Lü-Ba-Lü: die letzten zehn Jahre

Gilbert machte Ardennen-Triple perfekt, Jungels Solosieger

Von Christoph Adamietz

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Bob Jungels (Quick-Step Floors) gewann 2018 Lüttich - Bastogne - Lüttich. | Foto: Cor Vos

24.04.2020  |  (rsn) – Lüttich-Bastogne-Lüttich bildet traditionell den krönenden Abschluss der sogenannten Ardennenwoche. La Doyenne, das älteste noch ausgetragene Eintagesrennen der Welt, ist mit seinen kurzen, aber teils extrem schweren Anstiegen der schwerste der drei Ardennenklassiker und bot den Fans in den vergangenen Jahren stets viel Spannung und Spektakel.

96. Lüttich – Bastogne – Lüttich 2010: Alexander Winokurow
Die Ausgabe des Jahres 2010 war mit Sicherheit die am meisten diskutierte in jüngster Vergangenheit. Damals setzte sich der Kasache Alexander Winokourow (Astana) mit sechs Sekunden Vorsprung vor dem Russen Alexander Kolobnev (Katusha). Allerdings steht hinter dem Ergebnis noch immer ein dickes Fragezeichen, auch wenn Winokurow von einem Gericht vom Vorwurf freigesprochen worden ist, sich den Sieg von Kolobnev erkautt zu haben.

Da passte es, dass Alejandro Valverde (Movistar), der mit 1:04 Minuten Rückstand als Dritter den Zielstrich überquert hatte, im Zuge seiner Dopingsperre das Ergebnis aberkannt wurde. Für den Spanier rückte Philippe Gilbert (Omega Pharma Lotto) auf das Podium nach.

Winokurow und Kolobnev hatten die letzten Kilometer als Spitzenduo in Angriff genommen. Im letzten Anstieg hinauf zum Ziel in Ans schüttelte der Kasache aber seinen Kontrahenten locker und leicht ab und feierte nach knapp 260 Kilometern seinen ersten großen Sieg nach seiner abgelaufenen Dopingsperre sowie seinen zweiten Lüttich-Erfolg nach 2005.

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97. Lüttich – Bastogne – Lüttich 2011: Philippe Gilbert 
Am Ende einer bis zum Schluss packenden 97. Ausgabe setzte sich Philippe Gilbert (Omega Pharma Lotto) im Sprint gegen das luxemburgische Brüderpaar Fränk und Andy Schleck durch, die damals beide für Leopard Trek fuhren. Fränk Schleck hatte das Finale mit seiner Attacke an der Roche aux Faucons gestartet. Gut 20 Kilometer vor dem Ziel konnten ihm nur Gilbert und Bruder Andy folgen. Auf den letzten Kilometern versuchten die Schlecks ihre numerische Überlegenheit auszuspielen, doch gelang es ihnen, nicht den Belgier abzuschütteln. Im Gegenteil: Gilbert hätte die Schleck-Brüder seinerseits fast mit einer Attacke abgehängt. Letztlich kam es zum Dreiersprint, in dem Gilbert der Stärkste war und sich somit das Ardennen-Triple 2011 sicherte, nachdem er zuvor schon das Amstel Gold Race und den Fleche Wallonne gewonnen hatte.

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98. Lüttich – Bastogne – Lüttich 2012: Maxim Iglinskiy 
Die wohl größte Überraschung der vergangenen Jahre war der Sieg von Maxim Iglinskiy (Astana). Der Kasache ließ 2012 als Solist mit 21 Sekunden Vorsprung Vincenzo Nibali (Liquigas Cannondale) hinter sich. Mit 36 Sekunden Rückstand folgte sein italienischer Teamkollege Gasparotto.

Dabei hatte es lange Zeit nach einem Sieg von Nibali ausgesehen, der das Rennen bis zur 1000-Meter-Marke anführte, dann aber noch von Iglinskiy ein- und überholt wurde. Zuvor hatte der Italiener zwischen der Côte de la Roche-aux-Faucons und der der Côte de Saint Nicolas rund 15 Kilometer vor dem Ziel attackiert und sich einen kleinen Vorsprung herausgefahren, der am Ende gegen den groß auftrumpfenden Iglinskiy allerdings nicht reichen sollte.

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99. Lüttich – Bastogne – Lüttich 2013: Daniel Martin 
2013 war es der Ire Dan Martin (Garmin - Sharp), der zum Ardennenfinale jubeln konnte. Mit drei Sekunden Vorsprung setzte sich der damals 26-Jährige auf den Spanier Joaquim Rodriguez (Katusha) durch, weitere sechs Sekunden dahinter folgte dessen Landsmann Alejandro Valverde (Movistar) auf Rang drei. In der Schlusssteigung hinauf nach Ans hatte Rodriguez aus der Favoritengruppe heraus angegriffen, Martin allerdings nicht abschütteln können. Der hatte schließlich die meisten Kraftreserven krönte im Sprintduell die perfekte Vorarbeit seiner Teamkollegen.

