RSNplusNoch einmal in die Bresche springen

Gilbert hat in seiner letzten Saison noch viel vor

Foto zu dem Text "Gilbert hat in seiner letzten Saison noch viel vor"
Philippe Gilbert gewann in seiner enzigartigen Karriere vier Monumente und die WM | Foto: Jesse Wild

08.02.2022  |  Procycling - Philippe Gilbert hat fast jedes Rennen gewonnen, das er sich vorgenommen hat, darunter vier Monumente und die Weltmeisterschaft. Vor seinem letzten Jahr im Profi-Peloton erzählt er unserem Partner Procycling, wie es war, der beste Fahrer der Welt zu sein und was er von 2022 erwartet.

Wenige Fahrer können behaupten, der wirklich dominante Fahrer eines Jahres zu sein. Natürlich gibt es immer jemanden mit den meisten Siegen, und es ist üblich, das Jahr mit einem besten Sprinter, einem besten Rundfahrer und einem besten Klassikerjäger zu beenden, aber es ist selten, dass ein Fahrer der definitiv beste der Saison ist. 2021 war Tadej Pogacar das mit seinen Siegen bei der Tour de France, Lüttich-Bastogne-Lüttich und der Lombardei-Rundfahrt ganz klar; 1972 gewann Eddy Merckx mehr als die meisten Top-Fahrer in ihrer gesamten Karriere, aber vor elf Jahren war es ein anderer belgischer Fahrer in Gestalt von Philippe Gilbert. In einer Saison gewann er 17 Rennen, darunter das Ardennen-Double aus Lüttich-Bastogne-Lüttich und Flèche Wallonne plus dem Amstel Gold Race; außerdem die Clásica San Sebastián und einen Tag fuhr er im Gelben Trikot der Tour.

___STEADY_PAYWALL___


Auf dem Weg zum Sieg kämpft sich Gilbert den Paterberg hoch | Foto: Gruber Images

Eine Dekade später sagt Gilbert auf die Frage, wie es ist, der unumstritten beste Fahrer der Welt zu sein: "Schwer zu sagen. Du gehst in die Saison, du gewinnst ein Rennen, dann ein paar Tage später ein zweites, dann noch eins. Du gehst ein Rennen nach dem Rennen an, und ich startete jedes Mal neu. Ich dachte nicht daran, zehn gewonnen zu haben. Ich regenerierte und konzentrierte mich auf das nächste Rennen.“

Elf Jahre später machte die Pandemie dem früheren Weltmeister das Leben schwer. 2020 war das erste Jahr seit 2003, in dem er kein Rennen gewann, und dasselbe passierte 2021. Gilbert versucht es nicht zu beschönigen: "Es waren zwei schwere Jahre, zwei Jahre, die man vergessen konnte. Ich hoffe, ich habe ein besseres letztes Jahr. Ich mag es nicht, in dieser Situation zu sein, aber du musst damit umgehen und es auch als Erfahrung nehmen. Ich habe viel gearbeitet, aber ich war zu Beginn längst nicht da, wo ich sein wollte. Im vergangenen Winter hatte ich wirklich zu kämpfen, und mein Alter hilft auch nicht. Es war wirklich hart, wieder ins Spiel zu kommen, und dann war die Saison wieder so schnell vorbei.“


Philippe Gilbert spricht im Interview mit Procycling auch über sein letztes Jahr als Profi| Foto: Luc Claessen/Getty Images

Knieschmerzen, kombiniert mit Corona und seinem Alter haben ihren Tribut gefordert. Obwohl er im Oktober als Titelverteidiger bei Paris-Roubaix startete, schien sein Sieg lange her zu sein. Von dem Mann, der mit diesem Sieg als sechster Fahrer der Geschichte vier der fünf Monumente in seinen Palmarès eintragen konnte, war vor Roubaix und vor dem Rennen, das er braucht, um seinen Satz zu vervollständigen, Mailand-San Remo, kaum die Rede. Bei dem Rennen in Italien wurde er 72. und auf dem Kopfsteinpflaster in Nordfrankreich 29.

Aber in diesem Winter fühlt er sich besser und hat keine Probleme, und er ist zuversichtlich: "Ich bin sicher, dass sich das in den nächsten Monaten auszahlt.“

Motivation war nie ein Problem für den Mann, der in seiner Karriere bei 53 Monumenten an den Start gegangen ist. Seine Rückkehr zu Lotto Soudal bedeutete, dass er 2022 noch Rennen fahren würde: "Es war ein langer Vertrag, der mit Lotto, und ich habe ein bisschen gezögert, bevor ich unterschrieb. Ich bin nächstes Jahr 20 Jahre Profi, ich werde 40, das sind alles schöne runde Zahlen. Ich fand es schöner, so aufzuhören. Jetzt will ich auf einem besseren Niveau aufhören.“


Gilbert genießt seinen Sieg in Lüttich 2011, mit dem ihm ein seltener Frühlings-Hattrick gelingt | Foto: Lars Ronbog/Getty Images

Es war keine Entscheidung, die auf finanzielle Notwendigkeit, Nostalgie oder Selbstüberschätzung zurückzuführen war. Gilbert glaubte und glaubt wirklich, dass er es noch draufhat, für sein neues Team zu performen. "Ich bin sehr motiviert, immer noch schöne Ergebnisse zu holen, und ich hoffe, wieder zu gewinnen. Wenn du in dieser Stimmung bist, wenn du immer gewinnst, wird es fast normal, und wenn du das vermisst, erkennst du, dass es in der Tat sehr schwer ist, ein Radrennen zu gewinnen. Ich weiß nicht, wie es ist, wenn ich das nächste Mal fahre, um zu gewinnen, aber ich werde nervöser sein als normal, weil es jetzt so lange her ist. Das ist etwas, was ich nie erlebt habe. Ich bin neugierig auf meine Reaktion.“

In seiner letzten Saison als Radprofi will er es noch einmal wissen. Einige würden das letzte Jahr als eine Abschiedstour betrachten, aber nicht Gilbert. Er will immer noch beeindrucken, das Publikum, sein Team und die Medien noch einmal daran erinnern, was für ein großer Fahrer er ist, besonders nach der Enttäuschung der letzten beiden Jahre.


