Interview mit dem Sponsor des Teams Bora

Bruckbauer: „Wir wären 2017 ganz gern in der WorldTour dabei"

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Bora-Chef Willi Bruckbauer | Foto: Cor Vos

19.11.2014  |  (rsn) - Willi Bruckbauer ist mit seinem Unternehmen Bora neuer Namenssponsor des deutschen Zweitdivisionärs, der bislang unter dem Namen NetApp-Endura unterwegs war. Im Interview mit radsport-news.com äußerte sich der gelernte Schreiner, der wie Teamchef Ralph Denk im oberbayerischen Raubling lebt und arbeitet, zur möglichen Tour-Teilnahme, zum Bora-Aufgebot für 2015 und zur Aufgabenteilung zwischen Sponsor und Teamleitung.

Herr Bruckbauer, wie wichtig ist es ihnen als Sponsor, dass das Team Bora-Argon 18 bei der Tour de France 2015 dabei ist?
Willi Bruckbauer: Die Attraktivität der Tour de France ist riesig. Der Großteil der Saison dreht sich um sie und demzufolge ist für dieses Rennen auch die Aufmerksamkeit am größten. Aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten wünscht sich jeder Sponsor, zur Tour de France zu fahren. Aber auch wenn wir nächstes Jahr nicht dabei sein sollten, geht deshalb die Welt nicht unter. Wir haben uns für fünf Jahre an das Team gebunden und ich bin überzeugt, dass wir in dieser Zeit die Tour mal fahren dürfen.

Wie schätzen Sie die Chancen für das kommende Jahr ein? Tour-Chef Christian Prudhomme ist ja sicherlich nicht zufällig hier bei ihnen in Raubling zu Gast gewesen…
Bruckbauer: Sie haben ja selber gehört, was er gesagt hat: Schlafen sie gut und träumen sie süß. Das Ganze hängt schon am seidenen Faden, aber ich hoffe natürlich, dass sich das Pendel in die richtige Richtung neigt und wir dann im Frühjahr die Wildcard in den Händen halten werden.

Falls es mit der Tour nicht klappen sollte, welche der beiden anderen großen Rundfahrten wäre ihnen lieber – der Giro d’Italia oder die Spanien-Rundfahrt?
Bruckbauer: Im Vordergrund steht für uns die Entwicklung des Teams und für uns als Sponsor sind alle Märkte wichtig. Wir haben uns ganz bewusst für den Radsport entschieden, weil die Werbe-Reichweite weit über Deutschland hinaus geht. Für uns wären sowohl Frankreich als auch Italien und Spanien gut, weil wir in allen diesen Ländern unsere Vertriebskanäle haben.

Manchen Sponsoren ist ein Mitspracherecht bei der Verpflichtung von Fahrern wichtig. Hatten Sie ein solches Mitspracherecht? Schließlich sind die Wege zwischen ihnen und Teamchef Ralph Denk ja kurz….
Bruckbauer: Auch wenn die Wege kurz sind und ich mich mit Ralph Denk sehr gut verstehe, so soll doch er die sportlichen Entscheidungen treffen. Er kann das deutlich besser als ich. Ich bin für die Wirtschaftlichkeit und für eine gesunde Kapitalausstattung zuständig und er für das Sportliche. Wenn er das genauso gut wie in den vergangenen Jahren macht, dann werde ich als Sponsor mehr als zufrieden sein.

Es gab keinen Wunschfahrer, dessen Verpflichtung sie gerne gesehen hätten?
Bruckbauer: Nein. Kein einziger Fahrer wurde von mir bestimmt. Ich mache meinen Job mit den Bora-Küchengeräten und Ralph macht seinen Job als Manager und wählt die Fahrer aus.

Sind sie denn mit der Zusammenstellung des Aufgebots für 2015 zufrieden?
Bruckbauer: Ja, sehr. Mein einziger Wunsch war es, dass wir sozusagen 'ein bisschen deutscher' werden. Schließlich ist hier in Deutschland unser Hauptmarkt.

Und Denk ist ihrem Wunsch nachgekommen, so, wie sie das wollten? Bruckbauer: Ich fand es sehr charakterstark, dass er sagte, wir können nicht die Leistungsträger, die uns in den letzten drei, vier Jahre nach vorne gebracht haben, jetzt nach Hause schicken. Ich denke da etwa an Jan Barta aus Tschechien und Cesare Benedetti aus Italien, die schon von Anfang an bei uns sind – beide sind auch für uns sehr gute Repräsentanten für die dortigen Märkte.

Sie wollen künftig das Budget weiter aufstocken  – ist aber auch noch zur Saison 2015 die eine oder andere Neuverpflichtung möglich?
Bruckbauer: Ich denke, die Fahrerauswahl für 2015 ist abgeschlossen. Unser Budget für nächstes Jahr ist festgelegt und da halten wir uns dran. Wir haben für 2016 vertraglich eine Steigerung festgelegt und über 2017 hinaus müssen wir schauen, wie sich die Firma entwickelt. Derzeit stehen wir sehr gesund und sauber da. Ich denke, dass man künftig noch einiges hören wird von Bora.

Wie wichtig ist es für den Sponsor, dass das Team irgendwann in der WorldTour fährt?
Bruckbauer: Es wäre derzeit vermessen zu sagen, wir wollen in die WorldTour. Aber wenn 2017 die Reform so kommen sollte, wie sie derzeit geplant ist, dass die besten 25 Teams zur WorldTour gehören, dann wären wir mit unserem Team Bora-Argon 18 schon ganz gerne dabei.

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