Von Kairo bis Kapstadt - das längste Radrennen der Welt

06.05.2003  |  Nicht Paris - Dakkar, sondern Kairo - Kapstadt. Das längste Radrennen der Welt ist am 18. Januar 2003 in der Nähe von Kairo, an der Großen Pyramide in Gizeh (Ägypten) gestartet und hat seitdem die ersten Etappen bravourös gemeistert. Mit einer Länge von 10,500 km ist die erste „Tour D'Afrique" mit Sicherheit das härteste und längste Radrennen der Welt. Diese gigantische Distanz wollen alle Teilnehmer in 100 Tagen durch Wüste, Bergregionen, asphaltierte wie unbefestigte Straßen schaffen. Am 18. Mai sollen die Teilnehmer - wahrscheinlich ziemlich geschafft, aber glücklich, nach der Nord-Süd-Durchquerung des gesamten afrikanischen Kontinents das Ziel Kapstadt erreichen. Nachfolgend gibt es einige Statements und Erlebnisberichte der Organisatoren und Teilnehmer.

„Die Schotterstraße war endlich zu Ende. Am Anfang hatten wir alle gedacht, dass die Tour einfacher wird, wenn wir erst in Kenia sind. Falsch, die Straße von Movale nach Isiolo war die reinste Katastrophe. Ungepflastert, mit riesigen Löchern, heiß wie in der Hölle und keine Bäume, unter denen man Schatten finden konnte. Etwas erholt haben wir uns an unserem Ruhetag, beim Camping im Marsabit National Park an der Abdul Gate."
Michael de Jong, Co-Direktor der Tour D'Afrique

Keiner konnte ahnen, was ihn auf der ersten Tour D'Afrique von Kairo nach Kapstadt erwartet. Aus dem einfachen Grund, weil noch niemand ein so langes Rennen durch Afrika gefahren ist. Geplant sind 100 Tage, an denen alle 5 bis 6 Tage ein Ruhetag eingelegt wird. Der ist auch bitter nötig. Die Tour ist Ende März voll im Gang und an dem Streckenmittelpunkt, Arusha in Tansania. Mehr als 5000 km der Gesamtstrecke von 10.500 km sind schon geschafft.

Es ist ein Radrennen der Superlative. Man kann die Fahrer der Tour in drei Gruppen einteilen. Die erste ist eine sehr kleine, fest entschlossene Gruppe von Fahrern, die bis jetzt nicht einen einzigen Tag der Tour verpasst haben. Sie wollen das Rennen mit der schnellsten Zeit gewinnen um damit ins Guinessbuch der Rekorde zu kommen, als die schnellsten Menschen, die je auf dem Rad durch Afrika gefahren sind. Diese Fahrer haben Ehrgeiz und Energie ohne Ende. Sie versammeln sich jeden Tag beim Frühstück, spionieren unbemerkt die Kondition und den psychischen Zustand der Konkurrenten aus und stärken sich, während sie die nächste Tagesetappe besprechen.

„Ein Sprichwort lautet: „Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt." Unser Abenteuer begann mit dem ersten Tritt in die Pedale in Kairo und endet vier Monate später in Kapstadt. Wie das Rennen im einzelnen ist, kann man leicht beschreiben. Wenn man 20 mal Paris-Roubaix, den härtesten eintägigen Klassiker, und dazu noch die drei großen Radrennen in Frankreich, Spanien und Italien fährt, weiß man ungefähr wie hart diese vier Monate physisch und psychisch wirklich sind."
David Genders, UK, zweitplaziert zur Halbzeit der Tour

In der zweiten Gruppe sind die mittelstarken Fahrer. Frauen und Männer im Alter von 21 bis 63 Jahren. Sie kämpfen auf einem anderen Niveau als die erste Gruppe. Ihr persönliches Ziel ist es, diese Wahnsinnsstrecke zu schaffen, einfach nur durchzukommen. Zeit ist egal. Vom Studenten Pete (UK), dem Jüngsten, bis zum Anwalt Chuck aus Tucson, Arizona, dem Ältesten, haben alle eines gemeinsam: den Ehrgeiz dabei zu sein von Anfang bis Ende und die unglaublich vielen, intensiven Eindrücke der Tour in sich aufzunehmen.

