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24.12.2012 | (rsn) - Lange Zeit sah es nach einem Seuchenjahr für Tony Martin (Omega Pharma Quickstep) aus. Bereits im ersten Rennen der Saison auf Mallorca war der Zeitfahr-Weltmeister gestürzt - ein symptomatisches Bild für die ersten Wochen und Monate.
Dass Martin dennoch ein positives Saisonfazit ziehen konnte lag an einem goldenen Herbst. Bei der WM in Valkenburg konnte Martin nach einem Kraftakt sein Regenbogentrikot verteidigen und seinen größten Erfolg im Jahr 2012 einfahren. "Ich bin überglücklich, der Titel bedeutet mir nach dieser Saison so unglaublich viel. Manchmal müssen eben fünf Sekunden reichen, um Weltmeister zu werden. Das war die beste Woche meiner Karriere", sagte der überglückliche Martin.
Im Anschluss lief es wie am Schnürchen. Bei der Peking-Rundfahrt gewann der Omega-Profi die zweite Etappe nach einer fulminanten Attacke im Finale und konnte die damit errungene Gesamtführung bis zum Ende verteidigen. Auch beim Saisonabschluss war der 27-Jährige erfolgreich und entschied den Zeitfahrwettbewerb Chrono des Nations (Kat. 1.1) für sich.
Vor den Erfolgs-Wochen lagen jedoch jede Menge Höhen und Tiefen. Nach dem bereits angesprochenen Sturz auf Mallorca musste Martin bei der Algarve-Rundfahrt die erste sportliche Niederlage der noch jungen Saison verkraften. Im Zeitfahrwettbewerb musste er sich um 73 Hundertstel dem Briten Bradley Wiggins (Sky) geschlagen geben. "Ärgerlich ist es, weil fünf Kilometer vor dem Ziel ein Hund auf die Straße lief, der mich etwas aus dem Rhythmus brachte“, erklärte Martin, fügte aber an: „Als Ausrede soll das freilich nicht dienen. Mit Platz zwei auf der Etappe und in der Gesamtwertung muss ich zufrieden sein.“
Anschließend ging es zu Paris-Nizza wo Martin seinen Vorjahressieg wiederholen wollte. Allerdings sprang am Ende für den grippegeschwächten Titelverteidiger nur Rang 62 heraus. "Ich mache mir keine Sorgen und erst Recht keinen Stress“, beruhigte Martin. „Wer weiß, ob noch ein Infekt in mir gesteckt hat und ich deshalb nicht mobilisieren konnte, wie ich es gewohnt bin."Wesentlich besser lief es bei der Baskenland-Rundfahrt, die Martin auf Platz fünf beendete. Den ersten Saisonsieg hatte er aber als Dritter im Zeitfahren erneut verpasst. Dies lag möglicherweise auch daran, dass Martin beim Warmfahren gestürzt und somit etwas verunsichert ins Rennen gegangen war.
Deutlich schlimmer war allerdings der Sturz drei Tage später. Martin kollidierte im Training mit einem Auto und zog sich dabei einen Jochbein- und Kieferbruch zu. "Was ich weiß ist, dass ich etwa 35 bis 40 km/h auf einem leicht abschüssigen Radweg drauf hatte, als wahrscheinlich eine Frau mit ihrem Auto den Weg gekreuzt hat. Dann gingen die Lichter aus", berichtete Martin, der etwa 15 Minuten bewusstlos war.
Ein überraschend starkes Comeback feierte Martin am 1. Mai bei Eschborn-Frankfurt, wo er das Rennen prägte und am Ende Platz vier belegte. Noch besser lief es Ende des Monats bei der Belgien-Rundfahrt. Dort feierte Martin auf der 4. Etappe im Zeitfahren seinen ersten Saisonsieg, übernahm die Gesamtführung und holte sich letztlich auch den Rundfahrtsieg."Dieser Erfolg hat nicht nur wegen meinem schweren Sturz einen besonderen Stellenwert. Ich liege zudem voll im Plan für Olympia. Der Sieg gibt mir viel Motivation für die weitere Vorbereitung", erklärte Martin nach der Rundfahrt.
Die weitere Vorbereitung auf die Höhepunkte Tour de France und Olympia lief für den Ex-Highroad-Profi vielversprechend. Bei der Dauphiné belegte er im Zeitfahren Rang zwei, bei der Zeitfahr-DM in Zwenkau holte sich Martin souverän den Sieg.
Bei der Frankreich-Rundfahrt folgten allerdings die nächsten mächtigen Rückschläge. Im Prolog verpasste Martin aufgrund eines Defekts das Gelbe Trikot. Schmerzhafter war jedoch der Sturz am Folgetrag, bei dem sich Martin einen Kahnbeinbruch zu. Immer wieder wanderte die Frage durch seinen Kopf, womit er dieses große Pech verdient habe. "Man hat sehr viele negative Gedanken. Hinterfragt viele Sachen. Ich muss mich durch dieses Jahr einfach durchbeißen", sagte Martin, der trotz der Schmerzen bis zur 10. Etappe im Rennen blieb.
Immer noch nicht ganz gesundet, ging Martin bei den Olympischen Spielen an den Start und feierte dort mit Platz zwei im Zeitfahren immerhin einen Sieg des Willens. "Die Medaille um den Hals hängen zu haben, ist ein tolles Gefühl. Zwar strebt man immer nach dem Sieg, doch nach meiner Vorgeschichte, ist Silber für mich wie ein Sieg zu werten", sagte Martin, für den der gefühlte Sieg der Auftakt zum goldenen Herbst darstellte.
So viel Pech wie in der abgelaufenen Saison wird Martin 2013 sicher nicht haben. Auch deshalb werden mehr wie die sieben Saisonsiege möglich sein. Hoch im Kurs steht wieder die Tour de France und das WM-Zeitfahren. Aber auch die Rundfahrten wie Paris-Nizza hat Martin auf seinem Zettel.
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