Liquigas-Doppelsieg bei 51. Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt

Moser und Nerz zu stark für Tony Martin

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Moreno Moser (Liquigas-Cannondale) gewinnt die 51. Auflage von Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt. | Foto: ROTH

01.05.2012  |  (rsn) – Das italienische Liquigas-Cannondale-Team hat bei der 51. Auflage von Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt (1.HC) einen Doppelsieg eingefahren. Nach schweren 200 Kilometern von Eschborn durch den Taunus nach Frankfurt setzte sich der gerade mal 21-jährige Italiener Moreno Moser nach einem Antritt auf dem letzten Kilometer als Solist vor der Alten Oper mit fünf Sekunden Vorsprung auf seinen deutschen Teamkollegen Dominik Nerz durch.

Zeitgleicher Dritter wurde der Russe Sergey Firsanov (RusVelo), Platz vier ging an Tony Martin (Omega Pharma-QuickStep), der nach dreiwöchiger Verletzungspause ein herausragendes Comeback zeigte. Andrè Greipel (Nationalteam) sicherte sich 24 Sekunden hinter dem Sieger im Sprint der großen Verfolgergruppe Rang fünf, Titelverteidiger John Degenkolb (Argos-Shimano) landete hinter dem Norweger Alexander Kristoff (Katusha) auf Platz sieben. Bester NetApp-Fahrer war der Österreicher Daniel Schorn auf Rang acht.

Mann des Tages war aber Tony Martin. Der Zeitfahrweltmeister, der vor 20 Tagen im Training schwer verunglückt war und, für viele überraschend, in seinem Heimatort Eschborn am Start stand, attackierte 45 Kilometer vor dem Ziel bei der zweiten Überfahrt des Mammolshainer Berges und legte danach eine imponierende Fahrt auf den Asphalt. 27 Kilometer vor dem Ziel auf der Anfahrt nach Frankfurt hinein schlossen Moser, Nerz und Firsanov zu dem 27-Jährigen auf. Den Verfolgern gelang es auf den letzten Kilometern nicht mehr, die prächtig harmonierende Spitzengruppe noch einzuholen.

„Ich hatte heute den unbedingten Willen, dass es diesmal zu keiner Sprintankunft kommt“, sagte Martin auf der Pressekonferenz. „Ich wollte meine Chance als Ausreißer suchen. Da ich davon ausging, dass die Bergfahrer auf die letzte Überfahrt des Mammolshainer Bergs setzten, wollte ich sie überraschen und habe schon beim vorletzten Mal angegriffen. Ich bin froh über das Ergebnis, auf dem Weg nach Frankfurt war ich am Limit.“

Moser, Neffe der italienischen Radsportlegende Francesco Moser, nutzte die günstige Konstellation, griff auf den letzten 500 Metern an und sicherte sich souverän den bisher größten Sieg seiner Karriere. Im Februar hatte der Neo-Profi bei der Trofeo Laigueglia seinen ersten Sieg als Profi gefeiert.

„Das ist ein sehr wichtiger Sieg, vermutlich der bisher wichtigste Sieg meiner Karriere“, kommentierte Moser das Ergebnis. „Heute morgen habe mich nicht so gut gefühlt. Im Rennverlauf lief es aber immer besser. Dominik und ich sind dann am Mammolshainer Berg rausgefahren, um zu Tony Martin zu kommen, das ganze Team war sehr stark. Dafür möchte ich mich bedanken. Ich freue mich sehr übe diesen Ausgang, hätte ihn aber nicht erwartet.“

Als bisher letzter Italiener hatte Stefano Garzelli den hessischen Klassiker im Jahr 2006 gewonnen - damals ebenfalls im Liquigas-Trikot. Die Deutschen konnten diesmal zwar vier Fahrer unter den besten Zehn platzieren, für den insgesamt 13. Sieg in der Geschichte des Traditionsrennens langte es aber nicht, auch wenn der 22 Jahre alte Nerz das bisher beste Ergebnis im Trikot seines Liquigas-Teams einfuhr.

„Es war unglaublich wichtig, dass wir zu zweit waren, als es das letzte Mal über den Mammolshainer ging“, schilderte Nerz die vorentscheidende Szene. „Moreno und ich waren absolut am Limit und haben uns gegenseitig hochgepuscht. Allein wäre ich nicht zu Tony hingekommen, denn er ist so stark. Wir wollten unbedingt, dass mal wieder ein Bergfahrer dieses Rennen gewinnt. Das ist uns gelungen.“

Bei Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen bildete sich kurz vor dem Anstieg zum Feldberg, der erstmals seit zwei Jahren wieder im Programm stand, eine Spitzengruppe, in der mit Christoph Pfingsten (Nationalteam), Sven Forberger (NSP-Ghost) und Björn Schröder (Raiko Stölting) gleich drei deutsche Fahrer dabei waren. Dazu kamen der Schweizer Reto Hollenstein vom deutschen NetApp-Team, der Weißrusse Aliaksandr Kushynski (Katusha) sowie der Belgier Sander Armee (Topsport Vlaanderen).