„Ich habe meine Frau während der Tour angerufen. Sie hat mich gefragt, ob ich möchte, dass sie mich irgendwo auf der Tour besucht. Ich sagte ausdrücklich: „Nein! Meine Liebe, keiner der nur für ein paar Tage die Tour besucht, kann auch nur ansatzweise beurteilen, wie schwierig die Straßen und die Bedingungen beim Camping sind und wie hoch die physische und psychische Belastung ist, die Körper und Geist für vier Monate aushalten müssen."
Robert Ball, Kanada, 11 mal den Ironman beendet

Nachdem wir vom äthiopischen Hochland zur Schlucht am blauen Nil runtergefahren sind, ging es heiße und schweißtreibende 20 km bergauf auf ungepflasterten, steinigen Wegen, umgeben von einer atemberaubenden Szenerie, die die Fahrer auf 1500 m über dem Meeresspiegel brachte. Nachdem wir seit zehn Tagen ohne Dusche durch die sudanische Wüste gefahren sind, nutzten wir die einmalige Gelegenheit, um ins erfrischende Wasser des Nils zu springen. Wir konnten auch nie richtig schlafen in unseren Camps in der ägyptischen Wüste, weil der Sicherheitsdienst bei der Nachtwache dauernd aus voller Kehle „Tam'am" - alles in Ordnung - gerufen hat, und die Wache, die ein paar Meter von unserem Zelt weg saß, ebenso laut geantwortet hat. Das nur, um sich gegenseitig wach zu halten und um bei einem eventuellen Unglück gewappnet zu sein. Normalerweise aber ist das Campen in der ägyptischen Wüste eins der sichersten Dinge, die man machen kann. Die ägyptische Regierung bekommt einen Großteil ihres Bruttosozialprodukts aus dem Tourismus, so dass die Sicherheit der Touristen und deren Wohlbefinden sehr ernst genommen wird.

Die dritte Fahrergruppe wird scherzhaft „Rucksack" genannt, weil sie immer die letzte ist, die ins Camp einfährt. Nicht unbedingt, weil sie langsamer fahren als die anderen, sondern weil sie unterwegs viele Pausen machen. Um zu Essen und zu Trinken, aber vor allem, weil sie die unsagbar schöne Aussicht, die Afrika zu bieten hat, in vollen Zügen genießen wollen. Sie bestimmen ihr Tempo selbst, sind aber an die Regeln gebunden, vor 1 Uhr beim Verpflegungs-Truck zu sein, der etwa bei der Hälfte der Strecke Mittagessen und Getränke reicht, und vor Einbruch der Dunkelheit das Camp zu erreichen.

„Es könnte ewig so weitergehen: Radeln, essen, die Aussicht genießen und durch alle Dörfer Afrikas fahren."
James D. Brown, Kingston Ontario, Kanada aus der "Rucksack'-Gruppe

Last, but not least gibt es die Gruppe derer, die sich nur für einen Abschnitt der Tour anschließen. Bisher waren verschiedene Fahrer bei uns. Es ist interessant, deren Energie zu sehen, wenn sie zur Tour kommen. Greg aus DK stieg bei uns in Addis Abeba, Äthiopien, ein. Voller Energie fuhr er wie der geölte Blitz am ersten Tag raus aus Addis, mit dem Ergebnis, abends völlig ausgepumpt vom afrikanischen Klima mit Magenverstimmung und total übermüdet im Camp anzukommen. Daraus schlau geworden, begann Greg kraftdosierend irgendwo im Mittelfeld zu radeln, wie die meisten von uns.

Die zwei außergewöhnlichsten Fahrer, die an der Grenze zwischen Kenia und Äthiopien zu uns kamen, dürfen wir natürlich keinesfalls vergessen. Douglas, ein Kenianer, der seit dem Bombenanschlag auf die amerikanische Botschaft in Nairobi 1998 blind ist, und sein Co-Pilot Benson, der das Tandem lenkt. Sie sind ein paar der schwersten Strecken der Tour gefahren, die sich über den Norden Kenias erstrecken. Ihre Kondition und physische Verfassung ist außergewöhnlich: während wir von vielen Fahrer Jammern über die anstrengende Fahrt auf den schlechten Straße hörten, waren sie müde und glücklich und hatten nur die eine Bitte, nämlich Wasser zu bekommen wenn sie ins Camp kamen.

Egal ob man in der Renn-, der mittleren oder der Rucksack Gruppe fährt, abends im Camp vermischen sich Fahrer aller Gruppen und pflegen Kontakt untereinander. Viele haben sich in den ersten acht Wochen der Fahrt verändert und man kann sich vorstellen, wie ihre emotionale Verfassung, ihr Selbstwertgefühl und Stolz nach weiteren acht Wochen am Ende der Tour in Kapstadt, Südafrika, sein wird.

Sicher ist, dass diese so unterschiedliche Gruppe von Frauen und Männern eine Riesenleistung bringt: zusammen die härteste Radtour der Welt zu meistern und unter einfachen Bedingungen miteinander zu leben. Sie alle machen diese erste Tour D'Afrique zu einem einmaligen und außergewöhnlichen Erlebnis für sich und für ihre Mitstreiter. Mal schauen, welche Abenteuer die nächsten paar Wochen noch auf unsere Teilnehmer warten.

Weitere Infos finden Sie unter www.tourdafrique.com

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