Besuch beim deutschen Pistenexpress

Bahnvierer will mit Rekordtempo zurück in die Weltspitze

Von Manfred Hönel

Foto zu dem Text "Bahnvierer will mit Rekordtempo zurück in die Weltspitze"
Der deutsche Bahn-Vierer in Glasgow. | Foto: Cor Vos

13.02.2020  |  Die Bahn-WM in Berlin (26.2. - 1.3.) und die Olympischen Spiele in Tokio (24.7. - 9.8.) gehören in diesem Jahr zu den Highlights im Radsportkalender. Der deutsche Bahnvierer rechnet sich bei beiden Wettbewerben Chancen aus, wieder an frühere Erfolge anknüpfen zu können. radsport-news.com traf das aus fünf Fahrern  bestehende Quartett (ein Ersatzfahrer) beim BDR-Medientag in Frankfurt/Oder:

Über die Oder bläst ein scharfer Wind. Gut eingepackt in die Rennkleidung mit dem Outfit der deutschen Nationalmannschaft ziehen fünf Radhelden in Richtung Oderbruch bis Lebus und von dort zurück nach Frankfurt/Oder. "Straßentraining gehört auch zu unserer WM-Vorbereitung", erfahren wir von Bahnfahrer Leon Rohde.

Am Nachmittag treffen wir Rohde und seine Teamgefährten Domenik Weinstein (25), Nils Schomber (25), Felix Groß (21) und Theo Reinhardt (29) in der Oderland-Halle bei angenehmen 27 Grad. "Das ist die ideale Temperatur für die 4000-m- Mannschaftverfolgung auf der Bahn", lässt uns Bundestrainer Sven Meyer (34) wissen. Die Frankfurter Arena mit ihrer super gepflegten, schnellen Piste gilt als die Montage-Halle des deutschen Bahnradsports. Hier wurde in den vergangenen acht Jahren fleißig geschuftet.

Nach der Traumfahrt des deutschen Olympia-Vierers (Bartko/Becke/Fults/Lehmann) 2000 in Sydney zu Olmpiagold mit der damaligen Weltrekordzeit von 3:59,71 Minuten, war es bergab gegangen. Der deutsche Bahnradvierer drehte immer langsamere Runden. Nach Platz vier 2004 in Athen war Schluss. In London und Peking fehlten die Deutschen in der vielleicht deutschesten aller Bahnrad-Disziplinen ganz. Eine Schmach für die viermaligen Olympiasieger und vielfachen Weltmeister.

"2012 haben wir dann einen Schnitt gemacht und kontinuierlich einen Vierer aufgebaut", berichtet Sven Meyer. Mit schweißtreibendem Training, wissenschaftlichen und technischen Tüfteleien durch den Thüringer Dr. Peter Müller und die Berliner Technik-Freaks vom FES rast der Deutschland-Express jetzt wieder mit Weltklasseformat um die Bahn. Seit Dezember steht der deutsche Rekord bei 3:51,16 Minuten. Zum Weltrekord der Australier von 3:48,01 fehlt zwar noch ein Stück. "Aber davon lassen wir uns nicht schrecken. Bei der WM in zwei Wochen wollen wir eine Zeit von mindesten 3:50,00 auf die Bretter legen. Die Zeit wird wahrscheinlich für eine Olympiaqualifikation ohnehin notwendig sein", nimmt Meyer an.

Die Athleten dachten sich gemeinsam mit dem Trainer und Dr. Müller ein Formations-System aus, bei der jeder Fahrer nur zwei Runden führen soll. Leon Rohde muss als Anfahrer den Zug in Schwung bringen, Felix Groß übernimmt und zieht weiter das Tempo hoch, das Weinstein und Reinhardt dann nach Hause bringen. "Felix Groß wird immer besser, deshalb kann es auch sein, dass Groß anfährt und Nils Schober dann als Nummer zwei antritt", sagt Trainer Meyer.

Vieles ist möglich. "Eine WM-Medaille wäre schön. Als ganz großes Ziel jagen wir in Berlin nicht nur eine gute Zeit und eine Medaille, sondern in erster Linie auch die Tickets nach Tokio zu den Olympischen Spielen", erklärt Theo Reinhardt, der zudem noch eine zweite Chance hat: Der Berliner startet als WM-Titelverteidiger gemeinsam mit Roger Kluge in Berlin im Madison.

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