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25.09.2020 | (rsn) - In den letzten Jahren war er der Mann der 16 Runden im Velodrom. Viermal wurde er seit 2016 Weltmeister über die 4.000 Meter Einerverfolgung auf der Bahn. Zuletzt stellte er in Berlin im Februar einen Fabelweltrekord auf. Gut möglich, dass er bald als erster Fahrer die 4-Minuten-Barriere knackt - eine Marke, die vor nicht allzu langer Zeit noch für ganze Vierermannschaften schwer zu erreichen war.
In Imola krönte sich Ganna nun erstmals zum Zeitfahrweltmeister auf der Straße und bewies, dass er auch über 32 Kilometer überragend ist.
"Ich bin sicher nicht der einzige, den sie zurzeit als besonders bezeichnen. Am Podium neben mir stand Wout Van Aert und aus meiner Sicht ist er auch ein besonderer Fahrer. Solche Gegner zu haben, motiviert mich", grinste der 24-Jährige. Erstmals sorgte 'Pippo', so sein Spitzname, für eine Goldmedaille für Italien im Einzelzeitfahren der Elitemänner seit der Einführung der Spezialdisziplin 1994.
"Auf dem Podium zu stehen und die Italienische Hymne zu hören, war etwas Besonderes für mich. Und auch, dass ich Italiens Erster bin. Überhaupt haben nur wenige Italiener Medaillen in dieser Disziplin geholt", wusste der neue Träger des Regenbogentrikots mit den historischen Fakten seines Erfolges umzugehen. Er selbst durfte sich schon zu diesem kleinen Kreis zählen, nachdem er vor einem Jahr in Yorkshire Bronze gewann. Davor war es Adriano Malori 2015 als Zweiter, der eine Silbermedaille für Italien gewann und 1994 bei der Einführung der Disziplin wurde Andrea Chiurato Vizeweltmeister hinter Chris Boardman.
Zuletzt fuhr er, im Gegensatz zu den anderen beiden Medaillengewinnern, nicht die Tour de France, sondern stand im Aufgebot seines Teams Ineos Grenadiers bei Tirreno-Adriatico. Dort gewann er überlegen mit neuem Streckenrekord das seit sechs Jahren unveränderte Schlusszeitfahren und galt spätestens mit diesem Sieg als Mitfavorit auf die Goldmedaille in Imola. Zur Vorbereitung dafür ging er in das Höhentrainingslager und versuchte sich als Eremit.
"Dort oben gab es kein Internet und damit keine Ablenkung. Das Netz reichte nicht aus, um die Zeit auf Social Media zu verschwenden, gerade einmal ein paar Mails kamen an", erzählte der Italiener von seiner sehr zurückgezogenen Vorbereitung. Der Fokus dort lag rein auf der WM. "Es war eine intensive Woche, vor allem wegen des Wetters, denn es hat fast durchgehend geregnet", schilderte Ganna. Doch das schlechte Wetter war kein Problem für seine Ambitionen.
Nach Trainingslager Anruf bei Nationaltrainer Cassani
"Ich habe jeden Tag das Training durchgezogen, und das verdanke ich meinem Vater. Er ist so überhaupt nicht italienisch und als er Athlet war, haben sie ihn immer als Il Tedesco, den Deutschen, bezeichnet. Er war immer fokussiert, hat hart gearbeitet an sich und auch bei schlechtem Wetter war er immer trainieren", berichtete der neue Weltmeister. Sein Vater Marco war selbst Olympiateilnehmer, saß 1984 im Viererkajak bei den Spielen von Los Angeles.
"Als ich vom Trainingslager zurückkam habe ich Cassani angerufen und ihm mitgeteilt, dass ich gewinnen will. Das Nationalteam hat dann alles gemacht, um mich zu unterstützen", erzählte der 24-Jährige weiter. Selbst das windige Wetter auf dem 31,7 Kilometer langen Rundkurs um die Motorsportstrecke von Imola konnte Ganna nicht beeindrucken: "Ich versuchte mich so gut wie möglich anzupassen und das Pedal so fest es ging zu kurbeln. Wir hatten einen guten Vorsprung bei der Wende und als wir in das Autodrom einfuhren fühlte ich mich wie ein Rennwagen."
Schon bei den Weltmeisterschaften in Berlin im Februar schien der junge Italiener in neue Sphären auf der Bahn vorzustoßen. Nicht wenige attestieren ihm auch auf der Straße eine große Zukunft, oder etwa beim Versuch dem Belgier Victor Campenaerts, der in Imola Achter wurde, den Stundenweltrekord abzuknöpfen. Das nächste große Ziel beginnt für Ganna in schon einer Woche. Denn der 24-Jährige steht im Giro-Aufgebot seiner britischen Mannschaft, die dort mit Geraint Thomas, der im Zeitfahren der WM starker Vierter wurde, um den Gesamtsieg zu kämpfen.
Maglia Rosa im Fokus
Am Samstag der nächsten Woche wartet dort der Auftakt auf Sizilien - mit einem 15,1 Kilometer langen Zeitfahren, wo er erstmals sein Regenbogentrikot präsentieren kann. Dieses will er, wenn möglich, aber schon auf dem Podium wieder eintauschen. Denn mit der aktuellen Form kann Ganna beim Giro-Auftakt in das Maglia Rosa, das Trikot des Spitzenreiters, schlüpfen: "Es gibt nicht viel Zeit zum Feiern jetzt. Denn wir haben beim Giro einiges vor"; kündigte er an.
Für seine eigenen Ambitionen hat Ganna nur das Auftaktzeitfahren dort. "Dort kann ich um Rosa kämpfen, danach gilt meine Unterstützung Geraint für die Gesamtwertung. Deshalb erwarte ich 21 harte Etappen", blickte der Piemontese voraus.
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