Nibali auf 17. Tour-Etappe chancenlos

Amadio: "Wiggins und Froome einfach zu stark"

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Vincenzo Nibali (Liquigas-Cannondale) im Ziel der 17. Tour-Etappe | Foto: ROTH

20.07.2012  |  (rsn) – Zu Beginn der gestrigen 17. Tour-Etappe sah es kurzzeitig so aus, als könnte Vincenzo Nibali (Liquigas-Cannondale) das Gelbe Trikot doch noch in ernsthafte Verlegenheit bringen. Der Italiener hatte sich bei Nebel und auf nasser Straße in der gefährlichen Abfahrt vom Col de Menté aus dem Feld gelöst und den Anschluss an die starke Ausreißergruppe um Alejandro Valverde (Movistar) und Thomas Voeckler (Europcar) gefunden. Immerhin 40 Sekunden betrug der Abstand zum Feld, in dem Sky die Führung übernommen hatte.

Als der Vorsprung der Gruppe aber auf unter 20 Sekunden schrumpfte, wechselte Valverde mit Nibali einige Worte - und kurz darauf ließ sich der Gesamtdritte zurückfallen. Prompt wuchs der Vorsprung der Ausreißer auf mehr als zwei Minuten an. „Sie haben hinter uns Druck gemacht und die Lücke von 40 auf 20 Sekunden verkleinert“, erklärte Nibali, der zugab: „Ich habe die Ausreißergruppe schon ein wenig gestört. Ich blieb in der Abfahrt bei ihnen, aber dann habe ich aufgegeben.“

An Aufgabe im Kampf zumindest um den Etappensieg dachte der Sizilianer aber nicht, so dass er seine Helfer am vorletzten Berg des Tages, dem Port de Balès (HC), nach vorn beorderte, um das Tempo zu erhöhen und eine Attacke vorzubereiten. Dabei imponierte der junge Allgäuer Dominik Nerz, der das immer kleiner werdende Feld den 11,7 Kilometer langen Anstieg hinaufzog. Im letzten Berg übernahm Ivan Basso die Tempoarbeit, doch zu diesem Zeitpunkt war klar, dass sich Wiggins und sein Teamkollege Chris Froome nicht würden abschütteln lassen.

Aber selbst Nibalis Hoffnungen auf einen Tageserfolg schwanden dahin, als kurz vor dem Gipfel des Peyresourde zuerst Jürgen Van Den Broeck (Lotto Belisol) und dann Thibaut Pinot (FDJ-BigMat) attackierten und der Liquigas-Kapitän schließlich aus der Gruppe um das Gelbe Trikot zurückfiel. Im Ziel hatte Nibali 18 Sekunden Rückstand auf Wiggins und Froome – und alle Bemühungen seines Teams, die ein wenig an die letztlich erfolglosen Liquigas-Auftritte beim Giro d’Italia erinnerten, waren vergebens gewesen.

„Leider hatte ich muskuläre Probleme und konnte nicht richtig treten“, erklärte der Vuelta-Sieger von 2010 nach dem Rennen. „Ich habe heute morgen schon gemerkt, dass meine Wade schmerzte, aber ich hatte gehofft, dass es während der Etappe nicht schlimmer werden würde.“ Platz drei in Paris angesichts von mehr als drei Minuten Vorsprung auf Van den Broeck dürfte Nibali nicht mehr zu nehmen sein.

Deshalb war die Sportliche Leitung von Liquigas auch letztlich mit der Etappe zufrieden. „Die Entscheidung um den Toursieg ist gefallen, die Engländer sind einfach zu stark“, so Teamchef Claudio Amadio mit Blick auf die überragenden Vorstellungen von Wiggins und Froome. „Die heutige Aktion war geplant und die Vorbereitung war prima, aber letztlich sind wir froh, dass Nibali Dritter ist.“

Ein Extralob hatte Amadio für den 22-jährigen Nerz parat. „Dominik hat heute super Arbeit geleistet und ist eine tolle Tour gefahren“, urteilte der Italiener über den deutschen Tour-Debütanten.

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