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23.12.2009 | (rsn)- In der abgelaufenen Saison hat Mark Cavendish eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er derzeit der beste Sprinter der Welt ist. Insgesamt feierte der Columbia-Sprinter 23 Siege - so viele schaffte kein anderer Profi. Gleich sechs Mal konnte der Brite bei der Tour de France jubeln. Zudem zeigte Cavendish bei Mailand – San Remo, dass er auch bei Klassikern ganz vorne landen kann.
„Ich glaube nicht unbedingt, dass Mark schneller als 2008 ist. Es ist aber natürlich auch von Vorteil, dass die Mannschaft eine tolle Vorarbeit leistet. Mit Mark Renshaw bildet er bis zur 200-Meter-Marke ein Tandem“, verriet Sportdirektor Rolf Aldag im Gespräch mit Radsport News ein Erfolgsgeheimnis. "Dass wir mit Cavendish Etappen bei Giro und Tour gewinnen können, das war schon geplant. Dass es dann aber so viele wurden, war dann doch auch überraschend. Auch mit dem Sieg bei San Remo konnte man nicht unbedingt rechnen“, so der Ex-Profi weiter.
Seine Saison begann Cavendish standesgemäß – mit zwei Sprintsiegen bei der Katar-Rundfahrt (Kat. 2.1) Anfang Februar. Den nächsten Doppelpack schnürte der 24-Jährige zwei Wochen später bei der Kalifornien-Rundfahrt (Kat. 2.HC). Über die Fernfahrt Tirreno-Adriatico, wo ihm zumindest ein Sieg gelang, bereitete sich der Sprinter von der Isle of Man für den ersten Saisonhöhepunkt, Mailand – San Remo, vor. Bei der Classicissima stellte „Cav“ am Poggio und der Cipressa seine verbesserten Kletterqualitäten unter Beweis und konnte sich bis zum Schluss im Feld behaupten. Auf der Zielgeraden hatte der junge Brite noch genügend Kraftreserven, um den bereits enteilt scheinenden Heinrich Haussler (Cervélo) noch übersprinten zu können. „Das ist der schönste Tag meines Lebens. Mit einem Sieg hatte ich wirklich nicht gerechnet. Ein Traum wird für mich wahr“, jubelte Cavendish nach dem ersten Triumph bei einem Klassiker.
Von San Remo aus führte der Weg nach Belgien. Bei den Drei Tagen von De Panne (Kat. 2.HC) feierte Cavendish standesgemäß zwei Etappensiege. Beim Sprinterklassiker Gent-Wevelgem hatte der Columbia-Kapitän allerdings nichts mit dem Ausgang des Rennens zu tun.
Der Vorbereitung auf den Giro d'Italia diente Ende April die Tour de Romandie. Obwohl er bei der ProTour-Rundfahrt durch die Westschweiz ohne Erfolgserlebnis blieb, zeigte Cavendish kurz darauf in Italien wieder herausragende Leistungen. Nach dem Auftaktsieg im Teamzeitfahren trug er zwei Tage das Rosa Trikot und gewann danach noch drei Sprintankünfte. Nachdem er den Giro nach der 14. Etappe verlassen und sich eine knapp einmonatige Wettkampfpause gegönnte hatte, begann Cavendish seine Tour-Vorbereitung mit der Tour de Suisse. In der Schweiz dominierte er wie gewohnt die Massensprints und holte sich zwei Tagessiege.
Bei der Tour de France sprintete der 24-Jährige allen Konkurrenten auf und davon. Gleich sechs Mal hatte Cavendish bei Massenankünften die Nase vorn und degradierte dabei die anderen Sprinter teilweise zu Statisten. Besonders beeindruckend war der souveräne Sieg am letzten Tag der Tour auf den Champs Elysées. „Jeder Sprinter will im Angesicht des Arc de Triomphe gewinnen und dass mir das gelungen ist, gibt mir ein herrliches Gefühl", so Cavendish zufrieden. Den Triumph im Kampf um das Grüne Trikot verhinderte nur eine Relegation wegen angeblich unsauberer Fahrweise im Finale der 14. Etappe.
Nach der Tour ließ es "Cav" etwas ruhiger angehen. Trotzdem gelangen ihm im zweiten Halbjahr noch vier Siege: beim Sparkassen-Giro (Kat. 1.1), auf einer Etappe bei der Irland-Rundfahrt und auf zwei Etappen bei der Tour of Missouri (Kat. 2.HC) . Mitte September war Cavendishs überragende Saison vorzeitig beendet, nachdem er sich bei der Rundfahrt durch den Mittleren Westen der USA eine Lungeninfektion zugezogen hatte.
Auch im Jahr 2010 wird Mark Cavendish in den Sprints das Maß aller Dinge sein - und zwar sowohl bei Etappenrennen als auch bei topografisch gemäßigten Klassikern. Neu ins Sieg-Sortiment sollen der WM-Titel in Australien und das Grüne Trikot bei der Tour kommen. „Das Grüne Trikot ist der nächste logische Schritt, nachdem Cavendish dieses Jahr sechs Etappen gewonnen hat und in Paris angekommen ist”, sagte Columbia-Sportchef Rolf Aldag. Die einzige Schwäche könnte in der Sprintvorbereitung liegen. Das Columbia-Team musste zahlreiche Abgänge hinnehmen, so dass sich der Sprint-Zug erst neu einspielen muss. Zudem wird Cavendishs Anfahrer Mark Renshaw wegen einer Infektion (Epstein-Barr-Virus) möglicherweise länger ausfallen.
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