Gilbert errang seinen zweiten Sieg bei einem Monument 2010 im Regen der Lombardei | Foto: Tim de Waele/Getty Images

"Ich will ein gutes Resultat bei einem großen Rennen holen“, erklärt er. "Natürlich will ich ein Rennen gewinnen, aber ich will im Finale eines großen Rennens dabei sein. Das ist für mich am wichtigsten. Ich war nie ein Fahrer, der leichte Siege gejagt hat, wie viele Fahrer, die ich in meiner Karriere gesehen habe, und ich habe mir stattdessen die schönste Herausforderung gesucht. Ich habe vielleicht 90 Prozent meiner Karriere auf WorldTour-Niveau verbracht, gegen die besten Fahrer, und das wird sich nicht ändern. Ich will keine kleinen Rennen fahren, nur um einen Sieg zu holen. Wenn ich beim Omloop Het Nieuwsblad gegen die Besten in den Top Five bin, bin ich zufrieden, ich will mit ihnen kämpfen.“

In der neuen Ausgabe der Procycling ist die Story noch ausführlicher!

Weitere Radsportnachrichten

09.01.2026SD Worx verabschiedet sich für 2026 von Grand-Tour-Ambitionen

(rsn) – Understatement oder neue Realittät? Danny Stam, Sportdirektor von SD Worx – Protime, hat bei der Präsentation des Teams in Antwerpen angekündigt, dass ein Grand-Tour-Sieg in der kommend

09.01.2026Mit Ritzeln und Kette in Gold: Red Bull präsentiert neues Evenepoel-Rad

(rsn) - Unauffällig ist anders. Red Bull - Bora - hansgrohe hat das neue Arbeitsgerät von Remco Evenepoel präsentiert. Und eigentlich können alle Beteiligten nur hoffen, dass der 25-Jährige nicht

09.01.2026Picnic – PostNL setzt voll auf Poole und Bittner

(rsn) – Auch nach dem Abgang des Tour-de-France-Vierten Oscar Onley will sich das Team Picnic – PostNL im kommenden Jahr auf Gesamtwertungen konzentrieren. Der 22 Jahre alte Max Poole soll die Rol

09.01.2026Medien: Onley mindestens doppelt so teuer wie Evenepoel

(rsn) - Offizielle Bestätigungen gibt es nicht, doch wie mehrere Medien nun berichten, hat Ineos Grenadiers mehr als doppelt so viel Geld auf den Tisch gelegt, um Oscar Onley aus seinem Vertrag bei P

09.01.2026Verschneite Querfeldein-Titelkämpfe in Bensheim

(rsn) – Am kommenden Wochenende werden im südhessischen Bensheim die Deutschen Meisterschaften im Cross ausgetragen. Wie schon 2018 finden die Titelkämpfe rund um den Bikepark am Berliner Ring im

09.01.2026Mit Kool weniger Druck für Pieterse und Kastelijn

(rsn) – Das Top-Frauenteam der Gebrüder Philip und Christoph Roodhooft bestach in seinem dritten WorldTour-Jahr vor allem wieder durch eines - die Konstanz der beiden Leistungsträgerinnen Puck Pie

09.01.2026Die Trikots der Women´s WorldTour-Teams für die Saison 2026

(rsn) – 14 Rennställe umfasst die Women´s WorldTour in der Saison 2026. Doch wie treten diese 14 Mannschaften im neuen Jahr auf? Welche Farben zieren ihre Trikots, welche Art von Designs werden ge

09.01.2026Die Trikots der WorldTour-Teams für die Saison 2026

(rsn) - Wie sieht das Peloton 2026 aus? Welche Farben werden in der kommenden Saison vorherrschend sein? Nach und nach stellen die WorldTour-Rennställe ihre Trikots für das neue Jahr vor - den Anfan

09.01.2026Eine Reise ins Universum des japanischen Keirin

(rsn) – Im Keirin geht es um Olympia-Medaillen. Der sogenannte ´Kampfsprint´ ist in Europa, Australien und Amerika längst angekommen und für spannende Rennen bekannt. Doch in seiner Heimat Japan

08.01.2026Iserbyt muss seine Karriere beenden

(rsn) – In einem emotionalen Video auf Instagram hat Eli Iserbyt (Pauwels Sauzen – Altez) das Ende seiner Karriere erklärt. Seit Februar 2025 hat er ehemalige Weltranglistenerste kein Rennen mehr

08.01.2026Soudal - Quick-Step bindet auch Magnier langfristig

(rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Radsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder Rücktr

08.01.2026Soudal bleibt Titelsponsor bis 2030, Dumoulin wird Renndirektor

(rsn) - Ex-Profi Tom Dumoulin wird neuer Renndirektor des Amstel Gold Race. Der 35-jährige Niederländer übernimmt den Job von Leo van Vliet, allerdings erst zur Austragung 2027. Es wird die 61. sei

RADRENNEN HEUTE

    Radrennen Männer

  • Antwerp Port Epic (1.1, BEL)
  • Vuelta al Táchira en (2.2, VEN)
  • Tour de Gyeongnam (2.2, KOR)