Geburt des zweiten Kindes motiviert zusätzlich

Degenkolb: "Ich habe keine Angst, die Vuelta durchzufahren"

Von Christoph Adamietz aus Bürstadt

Foto zu dem Text "Degenkolb:
John Degenkolb (Trek-Segafredo) | Foto: Cor Vos

16.08.2017  |  (rsn) – Durch die Geburt des zweiten Kindes gut eine Woche nach der Tour de France, dem damit verbundenen Trubel und entsprechend kurzen Nächten war die Vorbereitung auf die am Samstag beginnende Vuelta a Espana für John Degenkolb (Trek-Segafredo) sicherlich nicht optimal. Dennoch ist der Klassikerspezialist guter Dinge. „Die Geburt gibt mir zusätzliche Motivation. Ich freue mich auf die Vuelta", erklärt er vor seinem Sieg beim Criterium in Bürstadt gegenüber radsport-news.com.

Auch die von viel Pech geprägte Tour de France – ein schwerer Sturz, Defekt auf den Champs Elysees, kein Etappensieg – war durch die Geburt schnell verdrängt. „Als ich nach Hause kam, war die Spannung megagroß, da jeder Zeit die Geburt hätte losgehen können. Ich war extrem froh, die Zeit zu Hause zu verbringen und für die Familie da zu sein. Das ist das was zählt im Leben. Der Radsport ist meine große Liebe, aber die Familie steht an Nummer eins“, so Degenkolb, der deshalb zwischen Tour und Vuelta keine UCI-Rennen bestritt und nur am Dienstagabend in Bürstadt antrat.

„Das ist jetzt noch ein kurzer, letzter Formcheck, oder ein Aufgalopp. Wie man es nennen möchte. Am Ende ist es perfektes Timing, dass ich nach dieser relativ langen Rennpause ein relativ kurzes Rennen habe, bei dem ich wieder reinfinden kann. Am Samstag heißt es dann bei der Vuelta wieder: `Auf die Plätze, fertig, los.` Da sind wir wieder in der WorldTour unterwegs, man wird wieder den Blutgeschmack spüren“, erklärte der Trek-Segafredo-Profi mit einem Lächeln.

Der Oberurseler weiß, dass die ersten Tage in Frankreich und Spanien hart werden könnten und er möglichst schnell den richtigen Rhythmus und ein gutes Gefühl auf dem Rad finden muss. „Das dauert hin und wieder schon ein paar Tage“, so Degenkolb.

Dennoch will sich der 28-Jährige möglichst früh einen Etappensieg sichern. „Wenn ich den einen oder anderen Etappenerfolg mitnehmen kann, wäre das fantastisch, auch in Hinblick auf die WM. Das würde mir noch zusätzliches Selbstvertrauen geben“, sagt Degenkolb, der bei der Vuelta bisher zehn Etappensiege bejubeln konnte.

Ein weiterer könnte womöglich auch auf der flachen Schlussetappe mit Ziel in Madrid dazu kommen. Denn Degenkolb will im Gegensatz zu vielen Kontrahenten die Spanien-Rundfahrt zu Ende fahren. “ In der Vergangenheit bin ich bei der Vuelta von Tag zu Tag besser geworden und war dann in richtig guter Form bei der WM am Start. Ich habe keine Angst davor, die Vuelta durchzufahren. Auch wenn viele sagen, die Vuelta ist zu lang, zu schwer, zu nah an der WM. Aber danach hat man immer noch zwei Wochen und die sollten mir dann auch als Erholung reichen“, erklärte Degenkolb.

Allerdings weiß er auch, dass es in den drei Wochen durch Spanien darum geht, mit den Kräften hauszuhalten, um danach nicht zu erschöpft ins norwegische Bergen zu reisen. „Wenn es auf einer Etappe nicht notwendig ist, werde ich dann auch nicht unbedingt vorne mitreinhalten“, erklärte Degenkolb, der nach einer für ihn hoffentlich erfolgreichen Vuelta voller Zuversicht auf die WM in Norwegen blickt. „Die Strecke könnte mir wirklich liegen. Ich bin wahnsinnig motiviert und es ist eine Auszeichnung, dass der BDR hinter mir steht und wir gemeinsam ein Ziel verfolgen.“

Das da lautet: Zum ersten Mal seit 1966 (Rudi Altig) wieder einen Weltmeister zu stellen!

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