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Lampre-ISD: Erfahrung als größter Trumpf

Von Christoph Adamietz

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Lampre-ISD bei der Tour Down Under 2012 | Foto: ROTH

02.02.2012  |  (rsn) - Winterzeit ist Wechselzeit. In den vergangenen Wochen und Monaten hat sich auf dem Transfermarkt einiges getan. Um Sie zum bevorstehenden Saisonbeginn auf den aktuellsten Stand zu bringen, stellt Radsport News die 18 WorldTour-Teams vor und analysiert ihre Stärken und Schwächen.

Teil 17: Lampre-ISD

Der Rennstall von Giuseppe Saronni setzt weiter auf die Routiniers. Der Stamm der Mannschaft mitsamt den Kapitänen wurden an Bord gehalten. Das eingespielte Team soll die Marke aus dem Vorjahr wieder erreichen. Damals gelangen Petacchi, Scarponi & Co immerhin 26 Siege.

Kommen und Gehen: Unter den neun Abgängen befinden sich mit dem Italiener Francesco Gavazzi (zu Astana) und dem Slowenen Simon Spilak (zu Katjuscha) zwei Fahrer, die dem Team in der Vergangenheit einige Erfolge bescherten und 2012 schmerzlich vermisst werden dürften. Der Verlust von Alfredo Balloni (Farnese Vini), Vitaly Kondrut (Kolss Cycling Team), Aitor Perez (Gios Deyser), David Loosli (Karriereende), Enrico Maggazini, Balint Szeghalmi (beide Ziel unbekannt) dürfte dagegen weniger schmerzhaft sein. Bereits während der Saison hatte der Kasache Andrei Kashechkin (zu Astana) das Team verlassen.

Mit den neun Zugängen kann Saronni wieder auf einen Kader von 28 Fahrer bauen. Prominenteste Neuverpflichtungen sind die Italiener Morris Possoni (von Sky) und der Australier Matthew Lloyd, der einen Teil der abgelaufenen Saison bei den Amateuren fuhr, nachdem sein Vertrag bei Omega Pharma-Lotto aufgelöst worden war. Possoni hat seine Stärken bei kleineren, bergigen Rundfahrten, Lloyd, dem mit Platz zwei bei den australischen Meisterschaften ein Comeback gelang, ist ein Mann für die anspruchsvollen Eintagesrennen. Während der Italiener Davide Vigano (von Leopard-Trek) die Sprintfraktion verstärkt, ist sein Landsmann Simone Stortoni (von CSF Inox) bisher bei mittelschweren Eintagesrennen und Rundfahrten in Erscheinung getreten.

Die weiteren Neuzugänge Davide Cimolai (Liquigas), Yuri Krivtsov (Ag2r), Oleksandre Sheydyk (ISD-Lampre), Massimo Graziato und Winner Anacona (beide Neo-Profi) werden vor allem Helferdienste leisten. Dem Kolumbianer, im Vorjahr Zweiter beim Nachwuchs-Giro, ist aus diesem Quartett noch am ehesten  zuzutrauen, sich zu einem "Winner" zu mausern.

Die Kapitäne: Bei den Sprintankünften ist nach wie vor der 38-jährige Italiener Alessandro Petacchi die stärkste Waffe. Ihm zur Seite steht sein gleichaltriger Teamkollege Danilo Hondo, der nicht nur Anfahrer ist, sondern auch als Capitaine de la Route fungiert. Zudem ist der Allrounder auch Lampres erste Option für die flämischen Klassiker. Für die Sprints und flachere Klassiker erhält auch der Slowene Grega Bole, der 2011 den GP Plouay gewann, eine beschützte Rolle.

In den bergigen Eintagesrennen ist weiterhin der 30-jährige Italiener Damiano Cunego als Kapitän vorgesehen. In den großen Landesrundfahrten teilt sich der Gesamt-Siebte der Tour 2011 die Rolle des Anführers mit seinem zwei Jahre älteren Landsmann Michele Scarponi, der 2011 den Giro d'Italia auf Platz zwei abschloss. Bei kleineren Rundfahrten ist zudem mit den beiden aufstrebenden Italienern Diaego Ulissi – Gesamtsieger der Slowenien-Rundfahrt 2011 – und Adriano Malori zu rechnen.

