Vorschau 114. Il Lombardia

Stürmt Evenepoel auch in der Lombardei der Konkurrenz davon?

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Das Peloton bei Il Lombardia 2019 am Comer See. | Foto: Cor Vos

14.08.2020  |  (rsn) – Im Hochsommer ausgetragen kann das sonst im Herbst stattfindende Monument Il Lombardia seinem Beinamen als "Rennen der fallenden Blätter" diesmal nicht gerecht werden. Die Startliste leidet in diesem Jahr zudem unter der Überschneidung mit dem Critérium du Dauphiné, das zahlreiche Kletterer als Tour-Vorbereitung vorziehen. Dennoch verspricht der lombardische Klassiker, wieder eine spannende Angelegenheit zu werden.

Wie schon bei den letzten großen italienischen Eintagesrennen Strade Bianche und Mailand - Sanremo wird auch bei Il Lombardia das Wetter einen Einfluss haben. Sonst bei kühlen Temperaturen und oftmals bei Regen ausgetragen, stehen aktuell Sonnenschein und Temperaturen von maximal 31 Grad im Wetterbericht. 

"Neben dem schweren Kurs werden die Witterungsbedingungen den Fahrern das Leben noch schwerer machen", sagte etwa Luke Roberts, Sportdirektor bei Sunweb.

Ghisallo-Anstieg läutet das Finale ein

Wegen einer kurzfristigen Streckenänderung ist Il Lombardia in diesem Jahr nur 231 Kilometer lang, Anstiege wurden aber nicht aus dem Programm genommen. Nach dem Start in Bergamo steht nach 54 Kilometern mit dem Colle Galle der erste Anstieg auf dem Programm, zur Rennhälfte folgt der Colle Brianza. Das Finale wird mit dem bis zu 14 Prozent steilen Ghisallo-Anstieg nach 167 Kilometern eingeläutet, direkt danach folgt der Anstieg Colma de Sormano, dessen Kuppe in 1124 Metern Höhe überquert wird und somit höchster Punkt des Rennens ist. Zudem gibt es hier eine kurze Passage von bis zu 25 Prozent Steigung.

Nach einer längeren Abfahrt in einem Flachstück, folgen noch die schweren Anstiege nach Civiglio 17 Kilometer vor dem Ziel und San Fermo della Battaglia sechs Kilometer vor dem Ziel, wo sich letzte Möglichkeiten zur Attacke bieten, ehe es hinab nach Como ins Ziel geht.

Im Vorjahr entpuppte sich auf diesem Kurs der Niederländer Bauke Mollema (Trek - Segafredo) als stärkster Fahrer, der mit Vincenzo Nibali und Giulio Ciccone zwei starke italienische Helfer an seiner Seite weiß. In diesem Jahr könnte ihm aber Überflieger Remco Evenepoel (Deceuninck - Quick-Step), momentan nahezu unschlagbar, diese Rolle streitig machen. Mit dem Portugiesen Joao Almeida verfügt die Mannschaft von Patrick Lefevere sogar noch über einen zweiten starken Trumpf. 

Evenepoel beim Debüt gleich Topfavorit - auch wenn Bramati tiefstapelt

Dennoch stapelt man bei Deceuninck - Quick-Step tief: "Natürlich hoffen wir auf ein gutes Ergebnis, aber man kann nicht sagen, dass wir die Favoriten sind, da viele der Fahrer in unserem Aufgebot zum ersten Mal überhaupt bei einem Monument am Start stehen", erklärte Sportdirektor Davide Bramati. Davon zeigte sich der 20-jährige Evenepoel aber unbeeindruckt: "Ich bin in Topform, habe noch nie ein Rennen so gut vorbereitet wie dieses. Und der Kurs ist mir auf den Leib geschneidert", erklärte der selbstbewusste Jungstar aus Belgien nach der Streckenbesichtigung.

Eine gefährliche Doppelspitze schickt EF Pro Cycling mit Alberto Bettiol und Michael Woods ins Rennen. Spätestens mit seinem Sieg bei Gran Piemonte am Mittwoch, das als Generalprobe für Il Lombardia diente, muss man auch den Neuseeländer George Bennett zu den Favoriten zählen. Dessen Team Jumbo - Visma eilt im Moment von Sieg zu Sieg, so dass ein weiterer Erfolg am Samstag keine große Überraschung wäre.

Schachmann aus deutscher Sicht mit den besten Karten

Außerdem zählen Jakob Fuglsang, Aleksandr Vlasov (beide Astana), Mathieu van der Poel (Alpecin - Fenix), Maximilian Schachmann (Bora - hansgrohe) und Richard Carapez (Ineos) - sofern von seinem Polen-Sturz wieder erholt - zu den Favoriten.  

Die italienischen Hoffnungen ruhen neben den Mollema-Teamkollegen auf Fabio Aru und Diego Ulissi (beide UAE Team Emirates). "Die Strecke am Samstag könnte Aru vielleicht noch mehr liegen als mir", verteilte der Gran Piemonte-Zweite Ulissi schon einmal die Kapitänsrolle im Team.

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