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26.12.2018 | (rsn) - Auf den Spuren der kolumbianischen Kletterer führt unsere Reise in die Radsport-Region Boyacá, in der Quintana aufwuchs und nach wie vor trainiert, aber in der auch neue Talente ausgebildet werden.
Nairo Quintana ist ein fleißiger Radprofi. Sogar am Nachmittag des 24. Dezember sahen ihn Einwohner seiner Heimatstadt Tunja die Straßen in den Bergen ringsum befahren. So erwartet man das von Profis, die vorhaben, die Tour de France zu gewinnen. Und Quintana hat genau das vor. "2019 fokussiere ich mich ganz auf die Tour", erzählte er radsport-news.com bei einem Treff in Tunja im Dezember.
Keine Double-Experimente mehr mit Giro, dafür längere Trainingsblöcke zu Hause und der Saisonauftakt erfolgt auch in Lateinamerika. Auf die Tour de San Juan in Argentinien folgt im Februar dann sogar ein Rennen in der Heimat: Die von der UCI-Klassifizierung her zwar zweitrangige Kolumbien-Rundfahrt, die durch den Start von Chris Froome, Weltmeister Alejandro Valverde und fast aller kolumbianischer Stars, mit Ausnahme von Esteban Chaves, extrem aufgewertet ist - ein früher Aufgalopp für die Tour. Und eine harte Prüfung für die Profis mit europäischem Rennkalender. Denn wer in Kolumbien zwei Beine hat, ein Rad und eine nationale Rennfahrerlizenz, für den ist der Februar der Saisonhöhepunkt. Das ganze Training der nationalen Elite ist darauf ausgerichtet.
Quintana denkt bei seinem Wintertraining bei milden 18 Grad und auf zirka 3.000 Metern über dem Meer aber nicht nur an seine eigene Vorbereitung. Er wurde, wie recht häufig, von Rennfahrern aus dem Entwicklungsprogramm Boyaca – Raza de Campeones begleitet. Quintana hat das Programm selbst durchgeboxt. "Es ist ein Gesetz, das vom Parlament verabschiedet wurde und die Entwicklung des Radsports in der gesamten Breite vorantreiben will. Es ist für Jungen und Mädchen von den Altersklassen ab 15 Jahre bis hin zur U-23. Wir haben acht Mannschaften, darunter auch Teams für die Bahn und BMX. Pro Jahr gibt es umgerechnet zwei Millionen Euro für das Programm und es ist eine automatische Erhöhung eingebaut, wenn der gesetzliche Mindestlohn angehoben wird", erzählte Carlos Chalapud, Koordinator des Programms gegenüber radsport-news.com. Und er bestätigte, dass Quintana der Initiator war.
2000 Kids werden regelmäßig gesichtet
70 Sportlerinnen und Sportler werden direkt durch das Programm betreut. Hinzu kommen etwa 2.000 Kids, die regelmäßig gesichtet werden. "Das machen 19 Experten, viele von ihnen ehemalige Radprofis. Jeder hat etwa 100 Athleten, die er betreut", ergänzte Chalapud. Einer dieser Experten ist Rusbel Achagua – der erste Trainer und Entdecker von Quintana.
"Ich war sein erster Trainer, sein erster Mechaniker, sein erster Masseur und auch sein erster Psychologe", erinnerte sich Achagua, als wir ihn im kleinen Ort Arcabuco trafen. Es ist ein Straßendorf, liegt an der Fernstraße, die die Hauptstadt Bogotá mit dem Norden des Landes verbindet. Quintana ging hier zur Schule, ins Colegio Alejandro Humboldt – benannt nach dem Berliner Naturforscher, der in Lateinamerika einen Status fast auf der gleichen Höhe wie der Befreiungsheld Simon Bolivar hat. Denn Humboldt hatte intensiver als Bolivar dessen Heimat bereist und seinem Freund die notwendigen Kenntnisse von Wirtschaft, Landschaft und Infrastruktur vermittelt, die Bolivars Befreiungskampf überhaupt erst möglich machten.
Am Eingang der Schule sind Bilder von erfolgreichen Sportlern angebracht, die einst hier die Schulbank drückten. Eines von Quintana ist selbstverständlich dabei. Durch den Zaun hindurch sieht man auch den alten Schulbus, dem Quintana als Bub offenbar nicht so recht vertraute und dem er das Fahrrad vorzog. Die jeweils zirka 18 Kilometer vom Wohnort zur Schule und wieder zurück waren die allererste Trainingsstrecke für den heutigen Star.
"Ein Bier im Training schadet nicht"
Auf diesen Straßen trainiert er manchmal sogar jetzt noch, denn sie gehören zum Anfahrtsweg für die Anstiege ringsum. "Er macht auch immer wieder hier halt, wir trinken dann manchmal ein Bier, nur eines, das schadet auch einem Profi nicht", meinte Achagua, und betont, dass sich sein einstiger Schützling trotz seines Ruhms und des vielen Geldes nicht verändert hat.
