Samuel Sanchez gewinnt Burgos-Rundfahrt

Im Ziel streckt auch Unai die Arme in den Himmel

Von Monika Prell

Foto zu dem Text "Im Ziel streckt auch Unai die Arme in den Himmel"
Samuel Sánchez (Euskaltel) mit Sohn Unai auf dem Podium der Burgos-Rundfahrt Foto: ROTH

08.08.2010  |  (rsn) - Der Spanier Samuel Sánchez (Euskaltel) hat die Burgos-Rundfahrt 2010 gewonnen. Der 32jährige Olympiasieger setzte sich auf dem letzten Teilstück, der Königsetappe von Areniscas de los Pinares nach Lagunas de Neila über 155 Kilometer gegen seinen Landsmann Ezequiel Mosquera (Xacobeo – Galicia) und den Italiener Vicenzo Nibali (Liquigas) durch und erkämpfte sich so um eine Sekunde vor Mosquera die Gesamtführung vom bis dato Führenden Giampaolo Caruso (Katusha), der sich am Ende mit Rang sieben im Gesamtklassement zufrieden geben musste.

„Monika!“, wurde ich am Start freudestrahlend von Unai begrüßt. Unai ist der Sohn von Samuel Sánchez. Gestern ist der Kleine mit seiner Mutter und seinem Onkel zur Burgos-Rundfahrt gekommen, um seinen Papa anzufeuern. Normalerweise trifft man den Zweijährigen auf seinem kleinen, orange-schwarzen Laufmotorrad an, aber heute Morgen musste dieses im Auto bleiben.

Auf dem Gelände der Firma Areniscas herrscht ein zu großes Durcheinander von Fans, Fahrrädern, Teamautos und Bussen, als dass der Blondschopf sich zu weit von seiner Mutter entfernen könnte. Geduldig wartet er neben den Erwachsenen, bis sein Vater aus dem Bus steigt, zahlreichen Fans Autogramme gibt und schließlich zur Einschreibkontrolle fährt. Dazwischen wirft er immer wieder Bemerkungen ein wie „Papa ist im Bus“, „Papa muss aussteigen“ und zeigt mir, wie sein Papa macht, wenn er gewinnt: Arme in den Himmel.

„Es wäre schön, wenn er das heute auch machen könnte“, sagt Vanessa, seine Mutter und Sanchez' Frau. „Die Etappe liegt ihm, genau wie die zweite, die ebenfalls eine Bergankunft war.“ Unai interessiert sich in der Zwischenzeit mehr für seinen Onkel, der ihn auf die Schultern setzt und mit ihm Richtung der Polizeimotorräder geht, welche beide gleichermaßen faszinieren. Als Samuel Sánchez von der Einschreibkontrolle zurückkommt, bleiben ihm noch einige Minuten Zeit für die Familie. Unai begutachtet mit Kennerblick das Rad seines Vaters - ob auch alles in Ordnung ist -, bevor er ihm mit einem Kuss viel Glück für die Etappe wünscht.

Als das Peloton gestartet ist, setzt sich die Familie ins Auto und fährt hinauf zu El Portón, einem Teil des Zielbergs, den das Peloton zweimal passieren muss. Dort bekommt Unai nach dem Mittagessen endlich sein heißgeliebtes Laufmotorrad, mit dem er auf dem Parkplatz ein paar Runden dreht und sich so die Zeit bis zur ersten Durchfahrt des Pelotons vertreibt.

Auf den Schultern seines Onkels erlebt er dann mit, wie zunächst David Dario Cioni (Team Sky), José Vicente Toribio (Andalucía – Cajasur), Marcos García (Xacobeo – Galicia) und Valerio Agnoli (Liquigas) vorbeizischen, gefolgt von David Arroyo (Caisse d'Epargne) und Mikel Nieve (Euskaltel) sowie einer weiteren Zweiergruppe, bestehend aus Nick Nuyens (Rabobank) und Ivan Santaromita (Liquigas). Dann erst kommt das Feld, in dem Sanchez jun. seinen Papa erspäht, der ihm zuwinkt. Unai klatscht und ruft begeistert: „Schau, da ist Papa!“

Nachdem der letzte Fahrer die Bergwertung passiert hat, fährt die Familie Sánchez zum Ziel, wo ihr die Organisatoren den Weg hinauf auf die Terrasse der Kommentatorenkabinen weisen. Von dort aus verfolgt Unai auf der großen Leinwand, wie sein Vater einen seiner Konkurrenten nach dem anderen abschütteln kann, bis zuletzt nur noch Ezequiel Mosquera übrig bleibt.

Und als der Papa auch noch diesen auf den letzten Metern übersprinten kann, ist die Freude bei Unai und seiner Familie riesengroß. Der Kleine reckt die Arme in den Himmel. Als Samuel Sánchez dann auf dem Podium als Gesamtsieger geehrt wird, darf auch der Sohnemann auf die Bühne. Mit Schnuller. Und Samuel Sánchez ist mindestens genauso stolz auf seinen Sohn wie der auf ihn.

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