11. September - Arabba/ Belluno - Teilnehmer-Bericht

Dolomiti Classic: Kaiserwetter im Gruppetto

Von Ralf Bois

Foto zu dem Text "Dolomiti Classic: Kaiserwetter im Gruppetto"
| Foto: dolomiticlassic.com

13.09.2011  |  (Arabba, 12. 9./ Rsa) - Voller Vorfreude auf einen interessanten italienischen Herbst-Radmarathon, den Gran Fondo Dolomiti Classic, habe ich am Samstag vor dem Rennen in Arabba mein "pacco gara", das Rennpaket abgeholt. Kein Problem, wenn man etwas Englisch oder gar Italienisch kann: Arabba gehört nicht mehr zu Südtirol, sondern schon zur rein italienischen Provinz Belluno.

Auch diesmal gab‘s neben den Verpflegungs-Gutscheinen für den Gourmet-Marathon "Palagusto" wieder ein nützliches Rad-Accessoire: ein Paar weiße Castelli-Kompressionsstrümpfe. Die habe ich gleich am Renntag ausprobiert - durchaus empfehlenswert...

Der Renntag selbst begann schon frühmorgens mit Kaiserwetter: klare, frische, wenn auch kühle Luft, mit Sonne bis zum Untergang. Ein Grund für die meisten italienischen "cicloamatori", also Amateur-Radrennfahrer, sich hochsommerlich zu kleiden.

Für mich als "Erlebnisfahrer" durfte es auch dieses Jahr wieder nicht ohne Windweste sowie Arm- und Knielinge gehen. Denn nach sonnigen, aber langen und strapaziösen Anstiegen wie auf den Passo Giau (2236 m) folgten stets rasante kühle Abfahrten auf Nord- und Osthängen. Einerseits erfrischend - für die vordere Beinmuskulatur jedoch weniger erfreulich. Zudem habe ich ein seit kurzem neu in Deutschland erhältliches perforiertes Sommer-Funktionshalstuch von Biotex ausprobiert.

Aber nun zum Rennen: Vor dem Start um 9 Uhr wurde des vor wenigen Wochen überraschend verstorbenen Andrea Pinarello, Sohn des legendären Radherstellers Giovanni Pinarello aus Treviso gedacht. Danach machte sich das komplette Starterfeld ins Tal Richtung Cortina d‘ Ampezzo auf, ganz gleich, ob man sich für die 80-km- oder 135-km-Runde entschieden hatte.

Weil beim Bergabfahren ein Warmfahren schlecht möglich ist, ließ ich es locker angehen, denn ich wußte aus leidvoller Erfahrung: Der Passo Giau verzeiht keine Fehler! Im frühen Anstieg fuhr ich auf eine Dreier-Gruppe junger italienischer Fahrer und Fahrerinnen auf. Mein Pulsmesser signalisierte einen guten Herzfrequenzbereich; allerdings war das Tempo halt nicht mehr so ganz rennmäßig. Aber es lagen ja noch einige Höhenmeter vor mir.

Die Fahrt im „gruppetto“ und die Kommunikation im neu gebildeten „italienisch-deutschen Team“ machten den Anstieg erträglicher - immerhin durchschnittlich rund zehn Prozent Steigung. Aber letztendlich waren Mirco und Elena aus Jesolo konditionell besser drauf, und ließen Tiziana aus Mailand und mich langsam abfallen.

Egal – in den Tunnels bekamen wir durch den kühlenden Schatten erneuten Auftrieb, und schraubten uns in den 28 Kehren immer weiter bis auf 2236 Meter, zur Zeitnahme am Giau-Pass. An der Verpflegungsstation, wie immer bestens organisiert mit Wasser, Tee, Elektrolyt-Getränken sowie Sandwiches, Kuchen, Bananen und weiterem Süßem trennten sich unsere Wege.

Schnell noch ein paar Fotos gemacht, und weiter ging‘s die 10-km–Abfahrt Richtung Aufstieg zum Passo Falzarego hinab. Als es da wieder ordentlich bergauf ging, kam die Stunde der Wahrheit - und der ersten Oberschenkelkrämpfe! Wohl eine Folge der unterkühlten Abfahrt. So musste ich mein Tempo erheblich drosseln, was meinen Pulsmesser ordentlich freute, da er ständig im grünen Bereich blieb.

Und auch sehr langsames Bergauffahren kann seinen Reiz haben: Man genießt die herrlichen Bergwelt mit allen Sinnen. Einziger Wermutstropfen war die vielen Motorradfahrer, die das gute Wetter für eine Ausfahrt genutzt haben.

Kurz vor dem Passo Falzarego dann eine weitere Verpflegungsstation mit Getränken, wo ich mich während des Fahrens versorgte. Bei der anschließenden Abfahrt ließ ich es locker angehen, da eine gute Zeit sowieso futsch war. Schließlich blieb der Schlussanstieg nach Arabba, den ich aufgrund meiner Erfahrung aus früheren Veranstaltungen gut meisterte.

Doch bis zum Ziel musste ich mich noch von vielen gutplazierten "corridori" der Langstrecke überholen lassen. An ein Mitfahren in einer Gruppe war nach rund 45 km  Alleinfahrt leider nicht mehr zu denken.

Mein Resüme: Alles in Allem ein gut organisierter Radmarathon, mit üppig verteilten Hinweisschildern in Giro-Rosa, der bei Essen und Trinken mit der Siegerehrung und guter „dopo gara“-Stimmung ausklang.

Viele Grüße aus dem Herz der Dolomiten und a presto, bis bald
Ralf

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