Sunweb-Profi über seine Rolle als “Road Captain“

Arndt hat mit der Tour “noch eine Rechnung offen“

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Nikias Arndt (Team Sunweb) | Foto: Cor Vos

16.07.2018  |  (rsn) - Auch Nikias Arndt trug seine Erinnerungen an die Roubaix-Etappe dieser 105. Tour de France davon. Abschürfungen am Knie und Ellenbogen sowie an der Hüfte zeichneten den Sunweb-Profi am ersten Ruhetag der Rundfahrt in Annecy. Insgesamt halte es sich aber in Grenzen, versicherte Arndt: "Als ich heute auf dem Rad gewesen bin, war ich schon ein bisschen steif. Ich musste mich auch ein wenig bewegen, damit sich das Knie wieder besser anfühlt. Ich mache mir da aber keine Sorge.“

Hinter Arndt liegen turbulente neun Etappentage. Der 26-Jährige füllt dieses Jahr die Rolle des Road-Captains im Team aus, der stets das Geschehen im Augen behalten muss. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, die auch jeden Tag eine gewisse Vorbereitung erfordert. "Es gibt schon viel zu tun“, berichtete Arndt, „ich bin im ständigen Austausch mit den Sportlichen Leitern. Wir haben als Team aber einen guten Weg gefunden, zusammenzuarbeiten.“ Seinen Mehraufwand bezifferte er auf gut eineinhalb Stunden pro Tag, in denen er Videomaterial zu den Etappen sichtet oder die Strecke online anschaut. Hinzu kommen die Besprechungen mit der Sportlichen Leitung.

Als Road Captain muss er in erster Linie auf Tom Dumoulin achten. Nicht immer leicht auf den turbulenten ersten Etappen einer Tour de France. "Man hat auf den vergangenen Etappen schon gesehen, dass die Klassementfahrer viel Unterstützung brauchen, um aus der Gefahrenzone herausgehalten zu werden“, bemerkte Arndt. Nach dem krankheitsbedingten Aus von Sprinter Michael Matthews darf er mittlerweile in den Sprintankünften aber auch eigene Akzente setzen: "Bis drei Kilometer vor dem Ziel fahre ich bei Tom. Wenn er mir dann das Go gibt, dann darf ich auf eigene Kappe fahren.“ Auf der 7. Etappe nach Chartres erreichte Arndt so immerhin Platz sieben.

Damals bestrafte die Rennjury André Greipel (Lotto Soudal) für einen Kopfstoß in Richtung Arndt. Zwischen ihm und Greipel sei das Thema aber abgehakt, erläuterte er: "Wir haben miteinander gesprochen und uns geeinigt. Ich war selber von seiner Distanzierung überrascht, ich habe mich nicht angegriffen gefühlt. Es war ein Positionskampf. Allerdings sah die Szene gleich aus wie die von Gaviria. Daher ist die Einschätzung in Ordnung. Beide Fahrer wurden für ein ähnliches Vergehen bestraft.“ Greipel wie auch Fernando Gaviria waren nach der Sprintankunft in Chartres von der Rennjury zurückgesetzt worden.

Für die anstehenden Alpenetappen nimmt Arndts Arbeitsaufwand rund um Dumoulin allerdings erst einmal ab – dort sind andere im Team gefordert. "Ich versuche über die ersten Berge mit rüber zukommen. Es kommt halt darauf an, wie gefahren wird. Solange versuche ich, bei Tom zu bleiben.“

Hinsichtlich eigener Ambitionen aus Fluchtgruppen im weiteren Tour-Verlauf hält sich Arndt jedoch zurück. Im Vorjahr beendete er die 19. Etappe aus einer Fluchtgruppe auf Platz zwei und merkte an, dass er mit der Tour "ja noch eine Rechnung offen“ habe. Damals hegte die Mannschaft aber keine Ambitionen für die Gesamtwertung, dieses Jahr ist das mit Dumoulin anders. Daher spekulierte Arndt auch auf keinen Freifahrtsschein für Fluchtgruppen. "Das Ziel ist ein gutes Rennen mit Tom abzuliefern“, sagt Arndt, fügte jedoch an: "Ich warte nicht darauf. Aber die Tour ist lang und Möglichkeiten können sich immer ergeben.“

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