Kennengelernt hat er ihn mit 14, 15 Jahren. "Er war der geborene Kletterer, hatte genau den richtigen Körper dafür. Bei den Rennen ist er oft in den höheren Altersklassen gefahren, weil es in seiner nicht genug Starter gab", erinnerte sich Achagua.
Die Zeiten damals waren nicht einfach. "Es hatte ja keiner Geld. Wir sind in die umliegenden Geschäfte gegangen, um etwas Verpflegung für die Rennen zu bekommen oder das Benzin für den Transport. Manchmal gaben sie etwas, manchmal ließen sie uns allein", blickte Achagua zurück. Für seinen Schützling Quintana hatte er sich gar noch ein besonderes Härteprogramm ausgedacht. "Ja, es stimmt, ich gab ihm zum Training ein viel schwereres Rad, um das Training zu intensivieren", sagte Achagua.
Neuer Generation fehlt ein wenig die Disziplin
Schmunzelnd erinnerte sich auch Quintana daran, als radsport-news.com am nächsten Tag mit ihm sprach. "Es war einfach gut für die Motivation. Dann im Rennen mit dem leichteren Rad wusste ich, dass es leichter ist, zu gewinnen", meint er.
Auf solcherart rustikale Trainingsmethoden verzichtet er heute. Auch Achagua greift nicht mehr darauf zurück. "Die Kids heute haben ein Material, von dem man damals nur träumen konnte", schwärmt er. Das Programm Boyacá – Raza de Campeones wurde schließlich aus genau diesem Grund ins Leben gerufen. Die nächste Generation sollte bessere Startbedingungen haben als einst Quintana – gutes Material, gutes Essen, professionelle Betreuung.
Burschen mit ähnlichen körperlichen Voraussetzungen wie Quintana sieht Achagua in seiner Trainingsgruppe. Sie umfasst 35 Kids im Alter von 12 bis 18 Jahren. Ganz ängstlich werden müssen die europäischen Radsportnationen deswegen freilich nicht. Die besseren Bedingungen führen auch zu einem gewissen mentalen Sättigungsgrad. "Die Kids haben tolle Räder, tolles Material, aber sie können es nicht immer gut managen. Sie bringen nicht immer die notwendige Disziplin auf, um regelmäßig zu trainieren", hat Achagua beobachtet. Der Hunger, den ein Bauernsohn wie Nairo Quintana hatte, der ist in der neuen Generation offenbar nicht so ausgeprägt. Nicht jedes Talent entwickelt sich also.
Nicht nur Kletterer in Boyacà
Zwei Namen aus dem Gesamtprogramm von Boyaca – Raza de Campeones sollte man sich aber doch merken: den Sprinter Sebastián Molano, der in dieser Saison mit seinem Landsmann Fernando Gaviria zum Team UAE stieß und den Kletterer Rafael Pineda. Dieser verbringt aber auf Anraten Quintanas noch ein Jahr in der Heimat. "Danach hat er die Reife für den Schritt nach Europa", bestätigte Quintana.
Molano ist ein Zeichen dafür, dass selbst in der Bergregion Boyacá nicht mehr ausschließlich Kletterer ausgebildet werden. "Wir haben ein Komplettprogramm. Wir wollen jeden gemäß seiner Stärken fördern", sagte Programm-Koordinator Chalapud. Er sieht Molano auf dem gleichen Niveau wie Gaviria. "Sie sind ungefähr gleich alt, haben eine ähnliche Ausbildung auf der Bahn und auf der Straßen gehabt und verfügen über ähnliche körperliche Voraussetzungen. Gaviria hat nur eher die Gelegenheit gehabt, sein Potential auch im Ausland zu zeigen", zog der Koordinator den direkten Vergleich. Mit diesem Talentepool im Rücken, allein in Quintanas Herkunftsregion Boyacá, könnten die richtig goldenen Zeiten des kolumbianischen Radsports erst noch bevorstehen.
In der ganz nahen Zukunft will aber Quintana selbst noch die Meriten holen. "Es wird schwer gegen Sky. Sie haben viele potentielle Leader in den Reihen, Chris Froome, Egan Bernal und Geraint Thomas. Wir müssen an unsere Strategie denken, dabei ein bisschen von ihrer Stärke profitieren, wenn sie das Tempo diktieren und auf die Reaktionen der anderen Teams hoffen. Denn es ist ja nicht nur Nairo Quintana gegen Froome oder Sky. Es gibt noch mehr Teams und noch mehr gute Leute. Wir haben gesehen, wie die Brüder Yates angegriffen haben, Dumoulin, Roglic – all diese Leute haben gute Teams hinter sich. Und sie sollten das auch nutzen", lautete Quintanas hoffnungsvoller Ausblick auf die Saison 2019.
Er weiß freilich auch, dass er nicht mehr der Top-Kandidat für den ersten kolumbianischen Toursieg ist. Er ist der Altstar, der gejagt wird von Egan Bernal, dem Burschen, der in den Bergen rings um Bogotá die Basis für seine Leistungen legte.
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