selig, der gemeinsam mit Kanter bei der Tour Down Under startet, wo er die Basis für eine erfolgreiche Saison legen möchte – und in der auch wieder die Klassiker einen Platz bekommen sollen und mit dem Giro eine Grand Tour anstehen könnte.

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