Slowene gewinnt Kalifornien-Königsetappe

Pogacar nutzt Higuitas Fehler aus und stürmt ins Gelbe Trikot

Foto zu dem Text "Pogacar nutzt Higuitas Fehler aus und stürmt ins Gelbe Trikot"
Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) hat das Gelbe Trikot der Kalifornien-Rundfahrt erobert. | Foto: Cor Vos

18.05.2019  |  (rsn) - Das UAE Team Emirates dominiert derzeit die Gesamtwertungen der beiden laufenden WorldTour-Rundfahrten. Während der Italiener Valerio Conti am Freitag beim Giro d’Italia sein Rosa Trikot verteidigte, stürmte auf der Königsetappe der Kalifornien-Rundfahrt sein Teamkollege Tadej Pogacar mit seinem Sieg am Mount Baldy ins Gelbe Trikot des Spitzenreiters und hat angesichts nur noch eines Tagesabschnitts beste Chancen auf den Gesamtsieg.

Der erst 20 Jahre alte Slowene gewann die 127,5 Kilometer lange 6. Etappe am Ende des gut acht Kilometer langen Schlussanstiegs mit Rampen von bis zu 16 Prozent im Zweiersprint vor dem nur ein Jahr älteren Kolumbianer Sergio Higuita, der in seinem ersten Einsatz für EF Education First Zweiter an der Bergankunft wurde. Higuita hatte auf den letzten drei Kilometern aus einer kleinen Spitzengruppe heraus angegriffen und lag bis zum Schlusskilometer allein an der Spitze. Dann schloss Pogacar zu dem Südamerikaner auf und setzte sich im Sprint gegen Higuita deutlich durch. Hinter dem Duo gelang George Bennett (Jumbo - Visma) fast noch der Anschluss, doch letztlich kam der Neuseeländer fünf Sekunden später als Dritter ins Ziel.

"Das war wunderbar. Wieder einmal hat mein Team wirklich gute Arbeit geleistet, um mich den ganzen Tag zu beschützen, mich in letzten Anstieg zu führen und mich so gut wie möglich zu unterstützen. Ich habe auf den letzten fünf Kilometern einfach mein Bestes gegeben“, sagte Pogacar im Ziel. “Als ich zu Higuita vorfuhr, wusste ich, dass Bennett kam, aber ich wartete noch ab mit meinem Sprint. Ich habe ihn hinter Higuita gestartet und er hat in der letzten Kurve einen Fehler gemacht. Ich bin viel schneller durchgekommen als er und konnte so den Sieg einfahren“, schilderte Pogacar den bisher größten Sieg, seiner Karriere.

Schachmann am Mount Baldy virtuell in Gelb

Mit zehn Sekunden Rückstand erreichte Richie Porte (Trek - Segafredo) als Vierter die Bergankunft. Für den Australier wäre wohl noch mehr möglich gewesen, doch zwei Kilometer vor dem Ziel verlor er wegen Problemen mit seiner Schaltung den Anschluss an seine Konkurrenten. Eine starke Vorstellung lieferte Riccardo Zoidl (CCC Team) ab, der zehn Sekunden hinter Porte Fünfter und damit bester Österreicher wurde. Sein Landsmann Felix Großschartner (+0:49) war als Elfter bester Bora-hansgrohe-Fahrer, gefolgt von seinem deutschen Mannschaftskollegen Maximilian Schachmann (+1:12), der mit seiner Attacke auf den letzten zwölf Kilometern das Finale eröffnet hatte und erst 3,5 Kilometer vor dem Ziel wieder eingefangen wurde.

Bereits einen Kilometer eher war Tejay van Garderen mit seinen Kräften am Ende. Der US-Amerikaner handelte sich danach 1:28 Minuten Rückstand ein und musste nach vier Tagen sein Gelbes Trikot an Pogacar abtreten. Der Neoprofi, in diesem Frühjahr bereits Sechster der Baskenland-Rundfahrt, geht mit 16 Sekunden Vorsprung gegenüber Higuita auf die heutige Schlussetappe, die wohl eine Angelegenheit für die Sprinter werden dürfte. “Ich hoffe, dass ich morgen mein Trikot verteidigen kann, es wäre sicherlich der größte Erfolg meiner Karriere“, sagte Pogacar.

Mit 20 Sekunden Rückstand folgt der Däne Kasper Asgreen (Deceuninck - Quick-Step) auf dem dritten Platz vor Bennett (+0:29) und Porte (+0:41). Großschartner (+1:18) ist Gesamtachter vor van Garderen (+1:22). Schachmann (+1:28) fiel vom fünften auf den elften Rang zurück. “Vor dem letzten Anstieg wurde es langsamer und ich dachte, ich ergreife die Chance und habe attackiert“, kommentierte der Berliner seinen Überraschungsangriff. “Ich glaube aber, die Form ist einfach nicht mehr so da. Irgendwie ging es auf einmal nicht mehr“, fügte Schachmann im Ziel gegenüber radsport-news.com an. “Ich habe probiert, mein bestmögliches zu geben, aber meine Beine waren einfach total dicht. Da konnte ich nichts mehr tun.“

So lief das Rennen:

Ehe Schachmann mit seiner Attacke die Konkurrenten in Zugzwang brachte, bestimmte eine zehnköpfige Spitzengruppe das Geschehen. Owain Doull (Ineos), Hugo Houle (Astana), Lennard Hofstede (Jumbo - Visma), Michael Storer (Sunweb), Pawel Bernas (CCC Team), Herman Pernsteiner (Bahrain -Merida), Matteo Badilatti (Israel Cycling Academy) sowie U23-Zeitfahrweltmeister Mikkel Bjerg (Hagens Berman Axeon) hatten aber angesichts von nicht mehr als drei Minuten Vorsprung keine realistische Chance auf einen Ausreißercoup.

Pernsteiner und Badilatti fielen als erste aus der Gruppe heraus, ehe am Glendora-Anstieg (1. Kat.) Porte seine Mannschaft arbeiten ließ, um die noch verbliebenen Ausreißer Hofstede, Houle, Bernas und den noch zur Gruppe gestoßenen Matteo Fabbro (Katusha - Alpecin) zu stellen.

Das gelang dann aber Schachmann nach seiner Attacke, mit der er zur Gruppe vorstieß und 7,5 Kilometer vor dem Ziel mit Hofstede und Fabbro auch noch seine letzten Begleiter abschüttelte und sogar im virtuellen Gelben Trikot unterwegs war. Kurz darauf wurde die Gesamtwertung weiter durchgeschüttelt, als zunächst der Gesamtdritte Gianni Moscon (Ineos) und dann auch noch Spitzenreiter van Garderen dem Tempo der Verfolgergruppe nicht mehr folgen konnten. Als Schachmann gut drei Kilometer vor dem Ziel gestellt war, griff Pogacar sofort an, gefolgt von Higuita und Bennett.

Kurz darauf schaffte Porte noch den Anschluss und setzte den Konter. Darauf reagierte nur Higuita und zog solo davon. Nachdem Porte wegen seiner defekten Schaltung zurückfiel, beschleunigte Pogacar hängte Bennett ab und fuhr zu Higuita vor. Der fuhr mit zu hohem Tempo in die letzte Kurve, wodurch der UAE-Profi mühelos an dem EF-Neuzugang vorbei zum Sieg fahren konnte.

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