Der große rsn-Gravelbike-Test - Teil 3, Rad 7

Rondo Ruut CF2: Variabler Rockstar

Von Wolfgang Preß

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29.08.2019  |  Bikes haben Szymon Kobylinksi sein Leben lang begleitet: Von der Kindheit in London über das Ingenieur-Studium in Danzig bis zum Tour-Leben als Gitarrist der polnischen Chart-Rocker Blenders. "Während die anderen ihren Hangover im Tour-Bus ausschliefen, bin ich mit dem Rad hinterhergerast, um für das nächste Downhill-Rennen fit zu sein", erzählte 'Cowboylinski' dem Bike-Magazin pinkBike: "Gefeiert habe ich natürlich trotzdem."

Vor 15 Jahren gründete Szymon die Mountainbike-Marke "NS"
(für Northshore), und 2015 dann Rondo, die sich auf Gravelbikes und Rennräder verlegten. Für das "Ruut" gab's 2017 den "Eurobike Award". Radsport-News hat das das knapp 3000 Euro teure Rondo Ruut CF2 mit Carbon-Rahmen, Rondo-Alu-Laufrädern und Sram-Rival-Komponenten gefahren.

Die Besonderheit des "Ruut"-Rahmen-Sets ist die variable Geometrie, ganz nach dem Rondo-Motto „Go fast or go long“. Eine "Twintip"-Gabel mit zwei Achs-Positionen ändert den Charakter des Bikes: In der oberen Einstellung agil und sportlich, oder die aufrechtere, laufruhigere Endurance-Geometrie in der unteren Position.

Der Unterschied ist deutlich spürbar:
In der unteren Position ist der Lenkwinkel 0,5 Grad steiler, die Front zehn Millimeter tiefer, und der Gabelnachlauf 13 mm kürzer. Allerdings: Das Wechseln der Achs-Positionen ist nicht ganz unkompliziert, und eher nicht auf die Schnelle und unterwegs erledigt. So bleibt man wohl überwiegend im bevorzugten Setting, etwa der aufrechteren Position für Touren, und wechselt nur dann, wenn beispielsweise ein Gravel-Rennen ansteht.

Ich war vor allem in der bequemeren Endurance-Position unterwegs (der Rücken hat's gedankt;-), die aber durchaus ein direktes Handling zeigte. Insgesamt ist der Rahmen eher steif - was wohl vor allem auf das großvolumige Tretlager zurückzuführen ist. Der stylische Knick im Oberrohr, der eigentlich Sattelrohr und Sattelstütze das Flexen ermöglichen soll, bringt dagegen kaum zusätzlichen Komfort. Immerhin wird alle Tret-Energie so ohne große Verluste in Vortrieb umgewandelt.

Etwas ausgebremst wird man jedoch
von den recht schweren Alu-Laufrädern aus hauseigener Produktion. Da helfen auch die schicken, gebläuten Naben wenig, die (wie die Vorbau-Klemme auch) in Regenbogenfarben schimmern. Klar, um die 3000-Euro-Grenze nicht zu reißen, ist die schwerere Ausstattung wohl nicht zu vermeiden. Aber neun Kilogramm Gesamtgewicht sind für ein Gravelbike eher schwer. Und gerade die Laufräder wirken sich besonders stark auf Beschleunigung und Geschwindigkeit aus - sicher die erste Tuning-Option für das Ruut.

Wirklich prima dagegen die Reifen: Der Panaracer GravelKing SK, hier in 40 mm Breite montiert, gehört zu den besten Schotter-Reifen am Markt. Er läuft prima auf Asphalt, vor allem, wenn er mit höherem Luftdruck gefahren wird. Auf auch groberem Schotter und (leichteren) Trails hat der GravelKing gleichzeitig einen Top-Grip, mit bester Traktion, dank gutem Schulter-Profil auch in den Kurven. Wer ins schwerere Gelände will, kann Reifen mit einer Breite von bis zu 2,1 Zoll aufziehen.

Die hydraulischen Sram-Rival-Bremsen mit 160-mm-Scheiben vorne und hinten verzögern zuverlässig, der Rival-1×11-Antrieb mit 10-42-Kassette geht gelegentlich etwas unwillig an die Arbeit, verglichen mit dem "großen Bruder" Force. Die Komponenten sind bei diesem Preis jedoch völlig ok...

rsn-Bewertung: Das "Ruut" als den Rockstar unter den Gravelbikes zu bezeichnen, geht sicher nicht zu weit - nicht nur wegen der Vergangenheit des Firmen-Chefs, sondern auch wegen des coolen, preisgekrönten Rahmen-Designs und den Farb-Akzenten. Die variable Geometrie wird man in der Praxis wohl eher weniger nutzen - außer man fährt tatsächlich auch mal Rennen, dann ist die "Hi"-Position richtig. Insgesamt ein schickes Bike mit prima Handling, und für diesen Preis guter Ausstattung.

Die Details
Rahmen: Ruut Flex Design EPS Carbon
Gabel: Rondo TwinTip Carbon, 1.5 - 1.125
Innenlager: PressFit 30
Kurbelsatz: Sram Rival 1 GPX, 40 Z.
Kette: Sram PC1130
Kassette: Sram XG 1150, 11-fach, 10 - 42 Z.
Schaltwerk: Sram Rival 1 Type 2.1
Schalthebel: Sram Rival 1
Bremsen: Sram Rival, hydraulisch, 160/ 160 mm
Vorbau: Rondo,S 90 mm, M, L, XL 100 mm
Lenker: Rondo Flare, 440 mm
Griffe: Velo Comfort Tape
Felgen: Rondo Aluminium 622-21
Naben: Rondo Superlight
Reifen: Panaracer Gravel King SK 700C x 40 mm
Sattelstütze: Easton EA50 27,2 x 350 mm
Sattel: Fabric Scoop Flat Cr-Mo
Gewicht: 8,97 kg (Gr. M)
Preis: 2999 Euro
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Weitere Informationen

Rondo Bikes
Potokowa 20 D
80-283 Gda?sk,
Polen

E-Mail: info@rondo.cc
Internet: rondo.cc

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