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100. Lüttich – Bastogne – Lüttich 2014: Simon Gerrans 
Im Jahr darauf hatte Martin bis in die letzte Kurve des Ardennenklassikers hinein beste Chancen auf die Titelverteidigung. Doch dann rutschte der an zweiter Position hinter dem Italiener Damiano Caruso fahrende Martin weg und büßte so alle Chancen auf einen neuerlichen Coup ein. Stattdessen jubelte der Australier Simon Gerrans (Orica - GreenEdge), der sich vor Alejandro Valverde (Movistar) und Michal Kwiatkowski (Omega Pharma Quick-Step) durchsetzte und somit sein zweites Monument nach Mailand-Sanremo 2012 gewann. Zudem trug er sich als erster Australier in die Siegesliste von La Doynne ein.

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101. Lüttich – Bastogne – Lüttich 2015: Alejandro Valverde 
Sieben Jahre lang musste Alejandro Valverde (Movistar) auf seinen dritten Sieg in Ans warten. Nach mehreren erfolglosen Versuchen war es schließlich 2015 soweit. Im Sprint einer gleich zehn Fahrer starken Spitzengruppe verwies der Spanier vor den jungen Franzosen Julian Alaphilippe (Etixx – Quick-Step) und seinen Landsmann Joaquim Rodriguez (Katusha) auf die Plätze.

Im letzten Anstieg des Tages hinauf nach Ans war zunächst Rodriguez` Edelhelfer Daniel Moreno davon gezogen, doch Valverde führte die Favoritengruppe wieder an den Ausreißer heran und hatte im abschließenden Sprint keine Probleme, sich einen Tag nach seinem 35. Geburtstag den Sieg zu sichern, nachdem er vier Tage zuvor bereits beim Fleche Wallonne erfolgreich gewesen war.

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102. Lüttich – Bastogne – Lüttich 2016: Wout Poels 
Für Wout Poels war der Sieg bei der 102. Doyenne aus mehreren Gründen denkwürdig. Der Niederländer holte nicht nur sich und seinem Team Sky den ersten Sieg bei einem Radsport-Monument. Auch die winterlichen Wetterbedingungen trugen mit dazu bei, dass sein Coup in Erinnerung bleibt. Nach 248 Kilometern verwies Poels bei Regen und Schnee im Sprint einer vier Fahrer starken Spitzengruppe den Schweizer Michael Albasini (Orica GreenEdge) und den Portugiesen Rui Costa (Lampre – Merida) auf die Plätze.

Die Vorentscheidung fiel in der neu ins Programm genommenen Côte de la Rue Naniot drei Kilometer vor dem Ziel. Im nur 600 Meter langen, aber 10,5 Prozent steilen Kopfsteinpflaster-Anstieg attackierte der 35-jährige Albasini und initiierte dadurch die Spitzengruppe, die schließlich in Ans den Sieg unter sich ausmachte.

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103. Lüttich – Bastogne – Lüttich 2017: Alejandro Valverde 
2017 gelang Alejandro Valverde (Movistar) sein bereits vierter Sieg beim Ardennenklassiker. Der Spanier setzte sich gegen den 2013 siegreichen Dan Martin (Quick-Step Floors) souverän im Zweiersprint durch. Mit drei Sekunden Rückstand komplettierte der Pole Michal Kwiatkowski (Sky) das Podium. Der Vorjahreszweite Michael Albasini (Orica-Scott) wurde diesmal Siebter. Seinen Sieg widmete Valverde dem am Vortag im Training tödlich verunglückten Michele Scarponi.

Die Entscheidung fiel wie so oft in der Schlusssteigung hinauf nach Ans. Dort war Martin am führenden Davide Formolo (Cannondale Drapac) vorbeigezogen, doch Valverde setzte nach, fuhr zum Iren vor und besiegte diesen souverän im Sprint.

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104. Lüttich – Bastogne – Lüttich 2018: Bob Jungels 
Mit einem beeindruckenden Solo fuhr Bob Jungels (Deceuninck – Quick-Step) den größten Erfolg seiner bisherigen Karriere heraus. Der Luxemburger hatte  deutliche 37 Sekunden Vorsprung auf den Kanadier Michael Woods (EF Education First) und den Franzosen Romain Bardet (Groupama – FDJ).

Jungels hatte gut 20 Kilometer vor dem Ziel an der Cote de la Roche-aux-Faucons all seine Rivalen ins Hintertreffen gebracht. Dasich die Verfolger nicht enig waren und Jungels einen perfekten Tag erwischt hatte, konnte er zum Abschluss der Klassikersaison einen ungefährdeten Sieg bejubeln.

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105. Lüttich – Bastogne – Lüttich 2019: Jakob Fuglsang 
Einen souveränen Soloerfolg fuhr auch Jakob Fuglsang (Astana) ein. Der Däne kam nach 256 schweren Kilometern 27 Sekunden vor dem Italiener Davide Formolo (Bora – hansgrohe) ins neue Ziel im Stadtzentrum von Lüttich. Mit 57 Sekunden Rückstand sicherte sich Formollos deutscher Teamkollege Maximilian Schachmann im Sprint der Verfolger den dritten Platz.

Fuglsang hatte im veränderten Finale bei Regen und Kälte 15 Kilometer vor dem Ziel an der Cote de la Roche aux Faucons alle Kontrahenten abgeschüttelt und seinen Vorsprung kontinuierlich ausgebaut. Dabei hätte er sich fast noch selbst geschlagen. Doch der Routinier behauptete sich artistisch auf dem Rad, als ihm 4,5 Kilometer vor dem Ziel in einer Kurve das Hinterrad wegrutschte. So konnte Fuglsang seinen ersten Sieg bei einem Radsport-Monument feiern.

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