Kolumbianer attackierte 27km vor dem Ziel

Quintana in Arosa nach langem Härtetest erleichtert

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Nairo Quintana (Movistar) | Foto: Cor Vos

15.06.2018  |  (rsn) - Die Form kommt. Dieses Fazit ziehen Tour-de-France-Sieganwärter nach schweren Tagen bei den klassischen Vorbereitungsrennen auf ihren Saisonhöhepunkt fast noch lieber, als einen Sieg zu bejubeln. Für Nairo Quintana (Movistar) fiel in Arosa am Ende der 7. Etappe der Tour de Suisse aber beides zusammen: Der Kolumbianer siegte bei der letzten Bergankunft der neuntägigen Rundfahrt und absolvierte gleichzeitig eine schwere Trainingseinheit für die Frankreich-Rundfahrt.

"Es ist wichtig, zu wissen, dass ich in guter Form bin vor dem großen Ziel das bevorsteht. Das erleichtert das Team und mich", sagte der 28-Jährige, der bereits ganz am Anfang der 28 Kilometer langen Schlusssteigung in den bekannten Schweizer Ski-Ort attackiert hatte und sich in einer Hetzjagd gegen die Teams Sunweb und BMC sowie Jakob Fuglsang (Astana) behauptete, um schließlich 22 Sekunden vor dem Dänen und BMC-Kapitän Richie Porte zu gewinnen. Fürs Gelbe Trikot reichte es zwar nicht, das trägt weiter Porte, doch Quintana rückte durch seinen ersten Saisonsieg vom sechsten auf den zweiten Gesamtrang vor.

"Ich habe über Funk gehört, dass sie zurückkamen und recht nah waren, aber ich wollte einen starken Rhythmus weiterfahren und es hat gereicht bis zur Linie", freute sich der Kletterspezialist, der zwischenzeitlich rund 40 Sekunden Vorsprung auf Porte hatte, dann kurzzeitig nur noch etwas mehr als zehn Sekunden vor dem Tasmanen lag und schließlich doch mit über 20 gewann.

Hinter Quintana, Fuglsang und Porte fuhr der Österreichische Meister Gregor Mühlberger (Bora-hansgrohe) auf einen starken vierten Platz. Er war der letzte "Überlebende" einer ursprünglich 29-köpfigen Spitzengruppe, die mit gut zwei Minuten Vorsprung Chur erreichte und in die zunächst steile, dann für mehr als 15 Kilometer eher gemächlichere und auf den letzten fünf Kilometern nochmal schwerere Steigung nach Arosa startete.

So lief die Etappe

Neben Mühlberger gehörten der Gruppe unter anderem auch Simon Geschke (Sunweb) und Stefan Denifl (Aqua Blue Sport) sowie die Schweizer Michael Albasini (Mitchelton-Scott) und Silvan Dillier (Ag2r La Mondiale) an. Auch Olympiasieger Greg Van Avermaet (BMC) war als Aufpasser für Porte dabei sowie David De La Parte (Movistar) als, wie sich später herausstellen sollte, Relais-Station für Quintana - und Michael Matthews (Sunweb) sammelte an den Zwischensprints Punkte, um am Ende des Tages das Schwarze Trikot von Peter Sagan (Bora-hansgrohe) zu übernehmen.

Nach Quintanas Attacke auf den ersten beiden steilen Kilometern des Arosa-Anstiegs explodierte das Peloton, und auch die Spitzengruppe zerfiel, weil dort Joe Dombrowski (EF-Drapac) aufs Tempo gedrückt hatte. Der US-Amerikaner setzte sich ab und fuhr eine gute halbe Minute Vorsprung heraus, bis Quintana seine auf etwas mehr als zehn Mann geschrumpfte Verfolgergruppe einholte. De La Parte machte für seinen Kapitän das Tempo, während dahinter im ebenfalls auf unter 20 Mann geschrumpften Feld zunächst Sunweb für Wilco Kelderman Gas gab, und anschließend BMC übernahm, nachdem sich Van Avermaet zurückfallen ließ.

Ewiges Fernduell Quintana vs. Van Avermaet

Ab 22 Kilometer vor dem Ziel fuhr dann zunächst De La Parte im Fernduell gegen Van Avermaet, jeweils mit einer gut zehnköpfigen Gruppe am Hinterrad. Fünf Kilometer später holte die Quintana-Gruppe Dombrowski ein und lag nun 41 Sekunden vor der weiterhin von Van Avermaet angeführten Porte-Gruppe - der Maximalvorsprung. Etwa 15 Kilometer vor dem Ziel fiel De La Parte aus der Spitzengruppe heraus und Quintana übernahm im flachen Abschnitt nun die Arbeit, um das Fernduell mit Van Avermaet fortzusetzen.

So ging es bis Litzirüti rund fünf Kilometer vor dem Ziel weiter: Abgesehen von Quintana vorne und Van Avermaet bei den Verfolgern verrichtete mehr als zehn Kilometer lang niemand mehr Führungsarbeit und der Abstand pendelte ständig um die 30 Sekunden. Nun aber wurde es wieder steiler und die Gruppen platzten auseinander. Vorne konnte nur Mühlberger dem Tempo von Quintana noch folgen, während dahinter Van Avermaet mit einem Höllentempo ins Steilstück reinrauschte und nur Porte dranblieb.

Quintana hält Vorsprung trotz Porte-Attacke

Der Belgier gab noch einmal alles für seinen Kapitän, drückte den Abstand  auf unter 20 Sekunden herunter und scherte dann aus. Porte bedankte sich und fuhr allein weiter, um nacheinander die ehemaligen Mitglieder der Spitzengruppe  einzuholen. Schon nach etwa einem Kilometer war er der erste Verfolger von Quintana und Mühlberger - mit 16 Sekunden Rückstand auf das Spitzen-Duo. Kurzzeitig konnte Igor Anton (Dimension Data) noch mit dem Gelben Trikot mithalten, musste drei Kilometer vor dem Ziel aber auch die Segel streichen - kurz bevor auch Mühlberger nicht mehr bei Quintana mitkam.

Unterdessen kämpfte sich Fuglsang von hinten wieder an Porte heran und übernahm sofort die Führungsarbeit. Das Duo erreichte Mühlberger und ließ den Österreicher rund zwei Kilometer vor dem Ziel ebenfalls stehen. Allerdings kam keiner von ihnen mehr näher an Quintana heran, der an der Bergwertung rund einen Kilometer vor dem Ziel sogar wieder 21 Sekunden Vorsprung hatte und die in Arosa schließlich auch ins Ziel rettete.

Am Samstag geht es rund um Bellinzona mit einer Flachetappe für die Sprinter weiter, bevor am Sonntag in derselben Stadt das 34 Kilometer lange, leicht wellige Abschlusszeitfahren ansteht.

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