Platzt der Tour-Knoten nach sechs zweiten Plätzen?

Degenkolb möchte “so früh wie möglich eine Etappe gewinnen“

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John Degenkolb (Trek-Segafredo) ist noch ohne Tour-Etappensieg. | Foto: Cor Vos

06.07.2018  |  Les Herbiers (dpa) - Auch nach dem offiziellen Schlussstrich unter den Fall Chris Froome bleibt bei John Degenkolb (Trek-Segafredo) ein fader Beigeschmack. "Ich habe ein bisschen Bedenken, dass deswegen Nebenkriegsschauplätze entstehen. Das wäre schade. Wir haben hier genug Stress. Es wär total doof, wenn dadurch Gefahren von außen entstehen", sagte der 29 Jahre alte Oberuseler einen Tag vor dem Start der 105. Frankreich-Rundfahrt auf der Atlantikinsel Noirmoutier im Team-Hotel in Les Herbiers.

Der viermalige Tour-Sieger Froome war am Vortag bei der Team-Vorstellung in Roche-sur-Yon vom Publikum gnadenlos ausgepfiffen worden. Die Affäre um den Sky-Kapitän und deren Ausgang nannte Degenkolb "nicht gerade förderlich für den Radsport". Am Montag hatte der Weltverband UCI Grünes Licht für Froomes Tour-Start erteilt, weil dessen erhöhte Werte des Asthmamittels Salbutamol nicht als Dopingvergehen gewertet worden waren.

"Man sollte jetzt einen Schlussstrich ziehen - wir können sowieso nichts mehr ändern. Froome wurde nicht positiv getestet. Das muss man jetzt akzeptieren", sagte Degenkolb. Er hoffe, dass die Causa Froome "jetzt nicht weiter die Hauptrolle" spiele. "Die ganze Geschichte ist sehr schlecht für den Radsport. Es bleiben viele offene Fragen für Froome und das Team Sky", sagte Degenkolbs niederländischer Teamkollege Bauke Mollema am Freitag. Der 31 Jährige ist bei Trek-Segafredo der Mann für die Gesamtwertung..

Trotz einer nicht optimalen Vorbereitung - eine Schleimbeutelverletzung im Frühjahr bremste ihn für rund zwei Monate aus -, schaut Degenkolb seiner sechsten Frankreich-Rundfahrt optimistisch entgegen. "Ein Traum wäre, eine Etappe zu gewinnen und Bauke zu einem möglichst guten Platz in der Gesamtwertung zu verhelfen", betonte er.

Sechsmal sprintete der gebürtige Geraer bei seinen bisherigen Tour-Teilnahmen auf Platz zwei - Druck macht er sich angesichts des noch ausgebliebenen ersten Platzes deswegen jedoch nicht. Auch nicht im Hinblick auf die 9. Etappe, die in Roubaix endet, wo Degenkolb im Jahr 2015 den Gewinn des Frühjahrsklassikers Paris-Roubaix feierte. "Es wäre schön, wenn ich so früh wie möglich eine Etappe gewinnen könnte. Am Ende ist es daher total Wurst, welche Etappe es wäre", sagte er.

Das Grüne Trikot des Punktbesten hat Degenkolb dagegen weniger im Visier: "Das wird schwierig für mich, das muss man bei den Etappen immer vorne sein. Peter Sagan ist der absolute Topfavorit auf Grün". Fünfmal gewann der dreimalige Weltmeister aus dem deutschen Bora-hansgrohe-Rennstall bereits das begehrte Sprintertrikot. "Er kommt immer gut über die Berge und kann fast auf jedem Terrain Punkte sammeln", nannte Degenkolb den großen Vorteil des Slowaken.

Für Degenkolb indes hält der erste Ruhetag in Annecy, nach der Roubaix-Etappe, ein besonderes Schmankerl bereit. "Da kommt meine Familie - darauf freue ich mich", meinte der zweifache Vater.

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