Beim Race across America "voll angeschlagen"

Strasser: fünfeinhalb Stunden Schlaf in einer Woche

Von Martin Roseneder

Foto zu dem Text "Strasser: fünfeinhalb Stunden Schlaf in einer Woche"
Erschöpft: Christoph Strasser | Foto: Karelly | lupispuma.com

17.06.2014  |  Wer in einer Nacht nur fünfeinhalb Stunden schläft, der braucht am nächsten Tag zumindest ein Nickerchen am Nachmittag. Christoph Strasser sitzt beim Race Across America seit einer Woche auf dem Rad und hat bisher genau diese fünfeinhalb Stunden geschlafen. Auf dem schweren letzten Abschnitt durch die Appalachen warten noch 560 Kilometer auf den tapfer kämpfenden Steirer! Motivieren könnte ihn dabei die Information, dass er heute die 10.000 Fans-Marke auf Facebook geknackt hat.

Schon seit Tagen lautet das Duell beim RAAM 2014: Strasser gegen sich selbst! Über 4.200 Kilometer hat der 31-Jährige bereits absolviert, rund 560 warten noch auf ihn bis ins Ziel an der Ostküste der Vereinigten Staaten. Die Durchschnittsgeschwindigkeit hat er mittlerweile auf unglaubliche 32,99 km/h hinaufgeschraubt!

Neben den "üblichen" RAAM-Problemen (Knieschmerzen, Achillessehne links, die Stimme streikt) stellt natürlich der Schlafentzug die größten Probleme dar. "Natürlich ist er voll angeschlagen, aber er redet klar. Ab dem siebten Tag kann es schon passieren, dass die Wirklichkeit verzerrt erscheint. Er hat das schon öfters erlebt und kann ganz gut damit umgehen. Er weiß, dass mit der Wahrnehmung etwas nicht passt. Kritisch ist meist die Phase nach dem Aufstehen, da der Puls noch ganz unten ist, ebenso der Blutdruck. Aber das legt sich meist nach ein paar Minuten", erklärte sein Teamchef, der Arzt Dr. Rainer Hochgatterer.

Natürlich ist die Folge von Schlafentzug Müdigkeit, vor allem aber Unkonzentriertheit. "Da müssen ganz einfache Dinge oft mehrmals erklärt werden. In solchen Phasen ist der Rückhalt durch sein Team wichtig. Auf der anderen Seite gibt es auch Zeiten, wo er geistig voll fit ist, da löst Chris zum Beispiel Rechenaufgaben mit Bravour“, meinte Hochgatterer. Übrigens, der Weltrekord im permanenten Wach bleiben liegt bei ca. 260 Stunden - das aber in absoluter Ruhe.

Derzeit durchlebt Strasser eine Mischung aus Euphorie, dass es bald vorbei ist, und Verzweiflung, dass es noch so weit ist. Die Strasser-Crew befährt in Ohio gerade auf Highways am Pannenstreifen, mit vielen Trucks und Tierkadavern am Straßenrand.

Das Thema Rekorde spielt eine immer wichtigere Rolle und ist natürlich auch ein Motivationsfaktor für Christoph. "Aber Fakt ist, die Strecke ist heuer um 50 Meilen länger und wir wissen nicht, ob wir seinen Vorjahresrekord von 7 Tagen 22 Stunden und 11 Minuten unterbieten können. Einige, wie die schnellste Anfangszeit, hat er schon. Er hätte es drauf, auch noch andere zu brechen, wie die höchste Durchschnittsgeschwindigkeit oder unter acht Tagen zu bleiben. Aber Prognosen können wir noch gar keine abgeben", so Hochgatterer. Jetzt kommen erst die letzten hohen Pässe der Appalachen.

Was viele vielleicht noch nicht gewusst haben ist, dass Strasser seine außergewöhnliche sportliche Leistung auch einem guten Zweck widmet. Er ist Botschafter der Lyoness Child & Family Foundation und setzt sich gemeinsam mit der Stiftung für Bildungsprojekte weltweit ein. Strasser möchte das Bewusstsein dafür schaffen, wie wichtig der Zugang zu Bildung ist und welchen Stellenwert eine gute Ausbildung und das hartnäckige Verfolgen von Zielen im Leben hat.

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