Der Geheimtipp: Als Neo-Profi - damals noch bei Liquigas - wusste Davide Cimolai im Jahr 2010 mit mehreren Sprint-Ergebnissen zu gefallen So wurde der Italiener, der mit seinen gerade einmal 22 Jahren bereits in seine dritte Profi-Saison geht, bereits Etappenzweiter bei der Türkei-Rundfahrt sowie jeweils Vierter beim Circuit de Getxo und auf einer Etappe der Burgos-Rundfahrt. Sein zweites Jahr bei Liquigas war allerdings weniger erfolgreich, so dass sich Cimolai dazu entschloss, bei Lampre einen neuen Anlauf zu nehmen. Neben Petacchi findet sich kein weiterer reiner Sprinter im Aufgebot, so dass Cimolai seine Chancen bekommen wird.

Stärken und Schwächen: Abgesehen von den flämischen Rennen hat das Lampre-Team für jedes Terrain mindestens einen Siegfahrer im Aufgebot. Allerdings ist Petacchi schon im gesetzteren Radsportalter und es ist fraglich, wie lange er noch mit den explosiven Sprintern wie Cavendish oder Greipel mithalten kann. Hinter Petacchi klafft zudem eine große Lücke. Bole ist zwar sprintstark, doch eher ein Mann für Sprints aus kleineren Gruppen heraus.

Mit Scarponi und Cunego, der nach lanmger Durststrecke  im Vorjahr wieder seine Qualitäten als Rundfahrer bewiesen hat, kann Lampre auf gleich zwei  Athleten bauen, die bei schwereren Rundfahrten auf's Podium fahren können. Um die Gesamtwertung einer großen Rundfahrt zu gewinnen, fehlt es beiden aber an Qualitäten im Zeitfahren. Für die mittelschweren italienischen Eintagesrennen und Rundfahrten stehen Scarponi, Cunego, aber auch Ulissi, Malori und Daniele Pietropolli parat.

Prognose: Die Marke von 26 Siegen wird wohl nur sehr schwer zu knacken sein. Zum einen fehlt mit Gavazzi ein zuverlässiger Siegfahrer – vier Erfolge gingen 2011 auf sein Konto. Zum anderen ist fraglich, ob Petacchi seine Bilanz von 2011 - nur drei Siege - deutlich nach oben wird schrauben können. So ruht die Last  vor allem auf den Schultern von Scarponi, Cunego, Ulissi, Bole und Pietropolli, wobei keiner des Quintetts wohl für mehr als fünf Siege gut ist. Vor allem außerhalb Italiens wird die Mannschaft Probleme bekommen, ganz vorne mitzumischen.

Lampre-ISD 2012: Leonardo Bertagnolli, Matteo Bono, Davide Cimolai, Damiano Cunego, Massimo Graziato, Adriano Malori, Marco Marzano, Manuele Mori, Alessandro Petacchi, Daniele Pietropolli, Morris Possoni, Daniele Righi, Michele Scarponi, Alessandro Spezialetti, Simone Stortoni, Diego Ulissi, Davide Vigano (alle Italien), Vitaly Buts, Denys Kostyuk, Dmytro Krivtsov, Yuriy Krivstov, Oleskandr Kvachuk, Oleksandr Sheydyk (alle Ukraine), Danilo Hondo (Deutschland), Grega Bole (Slowenien), Przemyslaw Niemiec (Polen), Matthew Lloyd (Australien), Winner Anacona (Kolumbien)

Zugänge: Morris Possoni (Sky), Davide Vigano (Leopard-Trek), Davide Cimolai (Liquigas), Yuri Krivtsov (Ag2r), Simone Stortoni (CSF Inox), Oleksandre Sheydyk (ISD-Lampre), Matthew Llyod (Amateur), Massimo Graziato, Winner Anacona (beide Neo-Profi)

Abgänge: Francesco Gavazzi (Astana), Simon Spilak (Katjuscha), Alfredo Balloni (Farnese Vini), Vitaly Kondrut (Kolss Cycling Team), Aitor Perez (Gios Deyser), David Loosli (Karriereende), Enrico Maggazini, Balint Szeghalmi (beide Ziel unbekannt)

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