Auf letzter Pyrenäenetappe Gelb verteidigt

Froome gestoppt! Toursieg lähmt Wiggins

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Christopher Froome und sein Kapitän Bradley Wiggins (Sky) im Ziel der 17. Tour-Etappe | Foto: ROTH

19.07.2012  |  Peyragudes (dapd) - Bradley Wiggins lächelte gequält, als er in der Höhenluft von Peyragudes auf das große Podium der Tour de France stieg und sich zum elften Mal das Gelbe Trikot abholte. Eigentlich hätte der Bahn-Olympiasieger allen Grund zur Freude gehabt. Die letzte Bergetappe hatte er unbeschadet überstanden, der Weg zum ersten britischen Toursieg in der Geschichte der Frankreich-Rundfahrt ist geebnet. Wiggins steht vor der Krönung seiner Karriere - aber der große Glanz fehlte, da erneut sein Teamkollege Christopher Froome am Berg stärker war.

Auf dem 17. Etappe über 143,5 Kilometer von Bagneres-de-Luchon nach Peyragudes ist das Gelbe Trikot im Schlussanstieg ausgerechnet von seinem Edelhelfer Froome ein wenig vorgeführt worden. Bei der Verfolgung des späteren Etappensiegers Alejandro Valverde (Movistar) war Froome mehrmals seinem Kapitän kurz davon gefahren, ehe er das Tempo wieder raus nahm und Wiggins per Handzeichen zu sich herbei winkte.

Es war ein klares Zeichen an Wiggins, dass Froome der Stärkere in den Bergen ist, die Teamorder im Sky-Rennstall die 99. Tour aber um einen spannenden Zweikampf bringt. "Vincenzo Nibali hatte nicht die besten Beine. Da habe ich zu Brad gesagt: 'Komm, jetzt fahren wir los'", schilderte Froome die Szene. Los fuhr in erster Linie aber nur der Kronprinz, der 2:05 Minuten hinter Wiggins Gesamtzweiter bleibt. Der Mann im "Maillot jaune" hangelte sich dagegen im Schlepptau von Froome die letzten drei Kilometer des Schlussanstiegs hinauf und wurde schließlich Tagesdritter.

Dass Wiggins unmittelbar davor steht, ein Stück Sportgeschichte zu schreiben, war möglicherweise ein Grund dafür, dass er Froomes Tempo nicht folgen konnte. "Als Nibali abgehängt war, dachte ich zum ersten Mal, dass ich jetzt die Tour gewonnen habe", sagte Wiggins und fügte an: "Und dann wurde es richtig hart, denn ich habe die Konzentration verloren. Es schossen mir so viele Dinge durch den Kopf. Es war ein unglaubliches Gefühl."

Auf Froomes Loyalität konnte er sich aber verlassen. Und so dürften die letzten 396 Kilometern bis zum Zielstrich auf den Champs Elysees in Paris zu einer Triumphfahrt für Wiggins werden. Gesamtdritter bleibt Nibali, der 18 Sekunden verlor und nun einen Rückstand von 2:41 Minuten aufweist.

Nibali war beim letzten Pyrenäen-Ritt über fünf Berge, darunter auch der 1.755 Meter hohe Port de Bales (HC), zunächst der einzige Fahrer, der noch einmal einen Angriff auf Wiggins wagte. Doch am letzten Berg ging dem Italiener die Luft aus. "Meine Beine haben ziemlich weh getan. Ich konnte nicht genug Druck ausüben. Ich war nicht in Top-Form. Das ist ein bisschen enttäuschend", sagte der Sizilianer nach dem Rennen.

Der Etappensieg ging unterdessen an Valverde. Der Spanier hatte sich am vorletzten Anstieg aus einer Spitzengruppe gelöst und seinen insgesamt dritten Etappensieg nach 2005 und 2008 im Alleingang herausgefahren. So konnte der Movistar-Profi bei seiner ersten Tour-Teilnahme seit 2008 doch noch ein Ausrufezeichen setzen, nachdem er bei den letzten drei Auflagen der Frankreich-Rundfahrt wegen seiner Verwicklung in den Skandal um den Madrider Dopingarzt Eufemiano Fuentes gefehlt hatte. "Es sind große Emotionen für mich. Das ist ein wichtiger Sieg in meiner Karriere", sagte Valverde.

Der Franzose Thomas Voeckler (Europcar) sammelte unterdessen bei den ersten vier Bergwertungen des Tages weiter Punkte und baute seine Führung in der Bergwertung aus. Damit ist ihm das Gepunktete Trikot nicht mehr zu nehmen, so er denn Paris erreicht.

Am Freitag winkt den Sprintern die vorletzte Chance auf eine Massenankunft. Auf den 222,5 Kilometern von Blagnac nach Brive-la-Gaillarde sind nur noch Berge der dritten und vierten Kategorie zu bewältigen.

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