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19.05.2020 | (rsn) - Wäre der Giro d’Italia in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie nicht in den Oktober verschoben worden, stünde heute die 10. Etappe auf dem Programm. Nur insgesamt zehn Etappen hatte die Italien-Rundfahrt im Jahr 1923. Sie war aber mit 3202 Kilometern keineswegs kürzer als die Austragungen heute. Mit seinem Gesamtsieg begründete Constante Girardengo die Ehrenbezeichnung "Campionissimo", die ihm als erstem Radrennfahrer aller Zeiten verliehen wurde.
Der Giro war damals mit dem Tagesabschnitt Mailand-Turin gestartet worden. Während der heutige Halbklassiker, der übrigens das älteste Eintagesrennen der Welt ist und erstmals 1876 gefahren wurde, um die 190 Kilometer lang ist, standen damals 328 Kilometer auf dem Programm. Girardengo legte gleich los und gewann den Auftakt des 15. Giro d‘Italia. Der Italiener ist übrigens bis heute der Rekordgewinner von Mailand-Turin, das er insgesamt fünf Mal für sich entschied. Einziger deutscher Gewinner ist Rolf Gölz (1988 und 1989).
Mit seinem Tageserfolg übernahm Girardengo auch die Führung in der Gesamtwertung. Das Rosa Trikot gab es damals noch nicht, es wurde erst 1931 eingeführt. Lange durfte sich Girardengo nicht über seinen Spitzenplatz freuen. Denn schon am zweiten Tag wurde er auf dem Weg von Turin nach Genua (312 km) von seinem Landsmann Bartelomeo Ayma entthront.
Obwohl er die nächsten zwei Etappen von Genua nach Florenz (265 km) und Florenz nach Rom gewann, konnte Girardengo erst am Ende des sechsten Abschnitts von Rom nach Neapel (281 km) die Führung zurückerobern. Girardengo entschied in der Folge auch die drei Etappen von Neapel- Chieti (283 km), Chieti-Bologna (383 km) und Bologna-Triest (362 km) für sich.
Vielleicht ließ er nun wenig wenig locker, Alfredo Sivocci nämlich grätschte ihm auf dem Weg von Triest nach Mantua (357 km) dazwischen und gewann die 9. Etappe. Die "Scharte" wetzte der "Campionissimo" am Schlusstag von Mantua nach Mailand (341 km) aus. Trotz seines achten Etappensieges gelang ihm nur ein knapper Gesamtsieg mit 37 Sekunden Vorsprung auf Giovanni Brunero, der den Giro 1921 und 22 sowie 1926 gewinnen konnte. Zum drittplatzierten Bartolomeo Aymo betrug der Abstand dagegen 10:25 Minuten.
Girardengo wurde am 18. März in Novi Ligure geboren. Er starb im Alter von 85 Jahren am 9. Februar 1978 in Cassano Spinola. Im Lauf seiner Karriere gewann er zweimal den Giro, sechsmal Mailand-Sanremo und dreimal die Lombardei-Rundfahrt.
Der erste große Star des Radsports sorgte auch unfreiwillig für die Festnahme seine Freundes Sante Pollastri, der als einer der größten Gauner seiner Zeit galt. Als die Polizei von dieser Bekanntschaft erfuhr, beschattete sie den Rennfahrer und konnten so Pollastri eines Tages in der Nähe des Zieles, wo er auf Girardengo wartete, festnehmen.
(Quelle: Wikipedia)
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