Lange blieb die Spitzengruppe, die sich bis zu drei Minuten an Vorsprung herausarbeitete, aber nicht komplett. Schon als es zum ersten Mal den bis zu 23 Prozent steilen Mammolshainer Berg hinaufging, fuhr Pfingsten die zu diesem Zeitpunkt nur noch fünf Fahrer starke Spitzengruppe auseinander. Dem Deutschen Crossmeister konnten nur noch Hollenstein, Kushynski und Armee folgen, während Schröder und Forberger wieder vom Feld geschluckt wurden.

Eine gute Minute dahinter führte Tony Martin neben Fabian Wegmann (Garmin-Barracuda), Simon Geschke (Argos-Shimano) und Degenkolb das Feld den Mammolshainer hinauf. Nach der Bergwertung drückte der Zeitfahrweltmeister auf weiter ansteigendem Terrain dann richtig auf’s Tempo und sorgte dafür, dass sich eine rund 15-köpfige Gruppe bildete, in der unter anderem Nerz, Geschke und Fröhlinger dabei waren. Auch wenn die Ausreißer vom aufmerksamen Feld recht schnell wieder gestellt wurden, hatte Martin schon da gezeigt, dass er in weitaus besserer Verfassung beim Heimspiel angetreten war als von vielen erwartet.

71 Kilometer vor dem Ziel schlossen dann elf Verfolger zur Spitze auf, die nun insgesamt 15 Fahrer umfasste: Neben den vier ursprünglichen Ausreißern noch Alessandro Vanotti (Liquigas), Johannes Fröhlinger, Tom Dumoulin (beide Argos-Shimano). Vladimir Gusev (Katusha), Laurent Mangel (Saur Sojasun), Paul Voss (Nationalteam), Pieter Serry (Topsport Vlaanderen), Cesare Benedetti (NetApp), Maarten de Jonge (Raiko), Marcello Pavarin (Vacansoleil) und Jakob Rathe (Garmin-Barracuda).

Danach sorgte bei nur knappem Rückstand Martins Team für das Tempo im Hauptfeld. Kurz vor der zweiten Mammolshainer-Passage war die Spitzengruppe auf acht Fahrer zusammengeschrumpft. Nur noch 20 Sekunden dahinter folgte das Feld, das schließlich 47 Kilometer vor dem Ziel noch vor dem Mammolshainer den Zusammenschluss mit dem Großteil der Gruppe erzwang. Nur noch Gusev, Vanotti und Mangel behaupteten sich noch einige Kilometer lang an der Spitze.

Als es zum zweiten Mal den Mammoslhainer hinaf ging, attackierte erneut Martin, dem diesmal kurzzeitig nur noch der Niederländer Rob Ruijgh (Vacansoleil-DCM) folgen konnte. Der Lokalmatador zog auch an Gusev, Vanotti und Mangel vorbei und zwang im Feld Degenkolbs Team dazu, die Verfolgungsarbeit zu übernehmen. Die dritte und letzte Überfahrt bewältigte Martin mit rundem Tritt im Sitzen rund 30 Sekunden auf eine gut 30 Fahrer umfassende Verfolgergruppe mit Degenkolb und Greipel, das Feld hatte zu diesem Zeitpunkt 1:30 Minuten Rückstand.

Auf dem folgenden 30-Kilometer-Flachstück in Richtung Ziel schlossen Firsanov, der starke Nerz und Moser zu Martin auf. Dahinter führte das am Tag der Arbeit sehr aktive NetApp-Team die Verfolger an – doch das Quartett um den Zeitfahrspezialisten Martin harmonierte prächtig und behauptete 16 Kilometer vor dem Ziel 50 Sekunden Vorsprung. Neun Kilometer vor dem Ziel, als es auf den Rundkurs in die Mainzer Landstraße ging, waren davon noch 35 übrig. Bei der letzten Zielpassage vier Kilometer vor Ende des Rennens hatte sich daran nichts geändert, so dass sich erstmals seit Jahren wieder ein Ausreißersieg abzeichnete.

Den sicherte sich Moser durch einen entschlossenen Antritt auf der rund ein Kilometer langen Zielgeraden vor der Alten Oper in Frankfurt. Nerz holte fünf Sekunden hinter seinem Teamkollegen noch Platz zwei, während sich der entkräftete Martin noch Firsanov im Kampf um Platz drei geschlagen geben musste.

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